September 2021, kino arsenal

arsenal 3: Archival Assembly und Werkschau Angelika Levi

AUF GEHTS, ABER WOHIN? (Angelika Levi, 1989)

Im Rahmen des Festivals Archival Assembly #1 wird ein Teil des Kinoprogramms auf arsenal 3 präsentiert. Jeweils einen Tag nach der entsprechenden Kinovorführung bis Mitte September sind diverse Filme des Programms zu sehen. Anschließend an die Präsentation der digital restaurierten Fassung von Angelika Levis MEIN LEBEN TEIL 2 im Rahmen des Festivals zeigen wir außerdem Werkschau ihrer seit 1983 entstandenen Filme.

Folgende Filme aus dem Programm sind bis Mitte September zu sehen: MUEDA, MEMÓRIA E MASSACRE (Ruy Guerra, Mosambik 1979, bezugnehmend auf die Performance Trópicos Mecânicos), eine antikoloniale Erinnerungsarbeit anhand eines Reenactments des Massakers von Mueda; BÖSE ZU SEIN IST AUCH EIN BEWEIS VON GEFÜHL (BRD 1983) von Cynthia Beatt, eine persönliche und kathartische Konfrontation mit dem Status der Filmemacherin als Nichtdeutsche in Berlin in den 70er und 80er Jahren; die Kurzfilme LES NOMADES DU SOLEIL (1953) und LA SUISSE S’INTERROGE (1964) des schweizerischen Dokumentarfilmpioniers Henry Brandt; OF DUST AND RUBIES, A FILM ON SUSPENSION (Tamer El Said, D 2020), eine kollektive Auseinandersetzung mit dem unvollendeten Film Of Dust and Rubies von Hussein Shariffe, dessen Film DIARY IN EXILE (1993, in Zusammenarbeit mit Atteyat Al Abnoudy) ebenfalls präsentiert wird; TAMBAKU CHAAKILA OOB ALI (1982) und SUDESHA (1983) von Yugantar, dem ersten feministischen Filmkollektiv Indiens; MAPPING LESSONS (Philip Rizk, Ägypten 2020), der den Zuschauer gemeinsam mit K. durch Raum und Zeit in die Levante zur Zeit der Kolonisierung reisen lässt; zwei Filme von Serap Berrakkarasu, TÖCHTER ZWEIER WELTEN (BRD 1990) über eine Mutter und ihre Tochter, die eine aus der Türkei nach Deutschland migriert, die andere in Deutschland aufgewachsen, und EKMEK PARASI – GELD FÜR’S BROT (D 1994), ein Film über Frauen aus der Türkei und Mecklenburg, die gemeinsam am Fließband einer Lübecker Fischfabrik arbeiten; OFF FRAME AKA REVOLUTION UNTIL VICTORY (Mohanad Yaqubi, 2016), ein Film, der den Fragmenten einer Revolution nachspürt und Bilder eines Traums von Freiheit zusammensetzt; MEIN LEBEN TEIL 2 (Angelika Levi, D 2003), der das Leben der Mutter der Filmemacherin anhand ihres Nachlasses rekonstruiert und dabei den Zusammenhang von persönlicher und historischer Geschichte erforscht, sowie PRATER (Ulrike Ottinger, D/AT 2007), der in die facettenreiche Geschichte des Wiener Praters eintauchen lässt.

Werkschau Angelika Levi

Angelika Levi, 1961 geboren, studierte von 1985 bis 1991 an der Berliner dffb. Ihre kurzen, experimentierfreudigen Filme zeigen Freundschaft, Sex und Alltag, Architektur und Science-Fiction.

Angelika Levis erster langer Film MEIN LEBEN TEIL 2 lief 2003 im Forum der Berlinale und gewann zahlreiche Preise. ABSENT PRESENT (2010) ist ein essayistischer Dokumentarfilm über verschiedene Formen des Reisens: Urlaub und Migration, gewollte und erzwungene Rückkehr. ANAK-ANAK SRIKANDI (2012) vereint acht sehr persönliche Blicke auf lesbisches, bisexuelles und transidentisches Leben im islamisch geprägten Indonesien. MIETE ESSEN SEELE AUF (2015) dokumentiert den nachbarschaftlichen Kampf um Wohnraum in Kreuzberg. Ihr jüngster Film AHORITA FRAMES hatte beim diesjährigen Forum Expanded Premiere. Darin performen am Grenzübergang Ped-West in Tijuana  Refugees ihre Erzählungen. Sie spielen Asbestarbeiterinnen, US-Soldaten*innen, Rotkreuzhelfer*innen und Feuerwehrleute. Migrant*innen aus Guatemala und Venezuela und Mexikaner*innen, die aus den USA nach Tijuana deportiert wurden.
Angelika Levis Stimme führt wie ein Faden durch ihre Filmografie. Ausgangspunkt ihrer Assoziationswelten ist ihre unmittelbare Erfahrungswelt. Immer wieder fixiert sie ihren Standort, um sich der eigenen Identität zu versichern, und sich dann wieder dem Fluss der Imagination hinzugeben. Weder kreist sie dabei um sich selbst, noch verliert sie den Halt. Stattdessen schafft sie ein Vertrauen, das es den Zuschauer*innen erlaubt, den Assoziationsketten frei zu folgen und in unbestimmten Wahrnehmungsprozessen eine Methodik der Gesellschaftsanalyse zu erkennen, die niemals einen Abschluss finden kann.
Das Programm läuft vom 16. September bis zum 31. Oktober. Es wird begleitet durch ein Gespräch mit Angelika Levi auf unserem Youtube-Kanal am 21.9. um 18 Uhr, moderiert von Borjana Gaković.