Juli 2012

"Os residentes - The Residents"

von Tiago Mata Machado, Kinostart: 12. Juli 2012

Bilder aus Os residentes

Angetreten um einer Welt, der die Utopien und die Poesie abhandengekommen sind, den Kampf anzusagen, haben die Bewohner eines Abrisshauses eine temporäre autonome Zone errichtet. Eine Art situationistische Stadtguerilla der Gegenwart, verbringen sie ihre Tage damit, auf materieller wie immaterieller Ebene Unruhe zu stiften. Es wird rezitiert und deklariert, diskutiert, performed und getröstet. Eine Frau wird gekidnappt, pantomimisch der Nahkampf geübt, Schamhaare zu Schnurrbärten umarrangiert. Viele der lustvoll-sinnlosen Aktionen der Bewohner drehen sich im Kreis; hierin ist bereits deren ironische Selbstreflexion enthalten: Letztlich sind sie bloße ästhetische Imitation der Parolen, Gesten und Posen der politischen und künstlerischen Praxis der 1960er und 1970er. So verkünden die Bewohner schließlich das Ende der eigenen Avantgarde und geben ihr Haus dem Abriss anheim. Mit der gleichen Freude am Verwirrspiel experimentiert dieser einfallsreiche, wunderbar fotografierte Film mit Form und Inhalt. Gespickt mit diskursiven und filmischen Referenzen ist er sich der eigenen Begrenztheit vollends bewusst und vertritt doch selbstbewusst die These, dass noch in jeder Wiederholung etwas von der unruhestiftenden Kraft der ursprünglichen Geste liegt.

Tiago Mata Machado, geb. 1973 in Belo Horizonte, Brasilien, ist Filmkritiker, Kurator, Filmemacher und Video-Künstler. Er studierte am Fachbereich Multimedia des Institute of Arts der University of Campinas, São Paulo. OS RESIDENTES ist nach O QUADRADO DE JOANA (2006) sein zweiter abendfüllender Spielfilm.

Presse zur Berlinale

„SCHÖNSTE TRANSPLANTATION: Im brasilianischen Forums-Film „Os Residentes“: Aus weiblichen Schamhaaren wird ein Oberlippenbart.“ Tagesspiegel.de, Berlinale Extrem

 „Dieser Film ist von 2010, von Form und Inhalt her scheint er geradewegs aus den 60er/70er Jahren zu kommen: Es gibt lange Einstellungen, wenige Schnitte, lange Dialoge über Liebe, Leben und Politik (Lenins Zitat „Ethik ist die Ästhetik der Zukunft“ feiert seine Renaissance) , formal unterteilt in durch verschiedene Kleidungsstücke versinnbildlichte Kapitel. Die Reihenfolge gehorcht allerdings keiner dramaturgischen Logik, Regisseur Tiago Mata Machado experimentiert eben gern.“ Zitty

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OS RESIDENTES
Brasilien 2010, Länge: 120 Min., Format: 35mm (gedreht auf HD), Sprache: Portugiesisch, Fassung: OmU; Buch und Regie: Tiago Mata Machado, Kamera: Aloysio Raulino, Andréa C. Scansani, Schnitt: Joacélio Baptista, Tiago Mata Machado, Art Director: Cinthia Marcelle, Ton: Bruno Vasconcelos, Pedro Aspahan, Musik: André Wakko, Juan Rojo, David Lansky, Vanessa Michellis, Darsteller: Melissa Dullius, Gustavo Jahn, Jeane Doucas, Simone Sales de Alcântara, Dellani Lima, Roberto de Oliveira, Geraldo Peninha, Cassiel Rodrigues, Paulo César Bicalho, Produzent: João Dumans, Tiago Mata Machado