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Im Anschluss an ihre Präsentationen im Rahmen von Archival Constellations im letzten Jahr, lud Subversive Film das Mosireen-Kollektiv zu einem Gespräch über zwei separate revolutionäre Zeiträume ein. Darin ging es um die Vermittlungsstrategien, die in der Palästinensischen Revolution (1968–82) und der Ägyptischen Revolution von 2011 für die Filmausbildung entwickelt wurden. Das Gespräch wurde als Beiblatt zu „The Syllabus“ veröffentlicht, einem Publikationsprojekt von Subversive Film, in dessen Zentrum ein unveröffentlichtes Manuskript für ein Kameralehrbuch des palästinensischen Kameramanns und Revolutionärs Hani Joharieh aus den 1970er-Jahren steht. 2011 hatte Mosireen während der ägyptischen Revolution einen Lehrplan für Filmproduktion und Street Media entwickelt, der unmittelbar Anwendung fand.
Das Panel führt ihren Versuch fort, die filmpädagogischen Ansätze, die in zwei separaten revolutionären Momenten entwickelt wurden, zu vergleichen. Es widmet sich möglichen Überschneidungen von Vergangenheit und Gegenwart, dem/der Filmemacher*in als Revolutionär*in und der Rolle der Praxis des Archivierens. Subversive Film befragt diese Praxis anhand von Recherche- und Produktionsstrategien von bereits existierendem Material, während Mosireen Material sichert, in dessen Produktion sie selbst involviert waren. Vor diesem Hintergrund wird auch das Online Archive „858.MA An Archive of Resistance“ präsentiert, das 858 Stunden verschlagwortetes, nach Aufnahmezeit und -datum durchsuchbares Videomaterial sowie tausende Fotos und Dokumente verfügbar macht, die seit 2011 gesammelt wurden. Ein großer Teil des Materials wird erstmals veröffentlicht – rohes, ungeschnittenes Material, das von Dutzenden Menschen aufgenommen wurde, die an den Auseinandersetzungen teilgenommen haben. Der Aufbau des 858-Archivs bedeutete ein Ringen mit Fragen der Sicherheit, des Timings und der Urheberschaft. Nostalgie musste bekämpft und Sinn aus einem Ereignis generiert werden, das das Kollektiv selbst durchlebt hatte und nun aus der Distanz betrachtete. Wege mussten gefunden werden, diesen riesigen Materialfundus am Leben zu erhalten, der Narration der Regierung etwas entgegenzusetzen und das kollektive Gedächtnis zu bewahren.
    
Subversive Film hat sich 2011 als Filmforschungs- und -produktionskollektiv mit dem Ziel gegründet, historische Arbeiten, die mit Palästina und der Region in Verbindung stehen, in ein neues Licht zu rücken, Unterstützungsmaßnahmen für Filmkonservierung zu schaffen und Archivpraktiken und ihre Auswirkungen zu erforschen. Weitere Projekte, die in diesem Zusammenhang von Subversive Film entwickelt wurden, sind u.a. die digitale Neuauflage bislang übersehener Filme, das Kuratieren von Filmreihen mit seltenen Titeln und die Untertitelung wiederentdeckter Filme.

Mosireen ist ein Medienkollektiv, das während der ägyptischen Revolution gegründet wurde. Zwischen 2011 und 2014 betriebt das Kollektiv einen Raum im Zentrum Kairos als revolutionäres, aktivistisches Zentrum, um die Medienproduktion der Zivilbevölkerung zu unterstützen. Dazu gehörten die Veröffentlichung von Videos, Training, technische und Kampagnenunterstützung, Filmvorführungen und Veranstaltungen. Darüber hinaus beherbergte der Raum ein umfassendes Archiv mit Filmmaterial, das die Revolution dokumentiert.

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

Gefördert durch:

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