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OYOYO (DDR 1980) von Chetna Vora zählt zu den am häufigsten angefragten Filmen im Filmarchiv der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und kann dennoch aufgrund seiner Überlieferungslage nur begrenzt verfügbar gemacht werden. Im Archiv erhalten sind das Umkehroriginal und eine Umkehrkopie, letztere kann aufgrund ihres Alters und als einzig noch gut erhaltene Kopie nicht für Kinoeinsätze zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls erhalten sind separate Magnettöne, die vom Essigsäuresyndrom betroffen sind, durch das das Trägermaterial zersetzt wird. Von dem Umkehroriginal gibt es eine digitale Arbeitskopie, die vereinzelt in Kinos zum Einsatz gekommen ist.

Umkehroriginal und Umkehrkopie repräsentieren zwei Versionen des Films. Während das Umkehroriginal 47 Minuten lang ist, hat die Umkehrkopie eine Länge von 65 Minuten. Eine zweite Kopie, die dieser Version entspricht, jedoch in einem deutlich schlechteren Zustand, wurde vor kurzem vom Kameramann des Films, Lars-Peter Barthel, der Filmuniversität übergeben. Barthel studierte zur gleichen Zeit wie Chetna Vora an der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen der DDR und war ihr Partner bei der Arbeit und im Leben. Vora war in mehreren Filmen als Regisseurin oder Darstellerin aktiv, bei denen Barthel als Kameramann tätig war. Die lange Version entspricht laut Barthel den Intentionen Voras für ihren Hauptprüfungsfilm über Lebensgefühl und -situation internationaler Studierender in der DDR.

Mit Mitteln des Förderprogramms Filmerbe, finanziert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Länder und die Filmförderungsanstalt plant die Filmuniversität 2023 beide Versionen des Films zu digitalisieren und restaurieren und somit in digitaler Form zugänglich zu machen. Damit wird künftig erstmals die lange Version des Films verfügbar sein. Darüber hinaus wird die Bereitstellung beider Versionen die Möglichkeit geben, die Produktionsgeschichte von OYOYO näher zu erforschen und damit auch ein Stück Geschichte der Filmhochschule sichtbar zu machen.

Logos sowohl im gekürzten Umkehroriginal als auch den vollständigen Kopien deuten auf eine Zusammenarbeit mit dem DDR-Fernsehen, das seit Ende der sechziger Jahre zu einem wichtigen Partner der Hochschule geworden war. Viele Filme entstanden im Hinblick auf Sendeformate des Fernsehens und wurden als kurze Reportagen gezeigt. Vielleicht ist die Kürzung um 18 Minuten auf die erforderliche Sendelänge zurückzuführen. Andererseits sind im Deutschen Rundfunkarchiv weder Kooperation noch Ausstrahlung mit dem Fernsehen der DDR nachgewiesen.

Die Kürzungen wurden im Umkehroriginal an mehreren Stellen durchgeführt, nachdem die beiden Umkehrkopien gezogen worden waren. Das geschnittene Material ist verschollen. Somit sind 18 Minuten aus der ursprünglichen Konzeption des Films als Kameraoriginal verloren und nur in den Umkehrkopien erhalten. Für das Restaurierungskonzept ergibt sich damit folgender Konflikt: Eine vollständige Fassung in digitaler Form lässt sich nur erzeugen entweder unter Beibehaltung der Mängel für den ganzen Film bei einer Digitalisierung einer der vollständigen Kopien mit entsprechendem Generationsverlust und Abnutzungserscheinungen oder mit erkennbaren Sprünge zwischen Original und Kopie bei einer Komplettierung des Umkehroriginals durch die Umkehrkopien.

Das Werk Chetna Voras und ihres Kameramanns und Lebenspartners Lars-Peter Barthel zeugt vom formalen und thematischen Aufbruch der Studierenden und ihren Konflikten mit den Kontrollinstanzen an der Hochschule und beim Fernsehen.

 

Zu sehen sein wird der Film im Forum als Werkstattvorführung der oben erwähnten digitalen Arbeitskopie, die der kurzen Version entspricht. Diese digitale Arbeitskopie entstand als ein erster Testversuch. Eine aufwendige Reinigung des Ausgangsmaterials durch eine Restauratorin und ein Scan mit der schrammenreduzierenden Methode Wetgate fand nicht statt. Ebenfalls konnten keine Bild- und Tonbearbeitung vorgenommen werden. Dies wird nun durch die Förderung der Filmförderungsanstalt ermöglicht. Da schon die digitale Arbeitskopie sehr eindrücklich ist, habe wir uns entschieden, dem Wunsch der Kurator*innen und der Familie Chetna Voras zu entsprechen und den Film in dieser Fassung zu zeigen.

Das Werk Chetna Voras und ihres Kameramanns und Lebenspartners Lars-Peter Barthel ist zentral für die Geschichte der Filmuniversität, für die späten siebziger und frühen achtziger Jahre. Es zeugt vom formalen und thematischen Aufbruch der Studierenden und ihren Konflikten mit den Kontrollinstanzen an der Hochschule und beim Fernsehen. Diese Vorführung ist verbunden mit der Hoffnung, die Neugier auf die Filme zu wecken, welche – finanziert durch das Förderprogramm Filmerbe – in den nächsten Jahren sukzessive restauriert werden. Neben OYOYO, können die Filme ELEONORA (DDR 1976, Regie: Lars-Peter-Barthel) und ORANGENMOND (DDR 1979/80, Regie: Gabriele Dennecke), in denen Vora als Darstellerin mitwirkte, aufgearbeitet werden. Die digitale Rekonstruktion des Diplomfilm FRAUEN IN BERLIN (DDR 1982/83), den Chetna Vora nicht wie von ihr gewünscht fertigstellen konnte, wird als nächste Herausforderung in Angriff genommen.

 

Anke Wilkening ist Projektkoordinatorin des Förderprogramm Filmerbe der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

Katja Krause ist Leiterin der Universitätsbibliothek der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.

 
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