Regie
Ken Jacobs, Flo Jacobs
USA / 2005
18 Min.
/ Ohne Dialog
Ein Zug fährt durch einen Tunnel auf einen Bahnhof zu. Zeit und Raum werden zum Spielmaterial. Der erste Teil von Steve Reichs „Drumming“ dient als Taktgeber. „Die Tonspur verleiht dem Film eine fast Voodoo-artige Atmosphäre, ganz zu schweigen von den sexuellen Obertönen, die sich ansammeln, wenn die Lokomotive wieder und wieder in den Tunnel einfährt, oder wenn schwammige, grau-weiße Flächen sich als Passagier*innen herausstellen, die ihre weißen Taschentücher, einem mehrdeutigen uralten Ritual gleich, in die Kamera schwenken. Die Geschichte löst sich auf und wird eine Facette der Wahrnehmung. Film und Zug werden gleichermaßen Werkzeuge zur Verdrehung ebendieser Wahrnehmung, wie der zweideutige ,Whistleblower‘ aus dem Titel bereits andeutet.“ Kirsty Bell, Frieze Magazine, Okt. 2014
Let There Be Whistleblowers ist eine frühe Auseinandersetzung mit dem digitalen Bild und bindet Montagetechniken aus analogem Film ein, insbesondere aus den Nervous System-Performances, bei denen das Duo mehrere 16-mm-Projektoren manipulierte, um aus zweidimensionalem Material 3D-Effekte zu erzielen. Der Film wird in Andenken an Flo und Ken Jacobs präsentiert. Er wurde 2007 im Forum Expanded aufgeführt. Bis zu ihrem Tod im Juni und Oktober letzten Jahres war das Paar dem Arsenal, dem Forum und Forum Expanded in enger Freundschaft verbunden.
Ken Jacobs (1933–2025) studierte von 1956 bis 1957 Malerei bei Hans Hofmann. Erste Filme realisierte er 1955. 1966 gründete Jacobs den Millennium Film Workshop, den er bis 1968 leitete. Ein Jahr später rief er das Department of Cinema an der State University of New York in Binghamton ins Leben. Hier lehrte er als Professor von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000. Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer hat er eine Vielzahl von experimentellen Filmen und Videos gedreht, die weltweit gezeigt wurden. Darüber hinaus präsentiert er seit Mitte der 1970er-Jahre unterschiedliche Film-Performances unter dem Reihentitel „The Nervous System“ sowie ab 2000 „The Nervous Magic Lantern“.
Flo Jacobs (1941–2025) war eine in New York lebende Malerin, Produzentin und Filmemacherin, die eng mit der amerikanischen Avantgarde-Filmszene verbunden war. Anfang der 1960er-Jahre arbeitete sie mit dem Experimentalfilmer Ken Jacobs zusammen, produzierte und wirkte in vielen seiner Projekte mit und war 1966 Mitbegründerin des Millennium Film Workshop. Jacobs trat in zentralen Werken des Expanded Cinema auf, prägte diese maßgeblich und arbeitete medienübergreifend in Film, Performance und Bildender Kunst.
Regie Ken Jacobs, Flo Jacobs.
Ken Jacobs: 1955: Orchard Street (Forum Expanded 2015). 1960: Little Stabs at Happiness. 1964: Window. 1990: Opening the Nineteenth Century: 1896. 1999: Flo Rounds a Corner. 2003: Keeping an Eye on Stan. 2004: Star Spangled to Death. 2005: Spiral Nebula (Forum Expanded 2006), Let There Be Whistleblowers. 2011: Seeking the Monkey King (Forum Expanded 2012). 2013: A Primer in Sky Socialism (Forum Expanded 2014), The Guests (Forum 2014). 2014: Cyclops Observes the Celestial Bodies (Forum Expanded 2015). 2016: Ulysses in the Subway (Koregie Flo Jacobs, Marc Downie, Paul Kaiser, Forum Expanded 2017), Popeye Sees 3D (Forum Expanded 2017). 2019: The Whole Shebang (Forum Expanded 2020).
Flo Jacobs: 2016: Ulysses in the Subway (Koregie Ken Jacobs, Marc Downie, Paul Kaiser, Forum Expanded 2017).
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