Der Film LET THERE BE WHISTLEBLOWERS, den wir in Erinnerung an die im letzten Jahr verstorbenen Experimentalfilmpionier*innen Flo und Ken Jacobs zeigen, war eine der ersten Arbeiten, in der sie ihre mit analogem Film begonnenen Untersuchungen zum dreidimensionalen Bild ins Digitale überführten. Zur Zeit der Entstehung des Films war das Patent für den Effekt, den sie „Eternalisms“ tauften, noch anhängig.
Eternalisms zeigen stereoskopische Fotos. Sie verbinden zwei sehr ähnliche Perspektiven per Computer zu einem einzigen, kontinuierlichen dimensionalen Bild, das ohne Brille sichtbar ist
Im Zusammenhang mit einem anderen Film schrieb Ken 2016 dazu:
„Mein Malereistudium bei Hans Hofmann hatte mich für Phänomene der räumlichen Tiefe sensibilisiert, auch für seltsame Lesarten der Tiefe, inklusive der unnatürlichsten: flach. 1964 erfuhr ich vom Pulfrich-Effekt und erhielt Zugriff auf eine gänzlich illusionistische Tiefe, weit jenseits der üblichen, durch perspektivische Andeutungen hervorgerufenen. 1975 begann ich mit meiner Partnerin Flo die Erkundungen des Nervous System. Wir performten mit zwei Stop-Motion-Filmprojektoren: Aufeinander folgende Filmkader, die unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Szene zeigten, wurden über längere Zeiträume hinweg übereinander projiziert. Eine sich drehende Blende zwischen den Projektoren aktivierte das zusammengesetzte Bild auf der Leinwand. Es entstand eine Tiefe, die sogar mit nur einem Auge sichtbar war: seltsam, unheimlich, verrückt! 2000 wechselten wir zu digitalen Verfahren. Wir ließen unsere Entdeckungen patentieren und forschten weiter – forschen immer noch. Eternalisms zeigen stereoskopische Fotos. Sie verbinden zwei sehr ähnliche Perspektiven per Computer zu einem einzigen, kontinuierlichen dimensionalen Bild, das ohne Brille sichtbar ist. Keinesfalls vertrauenswürdig, aber interessant!“
Bitte Bild anklicken, um den Effekt zu sehen: