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Die Reihe wirft die Frage auf, wie Kultur im Allgemeinen, Kino im Besonderen, Gesellschaft und Rassismus zusammenhängen. Sie widmet sich dem Schaffen von Schwarzen Regisseur*innen und Regisseur*innen of Color in Deutschland und versteht sich als ein Experiment in geteilter kuratorischer Verantwortung. Dabei wirft sie auch ein Schlaglicht auf ein zu Unrecht zu wenig bekanntes Kapitel deutscher Filmproduktion.
 
Diesmal haben die Kurator*innen Enoka Ayemba und Biene Pilavci die Filmauswahl getroffen. Unterstützt haben sie dabei Karina Griffith, Jacqueline Nsiah, Can Sungu sowie das Auswahlkomitee des Berlinale Forums. Sechs Programme aus Lang- und Kurzfilmen vereinen Arbeiten aus vier Jahrzehnten, unter ihnen FREMD. YABAN. (2007) von Hakan Savaş Mican mit der wunderbaren Sema Poyraz in einer tragenden Rolle, IN DER WÜSTE (1987), ein Spielfilm von Rafael Fuster Pardo über zwei brotlose Künstler im Vorwende-Berlin, DRECKFRESSER (2000) von Branwen Okpako, ein Dokumentarfilm über einen Schwarzen Polizisten im Sachsen der Nachwendezeit, die Essayfilme DIE LEERE MITTE (1998) und NORMALITÄT 1–10 (1999–2001), beide von Hito Steyerl, sowie ein Film aus der Studienzeit von Raoul Peck, MERRY CHRISTMAS DEUTSCHLAND ODER VORLESUNG ZUR GESCHICHTSTHEORIE II (1985).

Die Kurator*innen erläutern ihre Auswahl in einem Statement: „Die Reihe versteht sich als Momentaufnahme in einem selbstbestimmten und fortlaufenden Prozess der Einmischung und des Widerspruchs. Jeder Film ist ein Vorschlag, den weißen deutschen Blick mit vielfältigen, intersektionalen Perspektiven zu parieren, und allen gemein ist eine eigene visuelle und textuelle Praxis der Zeugenschaft von innen, nicht vom Rand.“ 

Zu den elf Fiktionsbescheinigungs-Filmen gesellen sich drei weitere Arbeiten, die entweder selbst schon historisch sind und in neu restaurierten Fassungen vorliegen oder die Geschichte des Berlinale Forums reflektieren. Med Hondos WEST INDIES OU LES NÈGRES MARRONS DE LA LIBERTÉ (West Indies) aus dem Jahr 1979 widmet sich in reduzierter Kulisse, dafür mit umso größerem Ideenreichtum dem transatlantischen Sklavenhandel, der Lage auf den französischen Antillen und der Einwanderungspolitik der Grande Nation. Eine Ästhetik der Sparsamkeit begegnet der Flamboyanz eines Musicals, und aus dem Zusammenprall entsteht eine Groteske, die nichts an bitterer Aktualität verloren hat. 

Nicht minder aktuell ist Borhane Alaouiés Spielfilm BEIRUT AL LIKA (Beirut the Encounter), obwohl er aus dem Jahr 1981 stammt. Eine junge Frau ist im Begriff, die vom Bürgerkrieg versehrte Stadt Richtung Amerika zu verlassen, für sechs Monate oder für immer, so genau weiß sie es nicht, und ein junger Mann würde sie gerne noch einmal sehen, wären da nicht die Straßensperren, die gekappten Telefonverbindungen und Verkehrsstaus. Alaouié zeichnet die wehmütige Skizze eines Abschieds. Hätte er ahnen können, dass sich 41 Jahre später viele Libanes*innen in der gleichen Lage befinden?

Schließlich schaut das Berlinale Forum auf seine eigene Geschichte. Alice Agneskirchner widmet Ulrich und Erika Gregor das Filmporträt KOMM MIT MIR IN DAS CINEMA – DIE GREGORS. Mit Filmausschnitten, Archivmaterial, nachgestellten Szenen und Interviews gibt die Berliner Regisseurin einen tiefen Einblick in die Vita und das Wirken dieser beiden legendären Filmvermittler, ohne die es das Berlinale Forum nicht gäbe.

Programm 1

Programm 2

Programm 3

Programm 4

Programm 5

Programm 6

Weitere Filme

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