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Ich betrat die Welt von Barbara Hammer zum ersten Mal als Studentin, als ich meine Abschlussarbeit über Barbaras frühe Filmografie schrieb – ich war unglaublich inspiriert von der Idee einer lesbischen Künstlerin, die ein Leben auf die Leinwand brachte, das sie zuvor noch nie gesehen hatte. Durch diese Forschungsarbeit lernte ich Barbara kennen und nach Barbaras Tod im Jahr 2019 entwickelte sich eine enge Freundschaft zu ihrer Witwe Florrie Burke. Dies führte dazu, dass ich mich ein Jahrzehnt lang mit Barbara Hammer beschäftigte – ich drehte einen Kurzfilm und nun einen Dokumentarfilm über Barbaras Leben, Werk und Vermächtnis. Ich habe Barbara Hammer immer als eine Art Historikerin angesehen, als jemanden, deren Leben sich mit meinem eigenen verband.

Als ich Barbara durch ihr Archiv näher kennenlernte, begann ich sie nicht nur als bahnbrechende Künstlerin zu verstehen, sondern auch als Vorbild dafür, wie man gegen den Strom schwimmt. Barbara war eine rebellische Frau, die Dinge auf ihre eigene Art und Weise tat – nicht durch starre Gewissheit, sondern durch Ausprobieren und Scheitern, Neugier und Verspieltheit. Sie erlaubte sich, zu experimentieren, zu scheitern, neu anzufangen und dem zu folgen, was sich für sie richtig anfühlte, anstatt dem, was von ihr erwartet wurde. Dieser Geist zieht sich durch ihre Filme und ihr ganzes Leben. Barbaras Werk macht deutlich, dass man keine Erlaubnis braucht, um sich selbst zu erfinden, dass das Leben nach den eigenen Vorstellungen ein fortwährender, unvollkommener und sehr menschlicher Prozess ist. In dieser Hinsicht bietet ihr Leben etwas zutiefst Universelles – eine Einladung an alle, ob Künstler*in oder nicht, hinauszugehen und das zu tun, was ihnen wichtig ist, mutig und ohne sich dafür zu entschuldigen.

Als Filmemacherin denke ich heute viel über die spezifisch queere Tradition nach und über diejenigen, die vor mir da waren – all die Leben, die gelebt wurden, so wie meines. Ich bin fasziniert davon, Geschichten zu erzählen, die in der Gegenwart verwurzelt aber von der Vergangenheit inspiriert sind, und die über zukünftige Möglichkeiten von Queerness nachdenken. Meine Arbeit hinterfragt, wie persönliche Archivsammlungen einen ungefilterten Einblick in ein breiteres Spektrum queerer Leben bieten kann, insbesondere angesichts der aktuellen politischen und kulturellen Einstellungen gegenüber unseren queeren und trans Geschwistern. Letztendlich verwebt mein Ansatz, LGBTQIA+-Geschichten zu erzählen, meine eigene Perspektive mit zugänglichen Werken, die als einzelne Fäden innerhalb einer gemeinsamen kollektiven Aufzeichnung auftauchen. Auf diese Weise hoffe ich, zur Erhaltung und Erweiterung der queeren Geschichte beizutragen – indem ich sowohl reale als auch imaginäre Leben dokumentiere. Und als Lesbe finde ich, dass das ein und dasselbe sein kann.

Ich glaube, dass Barbaras Filme ein tiefes Potenzial zur Selbstidentifikation und kollektiven Verbindung besitzen.

Heute ist Barbara Hammer eine einzigartige und zutiefst einflussreiche Figur innerhalb des queeren Kinos und der Avantgarde-Kunstszene weltweit, doch ihre Arbeit ist einem breiteren Publikum nach wie vor weitgehend unbekannt. Mit diesem Film möchte ich den Kontext und die Reichweite ihres Vermächtnisses erweitern, indem ich ihre Arbeit in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst, Film, Bildung und queerer Lebensweise bringe - damit ein breiteres Publikum zum ersten Mal damit in Berührung kommen kann. Ich glaube, dass Barbaras Filme ein tiefes Potenzial für Selbstidentifikation und kollektive Verbindung besitzen und dass sich viel mehr Menschen in ihren Werken wiederfinden würden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten. Ich hoffe, dass dieser Film es mehr Menschen ermöglicht, eine Verbindung zu Barbara aufzubauen und ihren Einfluss weiterzutragen, indem sie sich selbst ausdrücken und ihre Spuren hinterlassen – auf ihre eigene Weise – als die nächste Generation von Visionären.

Mein beruflicher Hintergrund als Archivproduzentin prägt nicht nur meine generative künstlerische Praxis und meine Methoden der Herangehensweise an und Interpretation von Archivmaterialien, sondern bietet mir auch die Möglichkeit, mit anderen Dokumentarfilmregisseur*innen zusammenzuarbeiten. Ich hatte das Vergnügen, mit queeren Filmemacher*innen die ich zutiefst bewundere zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen, darunter Kirsten Johnson, Kim Reed und Sian-Pierre Regis.

Die Zeit, die ich mit Barbara und ihrem Werk während der Arbeit an diesem Dokumentarfilm verbracht habe, hat mir die Sprache und den Rahmen gegeben, um mein eigenes Leben mit Neugier, Ehrgeiz und dem Wunsch zu leben, mich tief mit anderen zu verbinden – sowohl künstlerisch als auch persönlich. Ich bin sehr gespannt darauf zu erfahren, wie das Publikum von BARBARA FOREVER das Vermächtnis von Barbara Hammer im eigenen Leben und Träumen verinnerlicht und weitergibt.

Brydie O’Connor

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