Dieser Film beginnt mit einem Familientabu: Michele – der Onkel, den ich nie kennengelernt habe, der mit 28 Jahren an AIDS starb. Entstanden während des Workshops Nouvelle Bug Vol. 4, einer internationalen Residenz für avantgardistisches digitales Kino, wurde dieser Kurzfilm zu einer Möglichkeit, mich sowohl mit einer persönlichen Wunde als auch mit der Heroinsucht und dem letztendlichen Verlust meines Onkels auseinanderzusetzen. Eine Geschichte, die meine Familie geprägt hat und die Erfahrungen einer ganzen Generation in Italien widerspiegelt.
Dazu habe ich zwei Stimmen in einen Dialog gebracht: die Erinnerungen meiner Mutter und die automatisierte Sprache einer KI. Diese beiden Perspektiven stehen oft in Spannung zueinander, der Konflikt zwischen ihnen ist instabil, manchmal absurd, manchmal aufschlussreich. Durch ihren Kontrast entsteht nach und nach Micheles Geschichte. In dieser fragilen Rekonstruktion wird das Erinnern und Analysieren seiner Fotos mehr als eine archivarische Übung – es wird zu einer Geste des Verstehens und Heilens, zu einer Möglichkeit, das menschliche Leben hinter den Bildern nachzuzeichnen und über Erinnerung, Verlust und das Ungesagte nachzudenken.
Paolo Baiguera