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Ich vermeide es bewusst, viel über den Film zu sagen oder über das Erlebnis, ihn anzuschauen, damit die Leute ihn selbst entdecken können. Auch weil ich während der Fertigstellung selbst noch einiges über den Film neu entdecke.

Um meine Filme in den USA drehen zu können, habe ich ein System entwickelt, das es mir ermöglicht, sie unabhängig zu finanzieren, in meinem eigenen Tempo zu arbeiten und meinen eigenen ästhetischen Interessen zu folgen. Bei AUSLANDSREISE habe ich dieses System auf meine neuen Lebens- und Arbeitsumstände angewendet und angepasst. Im Wesentlichen geht es darum, zu berechnen, wie viel Geld ich pro Monat für Dreharbeiten zur Verfügung habe, und entsprechend zu arbeiten.

Von Anfang an habe ich einige Parameter festgelegt: ein Tag im Monat über einen Zeitraum von einem Jahr wird gedreht, nur in meiner Nachbarschaft in Berlin, nur mit Menschen, die dort oder in der Nähe leben, nur mit verfügbarem Licht; die Dialoge für die Szenen werden im Voraus geschrieben, ein Buch steht als Quelle für die Dialoge im Mittelpunkt. Außerdem gab es eine ästhetische Checkliste, die ich der Kamerafrau gezeigt habe, an deren Spitze „Old Man Film“ stand.

Wir drehten vom 2. Mai 2024 bis zum 2. Mai 2025, manchmal zwei Tage im Monat, selten ganze Tage. Am ersten Tag waren die einzigen geschriebenen Szenen diejenigen, die wir drehten. Das Gleiche galt für den zweiten und dritten Tag im Juni. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine Ahnung, wie der Rest der Geschichte verlaufen würde, und schrieb einen Entwurf. Aber die Dialoge schrieben wir weiterhin Monat für Monat. Normalerweise erstellte ich eine erste Version, und Leonie, die Hauptdarstellerin, überarbeitete den Text, bevor ich die Szene in einzelne Einstellungen aufteilte und an die anderen Darsteller*innen schickte. Auch sie durften die Dialoge an ihre Sprechweise anpassen.

Der Film wuchs im Laufe der Monate, beeinflusst durch das Werk von Anna Maria Ortese, das wir alle mehr oder weniger intensiv lasen und das Samen in den Film säte, die sich zufällig in der Welt um die Figuren herum widerspiegelten. Ich las Ortese zum ersten Mal 2015, aber erst während der Arbeit an diesem Film wurde mir klar, wie viel davon ins Französische und Spanische übersetzt worden war, wenn auch nicht so viel ins Deutsche oder Englische.

Ted Fendt

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