Wenn deine Eltern für ihre Abwesenheit nichts können, wem gibst du dann die Schuld für deinen Schmerz? Was macht man mit seiner Wut, wenn man nur etwas abstraktes wie Armut dafür verantwortlich machen kann? Immer nur Stimmen, immer nur Gesichter auf einem Bildschirm. Keine Berührungen, kein Geruch. Keine Umarmungen. Die Eltern sind körperlose Wesen, die in Mobiltelefonen und Laptops leben. Nach einer gewissen Zeit werden sie zu digitalen Geistern, ihre Stimmen verzerrt, ihre Gesichter verpixelt wie Puzzles. Die ersten Menschen, zu denen man eine Beziehung aufbaut, werden mit der Zeit ein wenig abstrakt.
Ich wollte diese Sehnsucht nach menschlicher Nähe, nach den Händen und der Haut der eigenen Eltern vermitteln. Sie sind nicht völlig abwesend, aber auch nie ganz da, nur nach einem straffen Zeitplan verfügbar, fast nie nachts. Nachts, wenn die Geräte ausgeschaltet sind und die echte Abwesenheit beginnt. Welche Heilung oder welchen Ersatz kann man dafür finden? Wie stillt man dieses Verlangen nach menschlicher Berührung im Alter der sexuellen Entdeckung? Die schreckliche Frustration dieser Abwesenheit macht alles fast unerträglich.
Für viele dieser Teenager ist die Familie nicht mehr der Mittelpunkt ihrer Welt, sondern wird durch die Gemeinschaft um sie herum ersetzt: Freunde, Nachbarn, entfernte Verwandte – etwas, das nicht wie eine Familie ist, sondern etwas anderes, integrativer, freier und offener. Jede Person, die für dich da ist, wenn du sie brauchst. Aber dennoch, wie widersteht man der emotionalen Prägung, sich nach einer Familie zu sehnen?
Tudor Cristian Jurgiu