Dieser Film entspringt meiner engen Verbindung zum Kibbuz Nir Oz und dem westlichen Negev. Ich kam als Teenagerin dorthin und fand ein Zuhause, eine erweiterte Familie, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hat. Obwohl ich schon seit vielen Jahren nicht mehr dort lebe, ist dieser Ort immer noch ein Teil von mir. Der Tod meiner Freunde, die niedergebrannten Häuser und die Zerstörung des Kibbuz trieben mich dazu, ohne klaren Plan mit dem Drehen zu beginnen. Vielleicht um einen Weg zu finden, das Unvorstellbare zu verarbeiten.
Ich wanderte umher und filmte die Felder, auf denen ich einst gearbeitet hatte, und andere: die Kornkammer Israels. Sie sind jetzt Militärzonen, von ihren Bewohnern verlassen, von Kriegsmaschinen zerstört. Mein Verstand und meine Gefühle weigern sich, die Widersprüche und Paradoxe, die dieser Landschaft innewohnen, in Einklang zu bringen. Ich bin voller Trauer und Wut.
Während ich filme, frage ich mich immer wieder, ob es möglich ist, die richtige Distanz für eine filmische Arbeit zu finden. Welche Perspektive würde einen Film in dieser Situation möglich machen? Mir wird klar, dass ich einen Partner brauche.
Ich wende mich an Ariel, einen engen Freund in Paris, und bitte ihn, mich aus der Ferne zu begleiten. Vielleicht ergibt sich irgendwo zwischen unseren beiden Standpunkten ein Weg.
Ich schicke ihm regelmäßig Aufnahmen vom Grenzzaun und den Dörfern daneben, die immer am Horizont zu sehen sind, doch derzeit unzugänglich. Das stört Ariel und macht ihn wütend: Wie können wir aus einer so entfernten Position über Gaza und die dortige Katastrophe sprechen?
Ich stimme ihm zu, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob meine Kamera das Inferno in Gaza einfangen könnte. Wie kann man durch Krieg verursachtes menschliches Leid zeigen, wenn es so nah ist und doch hinter dem Zaun liegt? Ich suche weiter.
Bombardements erschüttern den Boden. Flugzeuge ziehen vorbei. Panzer rollen in den Gazastreifen hinein und wieder raus. Drohnen surren rund um die Uhr am Himmel. In den israelischen Medien und den sozialen Netzwerken verschiebt sich die Sprache: Vernichtung, Aushungerung, ethnische Säuberung, Auslöschung. Dies wird als Rache dargestellt, als Bestrafung des Gazastreifens nach dem Massaker vom 7. Oktober, eine Position, die im öffentlichen Diskurs Israels zunehmend normalisiert worden ist.
Anat Even