Was mich dazu motiviert hat, diesen Film zu drehen, sind meine Erfahrungen als Frau und das Bedürfnis, nach meinem 40. Geburtstag die Lust am Leben wiederzuentdecken. Das Erreichen dieses Alters veranlasste mich, mich alten Wunden zu widmen, von denen viele von meiner Mutter stammen, andere von der Abwesenheit meines Vaters und von Menschen, die mein Leben gekreuzt haben. Wie Rosa bestehe ich aus widersprüchlichen Schichten: sowohl der tiefen Kraft der Mutterschaft und der weiblichen Abstammungslinie, als auch den männlichen Einflüssen, die versuchen, unsere emotionalen und physischen Grenzen zu definieren. Zwischen diesen Stimmen entsteht der Impuls, mein eigenes Territorium zu suchen.
Diese Suche kommt in der Sprache des Films zum Ausdruck. Der Raum wird als Erweiterung von Rosas emotionalem Zustand konstruiert, als eine Umgebung, die sich entsprechend ihrer inneren Wahrnehmung faltet, verengt oder ausdehnt. Die Schauplätze beschreiben nicht die Außenwelt, sondern offenbaren ihre Innenwelt. Sie sind die Architektur ihrer Erinnerungen, ihres Traumas und ihres Verlangens.
Die Zeit im Film ist nicht linear, sondern die Zeit des Denkens. Rosa bewegt sich ganz natürlich zwischen der Gegenwart und ihrer Kindheit hin und her, durchquert dabei reale Erinnerungen und imaginäre Rückblicke. Der Film funktioniert nach einem mentalen Code: Alles, was auf der Leinwand zu sehen ist, entspringt ihr, als würden ihre Emotionen die Struktur der Zeit neu ordnen. Vergangenheit und Gegenwart kommunizieren ständig miteinander und verschwimmen bisweilen.
Der Ton ist der Faden, der diese Ebenen miteinander verbindet. Er transportiert Stimmen, Echos und Geräusche, die sowohl zu dem gehören, was Rosa erlebt hat, als auch zu dem, was sie nie erlebt hat, sich aber vorstellt. Das Sounddesign verwebt diese zeitlichen Linien miteinander und schafft eine akustische Landschaft, die die Figur tiefer in sich selbst hineinzieht.
Ich glaube, dass jeder irgendwann im Leben den Ruf nach dieser inneren Reise verspürt, einer Überquerung, die heilt, neu ordnet und die Möglichkeit wiederherstellt, wahrhaftig zu existieren. Dieser Film ist aus diesem Impuls entstanden: der Suche nach einer späten emotionalen Freiheit und nach einer Wiedergeburt, die nur geschieht, wenn wir endlich zu uns selbst zurückkehren.
Im Wesentlichen handelt dieser Film vom Verlangen zu leben und jede Sekunde zu genießen, die das Leben bietet.
Janaína Marques