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Ich habe öfter als mir lieb war erlebt, wie die Welt suchtkranke Menschen und Obdachlose sieht und behandelt. Oft reichte es schon, dass ich mit meinen Verwandten zusammen war, damit andere mich genauso sahen. Die Isolation, die Verachtung und das Fehlen jeglicher Versuche, zu verstehen, taten weh. Deshalb habe ich beschlossen, unsere Geschichte zu erzählen.

Der ächtende Umgang mit Sucht und Obdachlosigkeit geht nicht auf die eigentlichen Ursachen ein – Traumata, Armut und soziale Ausgrenzung – und marginalisiert stattdessen die Menschen, die betroffen sind, noch weiter. Er verkennt, dass Sucht oft ein Mittel ist, um mit Schmerzen umzugehen, eine Überlebensstrategie, und keineswegs das eigentliche Problem darstellt. Ich wollte die verbreitete Vorstellung, dass Sucht ein Versagen des Willens sei, infrage stellen und eine traumasensible Perspektive anbieten, die Erinnerungen, gemeinsame Kindheit und Liebe als Linse nutzt, durch die ich meinen älteren Bruder und meine Cousins betrachte, die obdachlos sind und unter Sucht leiden. Sie versteht Sucht nicht als persönliches Scheitern, sondern als adaptive Reaktion auf Schmerz, Entfremdung und unerfüllte emotionale Bedürfnisse.

In Zeiten, in denen sich Suchterkrankungen weltweit weiter ausbreiten, halte ich es für unerlässlich, über Symptome und moralische Urteile hinauszuschauen. In Gesellschaften, die von Individualismus, Leistungsdruck und schwächer werdenden sozialen Bindungen geprägt sind, wird Mitgefühl oft durch Schuldzuweisungen ersetzt. Untersuchungen zeigen jedoch immer wieder, dass strafende und ausgrenzende Ansätze im Umgang mit Sucht den Schaden nicht verringern, sondern stattdessen Stigmatisierung verstärken und Traumata vertiefen. Sucht ist kein individuelles, isoliertes Problem, das aus dem Nichts entsteht. Sie hat ihre Wurzeln eher in frühen Beziehungs- und Sozialumfeldern, die von Stress, Störungen und mangelnder Zugehörigkeit geprägt sind, als in persönlichem oder familiärem Versagen. Und in einer Welt, die von Unsicherheit, parallelen Kriegen, ökologischen Krisen, Inflation und wachsenden sozialen und wirtschaftlichen Spaltungen geprägt ist, sammelt sich das Leid unter dem systemischen Druck an und wird oft über Generationen hinweg weitergetragen.

Wir wissen viel darüber, wie man Menschen mit Suchterkrankungen und Obdachlosen helfen kann, doch viele Regierungen entscheiden sich immer noch für einen Weg der Ausgrenzung. Wir brauchen Entstigmatisierung, traumasensible Betreuung, sozialen Wohnungsbau und eine Behandlung, die sowohl zugänglich als auch human ist. Wir müssen Verbindung anbieten, nicht Kontrolle. In Zeiten eskalierender Krisen ist Mitgefühl nicht nur eine moralische Haltung, sondern eine notwendige Grundlage für jede sinnvolle soziale Reaktion.

Nicht zuletzt handelt dieser Film davon, was es bedeutet, Angehörigen zu helfen, die unter einer Sucht leiden, und wie erschöpfend und selbstzerstörerisch ein solcher Weg ohne angemessene Grenzen sein kann. Ich konnte meinen Vater nicht retten, aber ich wollte versuchen, meinen älteren Bruder zu retten. Doch was bedeutet es, jemanden zu retten, und ist das überhaupt möglich, ohne die eigene psychische Gesundheit und das eigene Leben zu gefährden? Vielleicht bedeutet wahrer Respekt, den Menschen zu akzeptieren, das Tempo seiner Heilung, seine Lebensweise und damit vielleicht auch die Weise, wie er stirbt. Ihn trotzdem zu lieben, ohne ihn zu verurteilen. Der Film zeichnet diese Reise nach.

Pepa Lubojacki

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