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Mit LIEBHABERINNEN setze ich die Suche fort, die ich bereits in meinen Kurzfilmen begonnen habe: eine filmische Sprache, die nicht versöhnt, nicht erklärt, nicht erlöst. Dieser Film ist – Elfriede Jelinek sei Dank – eine anti-romantische Tragikomödie, ein heterosexueller Horrorfilm. Analytische Schärfe trifft auf einen bewusst bösen Blick. Humor ist hier kein Trost, sondern Überlebensstrategie: „Manchmal ist der Jäger in einer schlimmeren Situation als das Wild“, schrieb Jelinek in ihrem Roman von 1975, das gilt auch heute noch für die beiden Protagonistinnen des Films.

Im Zentrum stehen zwei Frauen: Brigitte und Paula. Beide rebellieren gegen eine Ordnung, die Frauen Selbstverwirklichung verspricht und sie zugleich gegeneinander ausspielt. Der eigentliche Konflikt dieses Films verläuft nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen den Frauen: zwischen Mutter und Tochter, zwischen Kolleginnen, zwischen Vorbildern und Abschreckungsfiguren. Diese Kämpfe werden fast immer verloren.

Mich interessiert weibliche Solidarität dort, wo sie scheitert. Wie sabotieren sich Frauen selbst? Durch Missgunst, durch überpräzise Kritik, durch das unbewusste Weitertragen misogyn geprägter Wertmaßstäbe. Frauenfeindlichkeit funktioniert nicht nur von außen – sie unterscheidet gnadenlos zwischen „guten“ und „schlechten“ Frauen und wird so verinnerlicht.

Brigitte ist eine dialektische Figur, sie glaubt an Erfolg, stößt an Gewalt und lernt am Ende, was Erfolg kostet. Ihre Geschichte führt sie nicht in die Freiheit, sondern erstmal in einen goldenen Käfig. Paula hingegen landet genau in jener Position, die Brigitte beinahe zerstört hätte. Ausgerechnet Brigittes Mutter ist die einzige Figur, die in einem entscheidenden Moment echte Solidarität zeigt. Sie rettet Paula aus dem Dorf, in die vermeintliche Freiheit. Diese Umkehrung ist der Kern des Films.

Für mich sind die LIEBHABERINNEN auch eine groteske, verzerrte Realität, in der Arbeitswelt, Effizienzdruck, Begehren und Feminismus zu einer absurden Kampfzone werden. Die Wirklichkeit selbst ist grotesk geworden – der Film macht sie nur sichtbar. Hoffnungen kippen, Erwartungen verkehren sich ins Gegenteil, und was als Emanzipation beginnt, endet oft als neue Form der Disziplinierung.

Auch der Score wird gezielt dazu eingesetzt: bekannte Melodien von Mozart, die den satirischen Charakter schärfen, statt Emotionen zu glätten. Wie in einem Lustspiel à la „Figaros Hochzeit“ halten Macht und Geschlecht die Figuren in permanenter Bewegung – doch das Lachen bleibt schmerzhaft. Trotz aller Komik ist LIEBHABERINNEN für mich ein zutiefst tragischer Film, sogar ein heterosexueller Albtraum. Er trifft da, wo man sich selbst wiedererkennt. Keine Figur steht über der anderen, niemand ist moralisch überlegen. Alle sind beschädigt, alle verstrickt, alle zugleich Täter*innen und Opfer. Genau darin liegen Empathie und Zumutung zugleich.

Koxi

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