Gewalt ist ein Mittel, das von denen eingesetzt wird, die über eine gewisse Macht verfügen, wenn sie glauben, dass ihre Ziele behindert werden. Es beginnt mit Überzeugungsarbeit; wenn diese scheitert, werden Informationen manipuliert, diese Manipulation schürt Konflikte, und sobald sich diese Spannungen verschärfen, wird schließlich kollektive Gewalt provoziert. Unabhängig davon, ob die Anstiftenden Erfolg haben, bleibt in der betroffenen Gemeinschaft ein tiefgreifendes Trauma zurück, in dem alle sowohl Täter als auch Opfer sind.
MY NAME folgt einer Frau, die unter einem Trauma leidet, nachdem sie ihre Kindheitserinnerungen verloren hat, und sich auf eine Zeitreise begibt, um ihre Identität wiederzufinden. Während sie mit ihrem Psychiater in die Vergangenheit taucht, wird ihr Sohn fast unbemerkt in die Machtkämpfe seiner Klassenkameraden hineingezogen, nachdem ein gewalttätiger neuer Schüler an seine Schule wechselt. Während er allmählich in das Netz der Gewalt an seiner Schule verstrickt wird, gelangt die Frau bis ans Ende ihrer lang unterdrückten Erinnerungen – nur um mit schrecklicher, willkürlicher kollektiver Brutalität konfrontiert zu werden.
Diese Gewalt ist der sogenannte „April 3rd Incident“ (Jeju-Aufstand, 3. April 1948), eine Tragödie, deren genaue Bezeichnung Korea selbst achtzig Jahre später, unter dem bleibenden Schatten des „Red Complex“, noch immer schwerfällt.
Im Nachwort zu Lee Byunghans „New America in Question“ steht: „Die moderne Geschichte ist in Wahrheit amerikanische Geschichte. Und die amerikanische Geschichte ist an sich Weltgeschichte.“ Und John Dower beginnt „The Violent American Century“ mit dieser Beobachtung: „Traditionell hat sich die Kriegsführung nach amerikanischer Art auf die drei D’s gestützt: defeat, destroy, devastate (besiegen, zerstören, verwüsten).“
Dieser Film ist ein Gedenken an alle Opfer des 3. April 1948, ihre Hinterbliebenen und auch die Täter.
Chung Ji-young