In den Jahren 2017 und 2018 durchlebte ich eine sehr düstere Phase. Damals starb mein Großvater, dann wurde bei meinem Onkel Krebs diagnostiziert, während mein Vater sich einer schweren Operation unterziehen musste, die ihn das Leben hätte kosten können. Ich verbrachte unzählige Tage an ihren Krankenbetten. Um mich herum sah ich täglich Krankheit, Leiden und Tod. Es war das erste Mal, dass ich so viel Zeit mit solch großem Leid verbrachte; es machte mich einsam und quälte mich. Allmählich begann ich, über die Grenzen des Krankenhauses hinauszuschauen und nach anderen Menschen zu suchen, die ähnliches Leid erlebten. Ich wollte sehen, wie sie es schaffen, dies zu ertragen. Dieser Film erzählt eine Geschichte, die ihren Ursprung in meinem persönlichen Schmerz hat, aber danach strebt, ihn mit den Erfahrungen anderer zu verbinden.
PANDA ist die Geschichte von vier kleinen Leben, vier Menschen, die von Erinnerungen heimgesucht werden und während des berüchtigten kalten Winters in Nanjing am Jangtse-Fluss umherirren. Während die Tage vergehen, kauern sie sich inmitten von Traumata und Liebe aneinander.
Auf individueller Ebene trägt jede Figur spezifische psychologische Wunden mit sich – sexuelles Trauma, die Trauer um den Verlust eines Ehepartners, zerbrochene Träume, den Verlust der Identität, den Zusammenbruch des Selbstwertgefühls. Dies sind keine Einzelfälle, sondern vielmehr Inbegriffe eines modernen spirituellen Dilemmas: Wie koexistieren wir in der Gesellschaft, während wir unaussprechliche Schmerzen ertragen?
Auf kollektiver Ebene repräsentiert die Begegnung dieser Figuren das Zusammenkommen von Randgruppen innerhalb einer Gesellschaft. Von der Mainstream-Gesellschaft übersehen, finden sie in einander einen Funken Hoffnung. Ihre „Widerstandslosigkeit“ ist keine Feigheit, sondern eine Form sanfter Beharrlichkeit in ihrer Ohnmacht. Es ist eine gemeinsame Solidarität der Schwachen, ein stiller Protest.
Im heutigen Zeitalter der Globalisierung und allgemeiner Unruhe ist menschliches Leid zunehmend universell geworden. Wirtschaftliche Ungleichheiten, die Folgen von Kriegen, psychische Gesundheit und Identitätskrisen – diese Probleme haben Grenzen überschritten und sich zu kollektiven Traumata unserer Zeit entwickelt. In diesem Film ist der Jangtse, der die Stadt durchquert, nicht nur ein Gewässer, sondern auch eine Metapher, ein lebendiges Wesen, das individuelle Erinnerungen und Tränen mit sich trägt und in ein Meer des geteilten menschlichen Leids fließt.
In einer Zeit oberflächlicher, glatter Modernität werden unüberwindbare und unausgesprochene Qualen oft begraben. Aber das Kino ist eine Kunstform, die solche Schmerzen durch Stille, Langsamkeit und Kontemplation ans Licht bringen kann. Mit diesem Film möchte ich das Unsichtbare sichtbar machen, mich mit Sorgfalt und Anteilnahme den marginalisierten Leben widmen, die von der Gesellschaft übersehen werden. Ich möchte einen zaghaften Hoffnungsschimmer entfachen – nicht durch grandiose Erlösungen, sondern durch ruhige, subtile Verbindungen zwischen Menschen. Ich möchte die Möglichkeit zur Empathie schaffen, dem Publikum eine Hand reichen, die es im Dunkeln halten kann, wenn auch nur für einen Moment.
Dieser Film ist keine Antwort, sondern eine Frage: Wie können wir, vom eisigen Winter des Lebens erfasst, dennoch die Fähigkeit zu lieben bewahren? Diese Frage ist der Grund, warum ich diesen Film drehen musste. Sie entspringt meinem eigenen Schmerz und meinen eigenen Erfahrungen, aber ich hoffe, dass sich darin alle wiederfinden, die gebrochen wurden und dennoch weitermachen.
Tief beeinflusst von klassischen chinesischen Romanen und magisch-realistischen Erzählungen versuche ich, aktuelle Geschichten in eine klassische Struktur zu setzen und die Geister der Vergangenheit mit der Absurdität des modernen Lebens zu verschränken. Damit möchte ich die Kontinuität und Universalität unserer inneren Kämpfe herausstellen. Dieser Ansatz ist eine Erforschung des „Chinesischen“ – nicht als oberflächlicher Symbolismus, sondern als intrinsischer Erzählstil und Weltanschauung. Der visuelle Stil des Films ist düster und rau, untermalt von einem dunklen Ton – das ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern auch Ausdruck einer moralischen Haltung und künstlerische Positionierung.
Xinyang Zhang