Der Ausgangspunkt von SZENARIO war für mich der Truppenübungsplatz Altmark in Sachsen-Anhalt, den ich 2015 zum ersten Mal besucht habe. Auf diesem riesigen Gelände überlagern sich Schichten militärischer Vergangenheit und Gegenwart. In der Erde liegen bis heute deutsche und sowjetische Bomben, Granaten und Munition aus der Zeit des Nationalsozialismus und der sowjetischen Nutzung. Es gibt Bunkerruinen und verfallende Kasernen. Zugleich befindet sich hier die modernste militärische Übungsstadt Europas und das Gefechtsübungszentrum des deutschen Heeres. Täglich simulieren Soldat*innen hier in Übungen aktuelle oder mögliche zukünftige kriegerische Konflikte. Ein Jahr lang haben wir den Alltag auf dem Truppenübungsplatz Altmark mit der Kamera beobachtet. SZENARIO versucht nicht, eine Aussage zu treffen oder eine Erzählung zu konstruieren. Der Film besteht aus Fragmenten. Die Szenen stehen für sich. Mich hat interessiert, was in der Sprache der Menschen über das Verhältnis von Deutschland zum Krieg sichtbar wird. Laut Definition des Duden ist ein Szenario ein Modell der Abfolge von möglichen Ereignissen oder auch ein szenisch gegliederter Entwurf für einen Film oder eine Simulation. SZENARIO wurde gedreht in einer Zeit des Umbruchs. In „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ von Harun Farocki heißt es: „Der Krieg ist immer da, unter uns.“
Marie Wilke