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Der Titel unseres Films stammt aus diesem Sufi-Gedicht, dessen Bildsprache und einfache Struktur sehr wirkungsvoll sind. Die Parabel von den Faltern und ihrer Hingabe zum Licht ist eine großartige Brücke zur Erzählung von Vaterschaft. In unserem Film werden Falter und Licht durchgehend als visuelles Motiv verwendet. Es erschien mir wichtig, das Gedicht hier zum Lesen beizufügen.

Kevin Contento


Der Falter und die Kerze (The Moths and the Flame)
von Farid ud-Din Attar

Übersetzung von Prof. Annemarie Schimmel

Die Falter kamen eines Nachts zusammen;
sie suchten für ihr Treffen eine Kerze
und sagten alle: „Nun, wir brauchen einen,
der uns das, was wir suchen, recht beschreibe.“

So ging ein Falter bis zum Schlosse hin
und sah im Schlossbereich ein Licht wie Sterne.
Er kehrt’ zurück und öffnete seine Hefte,
beschrieb, was er geseh’n, dass sie’s verstanden.
Ein Kritiker sprach in der Sitzung:
„Nicht weiß dieser von der Kerze wahrem Licht!“

Ein andrer ging, dass er das Licht umkreise:
er warf sich hin und kam der Kerze näher
und flatternd flog er nahe hin zu ihr.
Die Kerze wärmt’ ihn; er sank rasch dahin
und kehrte heim, sprach vom Geheimnis dann
und deutete die Einung mit ihr an.
Sein Kritiker sprach:
„Das ist, Freund, kein Zeichen!
Du gabst, wie jener, nur ein schwaches Zeichen!“

Noch einer stand berauscht und trunken auf
und setzt sich tanzend auf die Flamme drauf.
Zu Feuer wurde ihm gleich Hals und Hand,
und er verlor sich ganz, entzückt, entbrannt.

Als ganz und gar ihn so ergriff die Glut,
da wurden alle Glieder rot in Glut.
Der Kritiker sah ihn von Ferne strahlen,
gleichfarbig mit der Kerze nun durch Licht.
Er sagte: „Dieser Falter tat’s genug!
Der Wissende versteht es. Nun genug!“

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