juli 2018, kino arsenal

Magical History Tour: Flanierendes Kino, Flaneure im Film

Edgar Allan Poe beschrieb ihn als Mann in der Menge, von der Großstadt absorbiert. Charles Baudelaire feierte seine Fähigkeit, im urbanen Raum gleichzeitig Anonymität zu wahren und Individualist sein zu können. Walter Benjamin befreite ihn in seinen Schriften von der vielzitierten Schildkröte, von der Attitüde und Pose und prägte die „zentrale Figur der Moderne“, den hochsensiblen Stadt-Entzifferer, der durch die Straßen streift, mal von ihr angezogen, mal abgestoßen seine städtische Umgebung betrachtet und seinerseits von seiner Umgebung betrachtet wird: den Flaneur. Das für die Literatur der letzten zwei Jahrhunderte so essentielle Begriffstrio – Flaneur, Flanerie und Flanieren – findet seit den 20er Jahren auch in der Filmgeschichte ein Echo unterschiedlicher Ausprägung.

Die Magical History Tour im Juli präsentiert Stadtwandler der ersten Stunde und ihre Nachfolger (vor und hinter der Kamera), öffnet den Begriff für das weibliche Pendant, die Flaneuse, versammelt flanierende dokumentarische und essayistische Arbeiten – mäandernde Gänge durch Stadträume, entschleunigte Wahrnehmungen und Eroberungen urbaner Strukturen, Erkundungen von Straßen und den sie bevölkernden Massen, Reflexionen über die Bedingungen moderner Existenz.

juli 2018, kino arsenal

Retrospektive Andrej Tarkowskij

Tarkowskij im Sommer – seit 30 Jahren ist das eine lieb gewordene Tradition für uns und unser Publikum. Wir zeigen im Juli und August die sieben langen Filme und den mittellangen Diplomfilm des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij (1932–1986), von dessen monumentalem Werk eine anhaltende Faszination ausgeht.

juli 2018, kino arsenal

„To risk everything to express it all“ – John Cassavetes

John Cassavetes (1929–1989) gilt mit seinem kompromisslosen Werk als einer der Begründer des unabhängigen amerikanischen Filmschaffens und setzte Maßstäbe in seiner konsequenten Ablehnung künstlerischer Zwänge. In einem 1956 für arbeitslose Schauspieler gegründeten Workshop entwickelte Cassavetes seine Ideen vom Filmemachen als Gruppenarbeit. Daraus entstand in Improvisation und mit kleinstem Budget SHADOWS, der ihm die Türen nach Hollywood öffnete. Der Versuch, seine Arbeitsweise und ästhetischen Vorstellungen im Studiosystem durchzusetzen, geriet jedoch zur Enttäuschung. In der Folge gründete Cassavetes seine eigene Produktionsfirma und situierte sich konsequent außerhalb des Studiosystems Hollywoods. Die Arbeit in engen und kontinuierlichen Gruppenzusammenhängen wurde zum zentralen Aspekt von Cassavetes’ Schaffen, der bevorzugt mit einem festen Ensemble von Schauspieler*innen arbeitete – neben Gena Rowlands, mit der er seit 1954 verheiratet war, vor allem Peter Falk, Ben Gazzara und Seymour Cassel. Von ihrem vollen physischen Einsatz und der vorbehaltlosen Öffnung gegenüber ganz persönlichen Ängsten, Sehnsüchten und Unsicherheiten lebt sein Kino der Intensität und des schonungslosen Sezierens von Gefühlen. So unkalkulierbar, schwer fassbar und erratisch wie diese sind auch seine Geschichten; Exzess und Eruption stehen anstelle von vorhersehbaren narrativen Mustern. An der Produktion schöner Bilder nicht interessiert, widersetzen sich seine Filme konventionellen Sehgewohnheiten, sind ganz um die Menschen herum gebaut, auf ihre Gesichter und Körper fokussiert. Das Geld für seine Filme verdiente Cassavetes oft als Schauspieler in Filmen anderer Regisseure. Auch dabei ging er oft an Grenzen und lotete menschliche Extremzustände aus, spielte häufig Bösewichte, brillierte aber auch in leiseren Rollen.

Wir zeigen vom 27.7.-31.8. sämtliche Filme Cassavetes’ in 35-mm-Kopien mit deutschen Untertiteln und zusätzlich eine Auswahl seiner Arbeiten als Schauspieler.

juli 2018, distribution news

"A Skin So Soft - Ta peau si lisse"

von Denis Côté, Kinostart: 2. August 2018

Sechs starke Männer - vom Hochleistungs-Bodybuilder über den Ex-Champion, der heute als Trainer und Kinesiologe arbeitet, dem Studenten, der im Keller seiner Eltern trainiert und gleichzeitig versucht, seine Freundin zu coachen, bis hin zum Wrestler - teilen eine Leidenschaft: Ihren Körper. Familie, Freunde und alles außerhalb des Fitnessraums müssen sich ihren strickten Trainingsplänen unterordnen. Nach BESTIAIRE (2012) der zweite Film von Denis Côté im Verleih von arsenal distribution.

juni 2018, berlinale forum

Arsenal-Vorstand übernimmt Interimsleitung des Forum 2019

Der Vorstand des Arsenal, bestehend aus Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus, übernimmt die Interimsleitung für das Forum 2019. Mit Unterstützung des langjährigen Teams werden alle drei ab dem 1. Juli die Leitungsaufgaben für das Forum 2019 wahrnehmen und damit auch an dieser Stelle der konstitutiven Verbindung zwischen Arsenal und Forum Ausdruck verleihen.

kino arsenal: Cours, cours, camarade, le vieux monde est derrière toi – Das Kino von Med Hondo

19:00 Kino 1


Cinématon Med Hondo

Mes voisins

Concerto pour un exil

Räume

Tourbillons

Cinématon Med Hondo Gérard Courant F 1995
Video 4 min
*Mes voisins Med Hondo Frankreich 1971
16 mm OmE 35 min
Concerto pour un exil Concerto for an Exile Désiré Ecaré F 1967
16 mm OmE 30 min
Räume Gunter Deller BRD 1989
16 mm stumm 6 min
Tourbillons Whirlwinds Alain Gomis F 1999
Digital file OmE 13 min

Eröffnung
Einführung: Enoka Ayemba, Marie-Hélène Gutberlet und Brigitta Kuster
kino arsenal: Magical History Tour - Manifeste und Pamphlete

19:30 Kino 2


Zhantai

*Zhantai Platform
Jia Zhang-ke China 2000
35 mm OmU 155 min