mai 2019, kino arsenal

Commedia all’italiana

Ende der 50er Jahre entstand in Italien eine besondere Form sozialkritischer Unterhaltung: subversive Komödien, die mit der Gefälligkeit und dem Optimismus des Genres brachen und stattdessen in satirischer Schärfe die sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen der Zeit durch präzise Alltagsbeobachtung spiegelten. Die Commedia all’italiana entwickelte sich in den 60er Jahren zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Genres der italienischen Filmindustrie, die Filme waren nicht nur beim Publikum äußerst populär, sondern wurden auch bei den großen internationalen Festivals gefeiert und weltweit mit zahlreichen Regie-, Drehbuch- und Darstellerpreisen ausgezeichnet.

Vom 3.-31. Mai präsentieren wir in Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut 21 Höhepunkte des Genres aus den Jahren 1958 bis 1974. Die Retrospektive wird durch zwei Einführungen und zwei Vorträge begleitet.

mai 2019, kino arsenal

Magical History Tour – 
Der Kammerspielfilm

Konzentration auf wenige Figuren und Räume, Fokussierung innerer Konflikte und Beschränkung auf einen überschaubaren zeitlichen Rahmen – die Grundkomponenten des Kammerspielfilms, wie er sich Anfang der 20er Jahre entwickelte, klingen asketisch. Aus einer auf die Spitze getriebenen Verknappung in Sachen Ort, Zeit und Handlung resultierte indes eine oftmals besondere Dramatik, getragen und verstärkt von wenigen symbolhaften Dekors, von einer stark subjektivierenden Lichtsetzung und mobilen Kamera, die, in unmittelbarer Nähe der Protagonisten positioniert, auch kleine Regungen in Gestik und Mimik aufnimmt. Ausgehend von Max Reinhardts neuem Inszenierungskonzept des modernen Dramas, das er ab 1906 auf der neugegründeten Theaterbühne in Berlin umsetzte, erlebte der Kammerspielfilm seine erste (als klassische Form betrachtet vielleicht einzige) Hochphase in den 20er Jahren und markierte in Deutschland einen Übergang von expressionistischen Filmformen hin zu realistischen Tendenzen. Der Nachhall des Kammerspielfilms in der Filmgeschichte ist vielgestaltig und reicht von klassischen Reverenzen an die frühen Vorbilder bis zu kreativen Variationen (einzelner Aspekte) des Genres. Einige davon haben wir in einem wie immer subjektiven Querschnitt in der Magical History Tour im Mai zusammengetragen.

mai 2019, living archive

Stoffwechsel

Film Feld Forschung hat sich zum Ziel gesetzt, die Innen- und Außenräume des silent green Kulturquartier zur theoretischen und praktischen Erforschung des Mediums Film zu nutzen. Ab Mai findet eine Serie von Veranstaltungen, Workshops und Ausstellungen statt, die sich mit der Materialiät des Gedächtnismediums Film und der Erde als Archiv befassen. Wie verhält sich das Kino zu seinem Trägermaterial und zur Materialität des Abgebildeten? In welchem physischen Verhältnis stehen Körper und Landschaft zum Bild und damit zu den Betrachtenden ihrer Umgebung? In den Blick genommen wird u.a. das Konzept der Permakultur zum Aufbau von Lebensräumen, die sich im Spannungsfeld zwischen Beobachtung, Produktivität und Zeitlichkeit der Erde selbst erhalten. Welche Rolle hat diese Annahme für das Kino und seine Archive? Die Serie beginnt mit einer Installation filmischer Arbeiten von Arthur und Corinne Cantrill, Kerstin Schroedinger und Mareike Bernien.

Vom 30.5.–2.6. in der Betonhalle des silent green. Ein Projekt im Rahmen von Archive außer sich.

mai 2019, kino arsenal

Mirror – 
Ein Archivprogramm der Cimatheque in Kairo

Die 2014 in Kairo eröffnete Cimatheque – Alternative Film Centre bietet einen Raum für offene Gespräche über das Kino und seine Geschichte. Das Angebot umfasst Vorführungen, Workshops, eine Bibliothek, ein Labor und ein Archiv, das auf Schenkungen bekannter Cineast*innen basiert, darunter Abdel Hamas Said, einst Leiter der Egyptian Cinema Organization, die Dokumentarfilmerin Atteyat El Abnoudy, der Trickfilmer Ehab Shaker und der Pionier Nagy Shaker. Neben Dokumenten, Manuskripten, Fotografien, Zeitschriften, Berichten, Tagebüchern und Storyboards enthält das Archiv 35-mm-Kopien und Material zu wichtigen filmischen Werken aus der Region und darüber hinaus. Auch weniger bekanntes filmisches Erbe ist enthalten: ephemeres Material, Found Footage, Amateur- und Werbefilme, Newsreels, experimentelle Dokumentarfilme oder Zeugnisse von B-Movies und Kurzfilmen.

Das Archiv der Cimatheque entstand in einem Kontext, in dem es für die Öffentlichkeit keinen Zugang zur Filmgeschichte gab. Die stets wachsende Sammlung steht ihr zur freien Verfügung. Sie hinterfragt offizielle Geschichtsschreibung und schafft Raum für andere Narrative. Ein eigener Filmscanner ermöglicht die Digitalisierung der Sammlung und damit die Herstellung eines Duplikats, das im Arsenal hinterlegt werden soll. Das impliziert Fragen: Was bedeutet es, wenn ein Schutzraum einen anderen benötigt? Wie unterscheidet sich das Duplikat von seinem Original (über den Unterschied analog/digital hinaus) durch seine Umgebung? In einer Serie von Programmen am 7., 14. und 28.5. stellt Mitbegründer Tamer El Said die Sammlung vor und diskutiert diese Fragen.

kino arsenal: Retrospektive Leo McCarey

17:00 Kino 1


The Bells of St. Mary’s

The Bells of St. Mary’s USA 1945
Mit Bing Crosby, Ingrid Bergman
35 mm OF 126 min
From the collection of the Library of Congress

kino arsenal: Magical History Tour - Theater und Film

19:00 Kino 2


Unter Schnee

Unter Schnee Ulrike Ottinger
D 2011 Sprecherin: Eva Mattes
35 mm 108 min

kino arsenal: Retrospektive Leo McCarey

19:30 Kino 1


Good Sam

Good Sam USA 1948
Mit Gary Cooper, Ann Sheridan
35 mm OF 115 min