oktober 2019, kino arsenal

Werkschau Lynne Ramsay

Die schottische Filmemacherin Lynne Ramsay (*1969) hat sich mit ihrem kompromisslosen Werk im künstlerisch avancierten Gegenwartskino einen Namen gemacht. Ihre Filme setzen sich mit den Abgründen in Kindheit und Jugend, dysfunktionalen Familienstrukturen und traumatischen Erlebnissen auseinander. Sie sind vor allem am Innenleben der Figuren interessiert, verzichten jedoch auf klassische Psychologisierung. Ganz gleich ob im proletarischen Milieu Schottlands, einer US-amerikanischen Mittelschicht-Vorstadt oder der New Yorker Unterwelt angesiedelt, stets geht es um Schuld, Verlust oder Abschied und die prägende Beziehung von Eltern und Kindern. Der Zugriff auf die literarischen Vorlagen ist eigenwillig, die Erzählweise elliptisch, die Bilder sind oft fragmentiert. Die sozialrealistische Grundierung der Filme gibt stets auch lyrischen und magischen Momenten Raum. Besonders markant ist außerdem der Einsatz von Musik, die ebenfalls über die dargestellten sozialen Realitäten hinausweist.

Die Werkschau im Arsenal vom 12.-23. Oktober versammelt Lynne Ramsays Lang- und Kurzfilme aus den Jahren 1996–2017. Alle vier Spielfilme feierten ihre Weltpremiere beim Festival in Cannes und wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet, in den Hauptrollen finden sich so außergewöhnliche Schauspieler*innen wie Samantha Morton, Tilda Swinton, Joaquin Phoenix und John C. Reilly. Wir freuen uns sehr, Lynne Ramsay zur Eröffnung zu Gast zu haben. Leider musste Lynne Ramsay ihren Besuch in Berlin aus persönlichen Gründen absagen.

oktober 2019, kino arsenal

Magical History Tour:
 Von Formen und Figuren – Choreografien im Film

Unsere Magical History Tour im Oktober widmet sich Choreografien im Film: Anordnungen von Menschen in Räumen, Orchestrierung von Gegenständen, selbst Kompositionen von Mimik oder Gestik – zu filmischen Choreografien verschmelzende Bewegungsabläufe treten in unterschiedlichsten Formen und fast allen Genres in Erscheinung. Wenn auch bei weitem nicht immer getanzt, ist ihnen fast immer ein tänzerisches Element zu eigen: Choreografien im Film rhythmisieren, abstrahieren, stilisieren, kreieren Bildräume und Beziehungsgeflechte, reflektieren Stillstand und Bewegung, schaffen ein oft physisches Kino.

oktober 2019, kino arsenal

Spring on the Korean Peninsula: Koreanisches Kino 1934–1962

1919 kam die erste koreanische Filmproduktion – Uirijeuk gutu (The Righteous Revenge, Kim Do-san) – in die koreanischen Kinos. Anlässlich dieses 100. Geburtstags zeigen wir vom 17.-31. Oktober ein von Sulgi Lie und Ansgar Vogt kuratiertes Programm, das eine weitgehend unbekannte erste Periode der koreanischen Filmgeschichte in den Blick nimmt. Präsentiert werden elf Filme, die im Zeitraum von 1934 bis 1962 – also noch vor der endgültigen Konsolidierung der südkoreanischen Filmindustrie in den frühen 60er Jahren – auf der koreanischen Halbinsel realisiert wurden. Unter der japanischen Kolonialherrschaft (1910–1945) entstanden in Korea nur wenige Filme. Im Koreakrieg (1950–1953) wurden zudem weite Teile der koreanischen Filmgeschichte zerstört. Was vom frühen koreanischen Filmerbe erhalten und zugänglich ist, beeindruckt durch ein vielfältiges Genre-Spektrum zwischen Melodramen, Coming-of-Age-Geschichten, Kriegsfilmen, Komödien und Film Noirs. Verbindendes Element der Filme des Programms sind die oftmals eigenständigen Frauenfiguren, die gegen gesellschaftliche Repressionen aller Art versuchen, ihre Autonomie zu behaupten.

oktober 2019, transfer

Sieben Dinge, die passierten, während Du schliefst: Workshop zu Spuren, Dokumenten und Archiven

Dem Archiv – traditionell als Aufbewahrungsort oder geordnetes System von Dokumenten definiert – kam zu allen Zeiten eine wichtige Rolle in der Konstruktion historischen Wissens zu. Bis heute ist das Archiv, das sich in verschiedensten Formen manifestiert, der zentrale Ort für die Verwahrung, Bergung und Interpretation der Vergangenheit. Doch wie könnte ein Archiv all die Momente erfassen, die nicht aufgezeichnet wurden, von denen keine physische Spur vorhanden ist?

Der zehnwöchige, partizipative, diskursive, multi-disziplinäre Workshop richtet sich an Künstler*innen, Autor*innen und Wissenschaftler*innen mit Interesse und/oder Erfahrung an/mit dem Thema. Die Treffen beginnen am 15. Oktober und werden in Folge wöchentlich bis einschließlich 17. Dezember immer dienstags von 18:00 bis 21:00 Uhr im silent green Kulturquartier stattfinden.

oktober 2019, berlinale forum

Kinostart "Bait"

Ab dem 24. Oktober bringt arsenal distribution BAIT von Mark Jenkin bundesweit in ausgewählte Kinos. Der Film wurde im diesjährigen Forum uraufgeführt und von Kritik und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen. Seitdem war er auf zahlreichen internationalen Festivals zu sehen.

In dem im 16-mm-Format gedrehten und mit der Hand entwickelten Schwarzweißfilm kollidiert Altes mit Neuem. Die Postkartenidylle des Fischerdorfs in Cornwall ist trügerisch. Wo man früher von der Fischerei leben konnte, fallen nun reiche Londoner Touristen ein und verdrängen die Einheimischen, deren Existenzgrundlage gefährdet ist. Auch das Verhältnis der Brüder Steven und Martin ist angespannt. Martin ist ein Fischer ohne eigenes Boot, denn damit veranstaltet Steven jetzt lukrativere Ausflugsfahrten. Das Cottage der Familie haben sie verkauft und mit den neuen Eigentümern scheint nur noch eine letzte Schlacht zu schlagen zu sein: die um einen küstennahen Parkplatz. Doch die Lage eskaliert und das nicht nur wegen einer Autokralle. Zahlreiche Nahaufnahmen von Fischen, Netzen, Hummern, Gummistiefeln, Knoten und Fangkörben lassen an die Theorie einer Montage der Attraktionen denken. Ebenso erinnert die Darstellung der unterschiedlichen sozialen Milieus, man könnte auch von Klassenverhältnissen sprechen, an die sozialrealistische Tradition im britischen Kino. Vor allem aber lässt sich hinter der filmgeschichtlich anspielungsreichen visuellen Oberfläche jede Menge politische Aktualität entdecken.

kino arsenal: Tribute to István Szabó

19:00 Kino 1


Apa

Apa Vater István Szabó Ungarn 1967
Mit András Bálint, Miklós Gábor
Restaurierte Fassung
35 mm OmE 98 min

kino arsenal: Buchpräsentation: Kino Arbeit Liebe. 
Hommage an Elisabeth Büttner

19:30 Kino 2


Algiers – Blood

[Wellen schlagen gegen die Küste, beobachtet von einer Frau]

Decodings

Passagen

Outer Space

31/75 Asyl

David Bowie – Right

Algiers – Blood Lamb & Sea USA/GB 2015 Digital file OF 6 min
[Wellen schlagen gegen die Küste, beobachtet von einer Frau]
Österreich 1914–1918 35 mm ohne Dialog 1 min
Decodings Michael Wallin USA 1988 16 mm OF 15 min
Passagen Lisl Ponger Österreich 1996 35 mm OF 11 min
Outer Space Peter Tscherkassky Österreich 1999 35 mm OF 10 min
31/75 Asyl Kurt Kren Österreich 1975 16 mm ohne Dialog 8 min
David Bowie – Right USA 1975 Digital file OF 4 min

Einführung: Petra Löffler, Christian Dewald, Marc Ries
kino arsenal: Tribute to István Szabó

21:00 Kino 1


Bizalom

Bizalom Confidence István Szabó Ungarn 1980
Mit Andorai Péter, Bánsági Ildikó
Restaurierte Fassung
35 mm OmE 108 min