september 2018, kino arsenal

Hollywood Blacklist

Wie denken Sie über den Kommunismus? Von jedem US-amerikanischen Künstler und Intellektuellen erwartete man in den 1930er Jahren eine Stellungnahme zu dieser Frage. Ein Jahrzehnt später hatte sich eine Antwort de facto erübrigt und etwaige Sympathien für sozialistische Ideen wurden als unamerikanisch gebrandmarkt. Der Kalte Krieg hatte begonnen. Reak-tionäre Kräfte, die sich seit Längerem an vermeintlicher Dekadenz und linken Tendenzen in Hollywood störten, nutzten die Gelegenheit, die Filmindustrie als von Kommunisten unterwandert darzustellen.

Im Oktober 1947 begannen die berüchtigten Anhörungen des House Un-American Activities Committee (HUAC) in Washington. Insgesamt elf „unfriendly witnesses“ mussten aussagen: Alvah Bessie, Herbert J. Biberman, Lester Cole, Edward Dmytryk, Ring Lardner Jr., John Howard Lawson, Albert Maltz, Samuel Ornitz, Adrian Scott, Dalton Trumbo und Bertolt Brecht. Mit Ausnahme von Brecht (der kurz darauf nach Europa zurückkehrte) weigerten sie sich, die alles entscheidende Frage „Are you or have you ever been a member of the Communist Party?“ zu beantworten. Einen Monat später wurden die sogenannten Hollywood Ten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Studios beugten sich dem Druck der Kommunistenjäger und die Schwarze Liste war geboren. Doch es blieb nicht bei diesen zehn Verurteilten. Ab 1951 kam es zu weiteren HUAC-Anhörungen und konservative Publikationen begannen ihrerseits, Listen vermeintlicher Verdächtiger zu veröffentlichen. Hunderte Filmschaffende verloren im Zuge dieser Verfolgungen ihre Lebensgrundlage und konnten zum Teil bis in die 60er Jahre keine Arbeit mehr in der Unterhaltungsindustrie finden.

Wir zeigen im September eine von Hannes Brühwiler kuratierte Retrospektive mit Werken der von der Schwarzen Liste betroffenen Filmschaffenden. Die 24 Filme, darunter zahlreiche sehr selten gezeigte, kreisen um Kernanliegen der linken Filmschaffenden: Faschismus (THE MAN I MARRIED), Ausbeutung (GIVE US THIS DAY), Rassismus (CRY, THE BELOVED COUNTRY), Feminismus (I CAN GET IT FOR YOU WHOLESALE), kapitalistische Gier (FORCE OF EVIL) und immer wieder die Verzweiflung des Arbeitermilieus (THE SOUND OF FURY). In ihrer Summe ergibt sich eine linke Vision der USA, selten utopisch, dafür immer präzise analysierend. Ein Kino des „hellsichtigen Pessimismus“ (Noël Burch), das heute nichts von seiner Dringlichkeit eingebüßt hat.

september 2018, kino arsenal

Magical History Tour
 – Formen der Groteske

Die Groteske als künstlerisches Stilmittel ist eine wahre Grenzgängerin: So vielfältig und subjektiv die Definitionen, so zahlreich die Begriffsverschiebungen in der (Kunst)Geschichte, so oft und vielgestaltig finden sich Formen des Grotesken im Film. Groteske Motive zeigen sich in Bilderwelten, verbinden Schauer mit Fantastik und nicht selten mit Humor, blitzen in Figuren auf, deren Verhaltenspalette von skurriler Exzentrik bis Monstrosität reichen kann, oder sie grundieren ganze Handlungsstränge, verzerren und überformen die filmische Realität, brechen sich in drastischen Fieberträumen Bahn, in hysterischen Exzessen oder auch in satirisch-absurden Wirrungen. Groteske Instrumentarien finden sich in den unterschiedlichsten Genres, von der Komödie zum Thriller, vom Heimat- zum Liebesfilm. Vom Einfluss der anarchischen Kraft der Groteske – abwechselnd erschütternd und erheiternd, immer eigenwillig und überraschend – zeugen zehn Beispiele der Magical History Tour im September – wie gehabt quer durch verschiedenste Epochen, Stilrichtungen und Regionen.

september 2018, kino arsenal

70 mm: INTERSTELLAR

Christopher Nolan ist mit dafür verantwortlich, dass das analoge 70-mm-Format seit einigen Jahren eine kleine Renaissance erlebt. Wir zeigen regelmäßig auf 70 mm gedrehte Filme, in diesem Monat Nolans INTERSTELLAR (USA/GB 2014, Kamera: Hoyte van Hoytema), der mit Detailreichtum und überwältigenden Bildern besticht. Der Science-Fiction-Film der Superlative ist große Weltraumoper „zwischen Action und Philosophie“ (Frank Schnelle) und feiert Mut und Erfindergeist, die es der Menschheit ermöglichen, das Weltall zu besiedeln. Die Handlung setzt irgendwann in einer apokalyptischen Zukunft ein. Dürre und Sandstürme erschweren das Leben auf der Erde, die geistige Verfasstheit der Menschheit tut ihr Übriges: Wissenschaftsfeindlichkeit und Paranoia dominieren. Die NASA operiert im Geheimen, um eine überlebensnotwendige Mission voranzutreiben. Mithilfe eines nahe dem Saturn platzierten Wurmlochs soll in einer weit entfernten Galaxie ein Planet gefunden und kolonisiert werden, der zum neuen Zuhause werden soll. (26.9.)

september 2018, transfer

"Offener Vorführraum" am 29. September

Vorführraum des Arsenal

Was bedeutet 16mm, 35mm und 70mm? Wie kommt der Ton zum Bild? Was ist und wozu dient ein Kasch? Wie funktioniert eine Überblendung? Und was passiert, wenn auf der Leinwand das Bild stehen bleibt und dahin schmilzt? Das Arsenal lädt all jene, die sich dafür interessieren, wie die Bilder auf die Leinwand kommen, zu einem Blick hinter die Kulissen in den "Offenen Vorführraum" ein. Bei einem Rundgang durch die Bildwerferräume erklärt unser Vorführer Bodo Pagels Filmformate, Projektoren und Vorführtechniken, er zeigt, wie ein Film in den Projektor eingelegt wird und führt kenntnisreich in die Geheimnisse der Vorführkunst ein. Selbstverständlich beantwortet er gerne alle Fragen zur Kinotechnik und orientiert seine Führung nach Möglichkeit auch an den Interessen und Wünschen der BesucherInnen. Der nächste Termin ist am Samstag, den 29. September um 16 Uhr. Um Anmeldung im Voraus wird gebeten.

september 2018, transfer

Autumn School für Lehrer*innen: Erzählen und Zeigen im Film

Vom 11. bis zum 13. Oktober 2018 findet unter dem Titel "Erzählen und Zeigen im Film" die erste Autumn School für Lehrer*innen im Arsenal statt. Das Fortbildungsangebot führt Filmanalyse und -praxis zusammen, stellt Vermittlungsmethoden für den Unterricht vor und bietet eine vertiefende Auseinandersetzung mit Formen filmischen Erzählens und Dokumentierens. Die Autumn School reflektiert das Medium Film angesichts einer Vielfalt von filmischen Gattungen, Formen und Formaten sowie in Bezug zu anderen Kunstformen und Medien. Dabei geht sie von den analogen Anfängen von Film und Kino aus und weist bis in die digitale Gegenwart. Das Angebot ist interdisziplinär, überregional, schul- und fachübergreifend und richtet sich an Lehrende in schulischen und außerschulischen Kontexten. Konzipiert wurde es von den Filmvermittlerinnen Bettina Henzler und Stefanie Schlüter.

kino arsenal: UdK-Seminar FILMFILM

17:00 Kino 2


Weissfilm

Free Radicals

Stadt in Flammen

Negative Man

Permanent Wave

Peggy’s Blue Skylight

Le retour à la raison

Girl from Moush

Thunder

Austerity Measures

10 Feet, 1000 Frames

Hand Catching Lead

Ten Mornings Ten Evenings and One Horizon

FULTU FALTU FILIM – Full-On Failure Film

Farewell

*Weissfilm Birgit u. Wilhelm Hein 1977 16 mm 5 min
*Free Radicals Len Lye 1958 16 mm 5 min
*Stadt in Flammen Jürgen Reble 1984 16 mm 5 min
*Negative Man Cathy Joritz 1985 16 mm 2 min
*Permanent Wave Anita Thacher 1966 16 mm 4 min
*Peggy’s Blue Skylight Joyce Wieland 1964–1986 16 mm 12 min
*Le retour à la raison Man Ray 1923 16 mm 2 min
*Girl from Moush Gariné Torossian 1993 16 mm 5 min
*Thunder Takashi Ito 1982 16 mm 5 min
*Austerity Measures Guillaume Cailleau, Ben Russel D 2012 16 mm 8 min
*10 Feet, 1000 Frames Georges Maciunas 1966 16 mm 1 min
*Hand Catching Lead Richard Serra 1968 16 mm 3 min
*Ten Mornings Ten Evenings and One Horizon Tomonari Nishikawa 2016 16 mm 10 min
FULTU FALTU FILIM – Full-On Failure Film Bernd Lützeler 2017 35 mm 2 min
*Farewell Stefan Zeyen 2009 DVD 3 min

kino arsenal: Archive außer sich: ANNA

19:00 Kino 2


Anna

*Anna Alberto Grifi, Massimo Sarchielli
Italien 1972–75 DCP OmE 213 min

Mit einer Präsentation von Constanze Ruhm
kino arsenal: Magical History Tour: Production Design

20:00 Kino 1


Ugetsu monogatari

Ugetsu monogatari Erzählungen unter dem Regenmond
Kenji Mizoguchi Japan 1953 35 mm OmU 97 min