oktober 2018, kino arsenal

King of New York – Werkschau Abel Ferrara

Abel Ferrara ist ein Überlebenskünstler. Ein Künstler, der überlebt, ein Überlebender, der Kunst macht, der manchmal sein Überleben zur Kunst macht. Er hat eine Jugend in der Bronx überlebt, eine streng katholische Erziehung, später endlose Alkohol- und Drogeneskapaden. Auch als Filmemacher hat er überlebt. Und zwar, weil er sich im Verlauf seiner Karriere gleich mehrfach neu erfinden konnte: Begonnen hat er seine Karriere in den 70er Jahren buchstäblich in der Gosse, mit dreckigen Exploitation- und Pornofilmen, die in den finstersten Winkeln seiner damals noch keineswegs gentrifizierten Heimatstadt New York entstanden. In den 80er Jahren arbeitet er sich in den Mainstream hinein, nur um dann in den 90er Jahren zu einem der zentralen Vertreter des neuen amerikanischen Independent-Kinos zu avancieren. Heute entstehen die meisten seiner Filme in Europa. Aber im Grunde spielt es gar keine Rolle, wer Ferraras Filme produziert, in welchem Genre er arbeitet, ob er viel Geld und einen gewaltigen Studioapparat zur Verfügung hat oder die Filme mit ein paar Kumpels und praktisch aus eigener Tasche verwirklicht. Er geht jedes Projekt mit derselben überschäumenden Energie an. Alles, was wirklich zählt in seinem Kino, ist der höchstpersönliche Affekt. In ihrem Buch über Ferrara beschreibt die französische Filmwissenschaftlerin Nicole Brenez dies folgendermaßen: „Ferrara braucht die Menschenmasse, die Straße und menschlichen Umgang. Seine Kritik verwendet nicht die Waffen der Objektivität; sie antwortet auf das Reale wie ein Seufzer auf einen Kuss antwortet oder ein Schrei auf einen Hieb.“

Das Arsenal zeigt vom 5.-29.10. zwölf Langfilme des Ausnahmeregisseurs, aus allen Phasen seines Schaffens. Die Auswahl kuratierte Lukas Foerster.

oktober 2018, kino arsenal

Family Affairs – Filmische Beziehungen zwischen Georgien und dem Arsenal

Die Beziehungen zwischen dem Arsenal und dem georgischen Kino sind vielschichtig und gehen weit in die Geschichte unserer Institution zurück. Seit der ersten georgischen Filmwoche 1975 wurden georgische Filme immer wieder in unserem Kinoprogramm und im Forum gezeigt, haben Kopien georgischer Filme Eingang in unseren Verleih und unser Archiv gefunden. Vor einem Jahr präsentierten wir in einer umfangreichen Filmreihe einen Teil dieser Sammlung und konnten zahlreiche Regisseur*innen zu Diskussionen mit dem Publikum begrüßen. Diese Gespräche mit Lana Gogoberidse, Salomé Alexi, Merab Kokotschaschwili, Gela Kandelaki, Otar Iosseliani und Dito Tsintsadze, eine Podiumsdiskussion über georgische Filme in Archiven sowie zwei Essays zur georgischen Filmgeschichte und Zensurgeschichte sind nun in einer gerade erschienenen, dreisprachigen (deutsch, englisch, georgisch) Publikation versammelt.

Aus diesem Anlass zeigen wir vom 22.-31.10. weitere Filme aus unserer Sammlung und freuen uns, ein weiteres Mal Otar Iosseliani begrüßen zu können, der uns die digital restaurierten Fassungen all seiner Filme für unseren Verleih zur Verfügung stellt.

oktober 2018, kino arsenal

Magical History Tour – Von Schattenwesen, Geistern und übernatürlichen Kräften

Das ephemere, spukhafte und unheimliche Wesen des Kinos findet in der flüchtigen Form der Schatten, Geister und der übernatürlichen Kräfte im Film seine folgerichtige wie unbeständige Gestalt. Geister der Geschichte(n), Kulturen und Mythen, Schatten, von ausgeschnitten bis mondbeschienen, die dunklen Seiten der Protagonisten, die nicht nur in der Figur des Doppelgängers deutlich zu Tage treten, verheißen das Unheimliche, das Andere und Fremde. Im dunklen Kinosaal begegnen wir dem Schauer als Urprinzip des Kinos, wie auch dem Spiel mit den Zeiten, Identitäten, der Wahrnehmung, der Ungläubigkeit. Mitunter erahnen wir im Grenzgebiet der projizierten und imaginierten Bilder vielleicht auch den Schatten unserer selbst.

Die Magical History Tour im Oktober lädt ein zu elf ganz unterschiedlichen Begegnungen – mit magischen Riten, ruhelosen Geistern (darunter auch einige „gute“ oder schottenberockte), unbeirrten Boten des Jenseits und illusionären Schatten.

oktober 2018, kino arsenal

Film:ReStored_03: Das Filmerbe-Festival

Zum dritten Mal präsentiert „Film:ReStored“ vom 25.-28. Oktober aktuell digitalisierte Filme, begleitet von Vorträgen und Werkstattberichten, die sich Fragen rund um die Digitalisierung des Filmerbes widmen. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von Film- und Fernseharchiven bei der Überlieferung des Filmerbes.

oktober 2018, living archive

Digital restauriert neu im Verleih: Die GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND (BRD 1971) von Ula Stöckl und Edgar Reitz

„Die GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND sind für unser Land eine cineastische Revolution.“ (Peter W. Jansen, Die Zeit, 23.7.1971) Das Kübelkind, eine anarchisch-außer-soziale Kunstfigur, erwächst aus einer weggeworfenen Plazenta und lernt neugierig, was von ihr erwartet wird und viel darüber hinaus. Sie wird missverstanden, eckt an, wird abgestraft, geschändet, ermordet und ist doch nicht tot zu kriegen. Mit den 22 unterschiedlich langen Kurzfilmen positionierten sich Stöckl und Reitz radikal außerhalb des Systems Kino. Sie funktionierten ein Münchner Kabarett-Theater zum „Kneipenkino“ um, in dem die Gäste einzelne Kübelkind-Folgen anhand einer Menükarte bestellen konnten. So entsteht durch eine immer neue Zusammensetzung der Geschichten jedes Mal ein einmaliges Filmereignis.

Diesen Gedanke aufgreifend, gehen die GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND ab 11. Oktober auf „Kneipenkino“-Tour quer durch die Republik – auch an Orte jenseits der klassischen Abspielstätten. Kneipen, Kunstvereine, Kleinkunst-Bühnen, ungewöhnliche Räume können zum Ort für die anarchischen Geschichten werden, die voller Wut und Kritik, aber vor allem auch Spaß und Lust stecken. Den Auftakt bildet das Arsenal „Kneipenkino“ im silent green Kulturquartier am 11. Oktober. Karten können an der Abendkasse oder im Vorverkauf an der Arsenal-Kasse zu den üblichen Kinopreisen gekauft werden.

Ein Projekt im Rahmen von Archive außer sich.

oktober 2018, transfer

"Offener Vorführraum" am 20. Oktober

Vorführraum des Arsenal

Was bedeutet 16mm, 35mm und 70mm? Wie kommt der Ton zum Bild? Was ist und wozu dient ein Kasch? Wie funktioniert eine Überblendung? Und was passiert, wenn auf der Leinwand das Bild stehen bleibt und dahin schmilzt? Das Arsenal lädt all jene, die sich dafür interessieren, wie die Bilder auf die Leinwand kommen, zu einem Blick hinter die Kulissen in den "Offenen Vorführraum" ein. Bei einem Rundgang durch die Bildwerferräume erklärt unser Vorführer Bodo Pagels Filmformate, Projektoren und Vorführtechniken, er zeigt, wie ein Film in den Projektor eingelegt wird und führt kenntnisreich in die Geheimnisse der Vorführkunst ein. Selbstverständlich beantwortet er gerne alle Fragen zur Kinotechnik und orientiert seine Führung nach Möglichkeit auch an den Interessen und Wünschen der BesucherInnen. Der nächste Termin ist am Samstag, den 20. Oktober um 16 Uhr. Um Anmeldung im Voraus wird gebeten.

kino arsenal: Retrospektive Pietro Germi

19:00 Kino 1


Il cinema di Pietro Germi

Il cinema di Pietro Germi

Vortrag von Mario Sesti (in englischer Sprache) Eintritt frei
kino arsenal: Magical History Tour: Production Design

19:30 Kino 2


Die Sehnsucht der Veronika Voss

Die Sehnsucht der Veronika Voss Rainer Werner Fassbinder
BRD 1982 Mit Rosel Zech, Hilmar Thate, Cornelia Froboess
35 mm 104 min

kino arsenal: Retrospektive Pietro Germi

20:00 Kino 1


Un maledetto imbroglio

Un maledetto imbroglio Unter glatter Haut Italien 1959
Mit Pietro Germi, Claudia Cardinale, Saro Urzì
35 mm OmE 106 min