November 2013, kino arsenal

Wie Film Geschichte anders schreibt: Frieda Grafe – 30 Filme (3)

ANATOMIE D'UN RAPPORT, 1976

Der dritte und letzte Teil der Retrospektive der 30 Lieblingsfilme Frieda Grafes begann Ende Oktober und wird vom 1.–3. November fortgesetzt. Der erste Abend bringt Jean Renoir und Chantal Akerman zusammen und konfrontiert zwei Spielarten des Autorenfilms. Am zweiten Abend trifft Sternberg auf Rossellini, jeweils mit einem Film aus den frühen 50er Jahren. Zwei soziale Mikrokosmen verdichten sich an Orten, die aus der Geschichte gefallen sind, ein vernebelter Vulkan im Süden Italiens, eine vergessene Insel im Pazifischen Ozean, Orte, die zu zwei Ländern gehören, die wenige Jahre zuvor noch eine faschistische Achsenmacht gebildet haben. Am finalen Abend dann trifft die beklemmende Beziehungsanatomie Moullets auf die befreienden Farben von Hawks, der "nicht das geringste Bemühen um Realismus" aufweist.

BOUDU SAUVE DES EAUX (Boudu – Aus den Wassern gerettet, Jean Renoir, Frankreich 1932, Einführung: Florian Schneider, 1.11.) "Die Nouvelle-Vague-Regisseure filmten das Paris der späten Fünfziger und Sechziger wie Renoir das der Dreißiger in BOUDU SAUVE DES EAUX", schreibt Frieda Grafe. Die Komödie ist der erste Film, mit dem sich Renoir endgültig verabschiedete vom Ruf, lediglich der Sohn seines Vaters zu sein.

NEWS FROM HOME (Chantal Akerman, F/B/BRD 1976, Einführung: Kathrin Rothemund, 1.11.) Frieda Grafe fragte sich, ob der Essayfilm der Autorenfilm des Dokumentargenres sei. "Heißt das, auch Essayfilme sind letzte Gefechte? Oder aber waren sie vielleicht von Anfang an Filmkritik? Mit kinospezifischen Mitteln." Dieser Film ist eine essayistische Idee Akermans vom Leben in New York und der Fernbeziehung zu ihrer Mutter.

THE SAGA OF ANATAHAN (Josef von Sternberg, Japan 1953, Einführung: Ute Holl, 2.11.) Frieda Grafe: "In ANATAHAN hat Sternberg die Verachtung der Sprache auf die Spitze getrieben. (…) Nur ein verbindender Text, von Sternberg selbst gesprochen, kommentiert auf Englisch die Vorgänge auf der Leinwand." Der Film, der Ute Holl zur Frage verleitet "Was heißt es, wenn Männer Texte fabrizieren oder Filme machen über Gewalt und Vergewaltigung und sich selbst, Mea Culpa, hört her, dabei ertappen, zu unterstellen, es sei auf Wunsch der Frau geschehen und zu verstehen?"

VIAGGIO IN ITALIA (Reise in Italien, Roberto Rossellini, Italien 1954, Einführung: Aryan Kaganof, 2.11.) Frieda Grafe: "Wir sind so sehr gewöhnt daran, gefüttert zu werden mit Geschichten, in denen alles aufgeht, dass, wenn Unmotiviertes auf der Leinwand erscheint, wie bei dem Schluss von Rossellinis VIAGGIO IN ITALIA, es gleich heißt: ein Wunder."

ANATOMIE D'UN RAPPORT (Anatomie einer Beziehung, Luc Moullet & Antonietta Pizzorno, Frankreich 1976, Einführung: Volker Pantenburg, 3.11.) "Es greift zu kurz, in ANATOMIE D'UN RAPPORT lediglich Mischungsverhältnisse zwischen Dokumentarischem und Fiktionalem am Werk zu sehen. Eher müsste man in diesem Fall die Grenze selbst als suspendiert betrachten", schreibt Frieda Grafe über Moullets Untersuchung einer Zweierbeziehung.

GENTLEMEN PREFER BLONDES (Howard Hawks, USA 1953, Einführung: Diedrich Diederichsen, 3.11.) Diedrich Diederichsen: "Selten ist es einem Film gelungen, nicht nur den Begriff des Werts, die Idee der individuellen unersetzlichen Persönlichkeit und schließlich die Ideologie der Geschlechterdifferenz, der sexuellen Orientierung und ihrer Natur nachhaltiger auseinanderzunehmen." (Annett Busch, Max Annas, Henriette Kunkel)

"Wie Film Geschichte anders schreibt / Frieda Grafe – 30 Filme" ist ein Projekt von Max Annas, Annett Busch und Henriette Gunkel und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Brinkmann & Bose und dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst.

kino arsenal: Retrospektive Jacques Rivette

19:00 Kino 2


Hurlevent

Hurlevent Sturmhöhe F 1985

35 mm OmE 130 min

kino arsenal: Retrospektive Jacques Rivette

19:30 Kino 1


Jeanne, la pucelle – Les batailles

Jeanne, la pucelle – Les batailles
Johanna, die Jungfrau – Der Kampf F 1994
Mit Sandrine Bonnaire
35 mm OmE 160 min