Oktober 2011, kino arsenal

Ulrike Ottinger

DIE KOREANISCHE HOCHZEITSTRHUHE

Der Herbst in Berlin steht im Zeichen von Ulrike Ottinger. Im Haus der Kulturen der Welt zeigt die Weltensammlerin, Filmemacherin und Fotografin in der Ausstellung Floating Food (noch bis 30.10.), wie der Umgang des Menschen mit Nahrung auch seine Beziehung zur Umwelt spiegelt und auf diese Weise kulturelle Identität produziert. Im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) wird anlässlich der Verleihung des Hannah-Höch-Preises an Ulrike Ottinger das unbekannte und bisher nicht gezeigte malerische Frühwerk (1963–68) Ottingers ausgestellt (26.11.–22.1.). Das Arsenal lädt bis Januar in zwölf Filmveranstaltungen mit Gesprächen und Einführungen dazu ein, das filmische Œuvre von Ulrike Ottinger zu entdecken. Indem das Programm Themen, Zitate, Bilder und Töne der Ausstellungen aufgreift, spiegelt und kommentiert es Ulrike Ottingers Bewegtbild-Welten zwischen Opulenz und Stilisierung, Variationen des Theatralen und Ethnografischen, Kulturgeschichte und Science Fiction, Reflexion und Reise.

Wir zeigen im Oktober JOHANNA D'ARC OF MONGOLIA (BRD 1989, 2.10.). Vier völlig verschiedene Frauen reisen mit der Transmongolischen Eisenbahn. Sie werden von einer geheimnisvollen Prinzessin und ihren Reiterinnen entführt, ziehen mit einer Nomadenkarawane über die endlosen Steppen, während sie mit archaischen Ritualen und jahrhundertealten Geheimnissen vertraut gemacht werden.

DIE KOREANISCHE HOCHZEITSTRUHE (D 2009, 9.10., im Anschluss: Ulrike Ottinger im Gespräch mit Christine Noll Brinckmann) In Südkorea gehört die Hochzeitstruhe, eine massive Holzbox, die mit ebenso geheimnisvollen wie symbolträchtigen Dingen gefüllt wird, zum Auftaktritual jeder Eheschließung. Sie steht am Ausgangspunkt einer Reise, die dieser Film ins heutige Seoul unternimmt. Ulrike Ottinger macht sich in der Megacity auf die Suche nach eigentlich unsichtbaren Traditionen. In der omnipräsenten Hochzeitsindustrie Koreas entdeckt sie das Alte im Neuen – und umgekehrt.