Am 24. Juli findet die nächste öffentliche Sichtung im Rahmen von Living Archive statt. Im Zusammenhang mit dem Projekt "Cine de Transición - Die Phase des politischen und gesellschaftlichen Übergangs von der Diktatur zur Demokratie im Spiegel (1965–1985) der Filmsammlung des Arsenal" von Sabine Schöbel werden diesmal ausschnitthaft spanische Filme gesichtet, die in den Jahren nach dem Tod von Franco im Forum gezeigt wurden. "Es ist eine Auswahl von Filmen, in denen nach Jahrzehnten jenes 'andere Spanien' wieder sichtbar wird, das mit dem Ende des Bürgerkriegs in den Untergrund oder ins Exil ging und das allenfalls im katalanischen 'cine clandestino' seit dem Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts als Film einem Publikum wieder präsent war. Die ausgewählten Arbeiten sind zuerst Dokumente eines gesellschaftlichen Umbruchs und der Sichtbarmachung dieses Umbruchs durch das Internationale Forum des jungen Films. Unter diesen Vorzeichen und mit dem Wunsch, eine Filmtournee für die kommunalen Kinos auf den Weg zu bringen, näherte ich mich dem Archiv. Die Sichtung der dort seit Jahrzehnten gelagerten Kopien brachte aber bald noch einen anderen Aspekt zum Vorschein: „La otra España“ präsentierte sich da in einer Art 'Rotfilm'. Die Massenszenen des Bürgerkriegs, der Streiks der Theaterarbeiter in Barcelona 1977, der Hofgang der politischen Gefangenen im Baskenland, die weißen Masken im verbotenen Theaterstück LA TORNA und das Schlafzimmer des Zauberers in A UN DIOS DESCONOCIDO, alles wie eingefärbt. Filmmaterial, Filmgeschichte, Geschichte: rot. Andere Arbeiten haben kaum Kontraste oder zu starke oder sind verregnet. Bei einigen will man wissen, ob das schon immer so war. Charakteristikum eines 'armen Kinos'? Oder sind das ebenfalls 'Zeichen der Zeit'?" (Sabine Schöbel)
In ihrer monatlichen Serie, die musikalische Perlen aus dem Archiv des Arsenal präsentiert, zeigt "Curatorial Mother" Vaginal Davis am 22. Juli Busby Berkeley und Vincente Minnellis Musical BABES ON BROADWAY (USA 1941, 118', OF). Darin produziert eine Gruppe junger Tänzer und Musiker eine eigene Show mit dem Ziel, einen ersten Broadway-Erfolg zu erlangen. Um das Geld für die Theatermiete zusammen zu bekommen, geben sie ein Straßenfest. Alles läuft gut, doch mitten in den Proben gibt es eine desaströse Wendung: Das Theater wird auf die Abrissliste gesetzt. Michael Baute erinnert sich: "Mickey Rooney fragt July Garland, ob sie ihm ein Lied singen möge." Sie: "How do you know I sing?" Er: "You sing when you talk, and you dance when you walk, and when I look in your eyes, I see a song."
"Os residentes - The Residents"
Angetreten um einer Welt, der die Utopien und die Poesie abhandengekommen sind, den Kampf anzusagen, haben die Bewohner eines Abrisshauses eine temporäre autonome Zone errichtet. Eine Art situationistische Stadtguerilla der Gegenwart, verbringen sie ihre Tage damit, auf materieller wie immaterieller Ebene Unruhe zu stiften. Es wird rezitiert und deklariert, diskutiert, performed und getröstet. Eine Frau wird gekidnappt, pantomimisch der Nahkampf geübt, Schamhaare zu Schnurrbärten umarrangiert. Viele der lustvoll-sinnlosen Aktionen der Bewohner drehen sich im Kreis; hierin ist bereits deren ironische Selbstreflexion enthalten: Letztlich sind sie bloße ästhetische Imitation der Parolen, Gesten und Posen der politischen und künstlerischen Praxis der 1960er und 1970er. So verkünden die Bewohner schließlich das Ende der eigenen Avantgarde und geben ihr Haus dem Abriss anheim. Mit der gleichen Freude am Verwirrspiel experimentiert dieser einfallsreiche, wunderbar fotografierte Film mit Form und Inhalt. Gespickt mit diskursiven und filmischen Referenzen ist er sich der eigenen Begrenztheit vollends bewusst und vertritt doch selbstbewusst die These, dass noch in jeder Wiederholung etwas von der unruhestiftenden Kraft der ursprünglichen Geste liegt.
10. Juli: DAAD-Stipendiatin Bouchra Khalili zu Gast