Mit TREELESS MOUNTAIN von So Yong Kim bringt arsenal distribution ab dem 1. März einen Film aus dem Programm des Forums 2009 in die Kinos. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete zweite Langfilm der Regisseurin, deren jüngster Film FOR ELLEN im diesjährigen Forum zu sehen war, erzählt die Geschichte der sechsjährigen Jin, die mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Bin in Seoul lebt. Als die Mutter sich auf die Suche nach dem Vater der beiden Mädchen macht, von dem sie getrennt lebt, müssen Jin und Bin den Sommer bei ihrer alkoholkranken Schwägerin verbringen. Zum Abschied bekommen sie von der Mutter ein Sparschwein; sie verspricht, zurück zu sein, sobald es voll ist. Doch als es soweit ist, bleibt die Mutter verschwunden. Jin und ihre Schwester werden auf eine Farm gebracht, die ihren Großeltern gehört. Durch dieses Erlebnis erkennt Jin die Bedeutung familiärer Bindungen. Unter dem Einfluss ihrer resoluten und hart arbeitenden Großmutter lernt sie, dass sie durch ihre Fürsorge für die jüngere Schwester ihren Schmerz verwinden kann. Von ihrer eigenen Kindheitsgeschichte inspiriert, erzählt So Yong Kim vom Verrat an familiärer Geborgenheit. Gänzlich unsentimental gelingt es ihr, mit Bildern mehr als mit Worten eine Welt zu erschaffen, in der der Zuschauer Zeuge eines Verbrechens wird. Obwohl niemand Gewalt ausübt – die Kinder sind nur einfach nicht mehr gewollt. Mit einer seltsamen Wucht erlebt man, wie Kinder durch die Lügen der Erwachsenen aus ihrem Paradies vertrieben werden können.
Im Rahmen der Reihe Filmmakers choice zeigen Gusztáv Hámos und Katja Pratschke am 20. März Fotofilme, die das Gedächtnis und die Zeit erforschen, die uns Kino denken lassen. In LA JETÉE (Chris Marker, F 1962) experimentieren Überlebende eines Atomkriegs mit einem Gefangenen, um in der Zeit zu reisen. Durch die Erinnerung an ein besonders starkes mentales Bild, das Gesicht einer Frau, gelingt es dem Mann, in die Vergangenheit zu reisen und sie zu treffen. In (NOSTALGIA) (Hollis Frampton, USA 1971) beschreibt eine Stimme 13 Fotos. Nach einer Weile verbrennt das jeweils gezeigte Bild und transformiert zu Asche. Kommentar und Bild sind tektonisch verschoben. In FIASKO (Janet Riedel, K. Pratschke, G. Hámos, D 2010) kommt der Auschwitzüberlebende Steinig an einen gespenstisch fremden, zugleich merkwürdig vertrauten Ort, erlebt Déjà-vus, gerät in den Strudel eines undurchschaubaren Systems (stalinistisches Ungarn), erzählt in Splitscreen-Fotografien. (Katja Pratschke)
Ulrike Ottinger: Berlin-Trilogie
Magical History Tour – Kino im Plural: Kollektive, Gruppen und Fabriken