Zwischen 100 und 365, Anthologie und Kontext, Chronologie und work in progress, zwischen Filmgeschichts- neuschreibung und Kanon – unsere kontinuierliche Präsentation von Filmgeschichte in fortlaufenden Reihen geht in die 80er Jahre zurück. Diese Koordinaten deuten das Spannungsverhält-nis an, in dem sich die verschiedenen Filmreihen bewegten. So auch die "Magical History Tour – Filmgeschichte in 365 Filmen", auf die wir das Publikum nach dem Umzug an den Potsdamer Platz im Jahr 2000 eingeladen haben und die wir seitdem im jährlichen Turnus neun Mal jeweils mit unterschiedlichen Gewichtungen und Schwerpunkten neu gestartet haben. Dabei haben wir versucht, eine eigene, immer wieder leicht abgewandelte Version einer sich ebenfalls ständig in Bewegung befindlichen Filmgeschichte zu präsentieren und die Magical History Tour zum Spiegel unseres Filmverständnisses, Dokument unserer Sammlung, Zeugnis unseres Anliegens zu machen, und der Beschäftigung mit Filmgeschichte allabendlich einen festen Platz im Arsenal einzuräumen. Dabei soll es mit unserer Neuauflage der Magical History Tour ab dem 1. Oktober auch bleiben. Wir verabschieden uns indes vom in den letzten Jahren kaum mehr wahrnehmbaren Überangebot von 365 verschiedenen Filmen pro Jahr, der chronologischen Anordnung der präsentierten Werke und dem Versuch, wichtige Strömungen und Epochen der Filmgeschichte im Kontext und Überblick anhand einzelner Beispiele abzubilden. Unter Beibehaltung des Jahresrhythmus' möchten wir vielmehr zukünftig monatlich acht bis zehn ausgewählte Beispiele der Filmgeschichte um ein bestimmtes Thema gruppieren. Dies gibt uns die Möglichkeit, Filme unterschiedlicher Stilrichtungen, Genres, Epochen – von der Anfangszeit des Films bis ins 21. Jahrhundert – und Regionen in einem Monat miteinander in Beziehung zu setzen. Das erste Thema der neuen Magical History Tour lautet "Farbe im Film", in den nächsten Monaten widmen wir uns Themen wie "Montage", "Manifeste", "Ton", "Körper", "Kollektive", "Abbildung und Wirklichkeit", "das Politische" und "Exzess & Minimalismus".