Jean Douchet, drei Jahre vor Truffaut und eins vor Godard geboren, begleitet das französische Kino seit sechs Jahrzehnten aus nächster Nähe. Als Kritiker der Cahiers du cinéma, als Gelegenheitsschauspieler (u.a. in Les 400 coups), Weggefährte und Enthusiast, seit den 80er Jahren auch als analytisch-leidenschaftlicher Denker auf Video und DVD, gehört er zu den wichtigsten Protagonisten der Pariser Cinéphilie. Die sensation – Gefühl, Empfindung und Erfahrung – ist der Schlüsselbegriff, der seine unterschiedlichen Umgangsweisen mit dem Kino zusammenhält. "Ein Werk tief zu empfinden und diese Begeisterung mitzuteilen stellt allein schon einen Akt der Kritik dar, auch wenn es nur mündlich geschieht." Legendär sind Douchets Kino-Auftritte in Paris, die seit vielen Jahren als "Ciné-Club de Jean Douchet" in der Cinémathèque Française stattfinden. Die Kunst zu lieben – so der Titel seines bekanntesten Texts – findet dort unter dem unmittelbaren Eindruck des Films und in der sozialen Situation des Kinos eine mündlich-improvisierte analytische Form. Im Arsenal wird Douchet nach der Vorführung über den Film LITTLE FUGITIVE (Morris Engel, Ray Ashley, Ruth Orkin, USA 1953) sprechen, ohne den es laut Truffaut die Nouvelle Vague nicht gegeben hätte. Ein Junge (wie Jean-Pierre Léaud in Les 400 coups), der glaubt, seinen Bruder getötet zu haben, flieht aus Manhattan und irrt (wie Jean-Paul Belmondo in À bout de souffle durch Paris) zwei Tage lang durch Coney Island.