"Wir haben die 'Große Lüge' im Leben und in der Kunst satt. Wir wollen keine falschen, auf Hochglanz polierten, glatten Filme – wir wollen sie rau, ungeglättet, aber lebendig; wir wollen keine Filme in rosa – wir wollen sie rot wie das Blut." So heißt es in einem Manifest der New American Cinema Group, einer Gruppe New Yorker unabhängiger Filmemacher, die sich Anfang der 60er Jahre zusammenschließen, um eine Diskussions- und Verleihplattform für den künstlerischen, avantgardistischen, unabhängigen Film zu schaffen. Doch nicht nur im fernen New York wird die "herzlose Mittelmäßigkeit" (Blumenberg) des Hollywood-Kinos der 60er Jahre angeprangert. Hollywood befindet sich in einer tiefen Krise: die hier produzierten Filme stoßen bei einem zunehmend jungen Publikum, dessen Realität von Protestbewegungen und Studentenrevolten, aber auch von Pop- und Jugendkultur geprägt ist, auf Unverständnis und Desinteresse. Erst Ende der 60er Jahre gelingt es Regisseuren wie Robert Altman, Arthur Penn, Sam Peckinpah, Terrence Malick, Peter Bogdanovich, F.F. Coppola, Dennis Hopper, Martin Scorsese u.a. das Hollywood-Kino zu beleben und zu erneuern. Stark beeinflusst vom zeitgenössischen europäischen Kino brechen sie in ihren Filmen mit traditionellen Erzählkonventionen und Tabus.