(Caligynephobie: die Angst vor schönen Frauen) Aus Begeisterung für den Einsatz von Robotern mit künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Welt entwickelt die Biogenetikerin Rosetta ein Rezept, mit dem sie ihre eigene DNS in ein Gebräu mischen kann, das sie in ihrem Computer herstellt. Es gelingt ihr, drei Replikanten zu züchten, die aussehen wie Menschen: Ruby, Marinne und Olive. Zum Überleben benötigen sie männliche Y-Chromosomen, die bekanntlich nur in Spermien vorkommen. Deshalb programmiert Rosetta Ruby darauf, Bilder und Dialoge aus Verführungsszenen in Filmen zu absorbieren. Ruby beginnt, sie in der Realität nachzuleben; den "Ertrag" teilt sie anschließend mit ihren Schwestern. Durch ihren allmählich entstehenden Kontakt mit der echten Welt begegnet Ruby Phänomenen wie der Kunst, Spiritualität und schließlich ihrer eigenen Fähigkeit zu lieben. Für TEKNOLUST hat Lynn Hershman die Schauspielerin Tilda Swinton geklont. (2. & 4.6.)
Japanischer Filmclub
"Dieser Film besitzt eine derartige Spannung, dass man sich vorkommt, als ob man von ihm mit dem Messer angegriffen würde." (Image Forum) Die Rede ist von Masashi Yamamotos Underground-Film YAMI NO KANIWARU (Karneval der Nacht, Japan 1982), der in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku spielt und der Gelegenheitssängerin Kuni auf ihren nächtlichen Streifzügen durch eine Welt der Außenseiter, Diebe und Prostituierten folgt. In Farbe und Schwarzweiß und zum größten Teil mit der Handkamera gedreht, wirft Yamamotos Spielfilmdebüt einen Zauber, aber auch einen Fluch über die apokalyptisch erscheinende Hauptstadt. "KARNEVAL DER NACHT ist einer der xzellentesten und schärfsten Filme, die sich je mit Shinjuku auseinandersetzten. Masashi Yamamoto stellt Shinjuku in seiner Gewalt und in seiner Romantik dar: Es gehört ein besonderes Auge dazu, um solche Details der Stadt hervorzuholen, wie er es tut." (Hiroshi Umino) (26.6., mit Einführung)
Institut national de l'audiovisuel
Für drei Monate (29. Juni bis 28. September) präsentiert sich das zentrale Fernseharchiv Frankreichs, das "Institut national de l'audiovisuel" (ina) am Potsdamer Platz, im Museum für Film und Fernsehen. Vorgestellt werden Fernsehsendungen über Pariser Modenschauen aus drei Jahrzehnten, von den 50er bis zu den 70er Jahren. Zum Auftakt des Pariser Gastspiels im Filmhaus am Potsdamer Platz laufen im Arsenal am 29. Juni historische Ausschnitte aus dem Modeprogramm des französischen Fernsehens, ausgewählt von Peter Paul Kubitz, Jean Pichard und Gerlinde Waz, und dazu der Spielfilm THE DEVIL WEARS PRADA (David Frankel, USA 2006). Einführung: Marie-Claire Amblard, Archiv-Direktorin. (Peter Paul Kubitz) (29.6.)
Auf heißen Spuren …
Für junge Meisterdetektive und solche, die es werden wollen, zeigen wir am 23. & 24. Juni den Film von Marie-Luise Krause und Wolfgang Hübner HEISSE SPUREN (DDR 1974). Der kleine Lutz hat eine Leidenschaft: Wie sein Vater möchte er unbedingt Kriminalist werden. Überall sieht er Verdächtige und findet verräterische Spuren. Trotz ständiger Ermahnungen der Eltern, diese Eigenmächtigkeit sein zu lassen, verfolgt Lutz unbeirrt eine heiße Spur, die ihn jedoch direkt zu seinem Lieblingslehrer führt … Am Sonntag, den 24. Juni präsentieren wir als Vorfilm den Zeichentrickfilm aus dem Trickfilm-Workshop von Regina Voss: EISBÄR KNUT VERSCHOLLEN – EIN NEUER FALL FÜR DETEKTIVIN CHARLY (2007) – eine Weltpremiere in Anwesenheit der jungen Regisseure und Regisseurinnen!
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.
FilmDokument
Knallbunt war die Welt des frühen Kinos. Das zweite Programm mit kolorierten Filmschätzen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg bringt Aktualitäten, Naturbilder und Wochenschauen – schwarz/weiß aufgenommen und nachträglich koloriert bzw. viragiert. Wir sehen idyllische Reisebilder aus dem Harz und dem Schwarzwald, aus Berchtesgaden, Nizza und Berlin. Wir erleben Katastrophen wie einen Ausbruch des Ätna, einen Brand bei Agfa in Berlin sowie ein Großfeuer im Fjord von Balholm, wo Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich die Löscharbeiten leitet. In Farbe lassen wir uns auch über die Herstellung von Schweizer Käse belehren. Wir reisen in den Islam und lernen das Leben der Fischer in der Bretagne kennen. In einem Film von 1913 demonstriert schließlich eine deutsche Sanitätskolonne des roten Kreuzes ihre aufopfernde Tätigkeit im Kriegsfalle. Eine Veranstaltung von CineGraph Babelsberg mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv. Einführung: Jeanpaul Goergen. (29.6.)
Hommage an Roberto Rossellini
Der italienische Neorealismus gilt als eine der einschneidenden Bewegungen der Filmgeschichte, als Impulsgeber für eine grundlegende Erneuerung der europäischen Kinematografie. Die zentrale Gestalt dieser Stilrichtung ist ohne Zweifel der am 8. Mai 1906 in Rom geborene Roberto Rossellini. Seine Filme ROMA CITTA APERTA (1945), PAISA (1946) oder DEUTSCHLAND IM JAHRE NULL (1947) zählen zu den Höhepunkten des Neorealismus. Doch so gefeiert seine frühen Filme waren, so ablehnend begegnete die italienische Kritik vielen von Rossellinis späteren Filmen, denen man u.a. Verrat am Neorealismus vorwarf, weil sie sich einer eng gefassten Definition des neorealistischen Films entzogen. Rossellini betont in einem Interview: "Für mich ist Realismus nichts anderes als die künstlerische Form der Wahrheit!" und fand die ihm gebührende Unterstützung und Anerkennung bei französischen Kritikern und zahlreichen jungen Regisseuren, die einige Jahre später die französische Nouvelle Vague begründeten. So schrieb z. B. Jacques Rivette über VOYAGE IN ITALY (Viaggio in Italia, 1953): "Es scheint mir unmöglich, nicht zu erkennen, dass dieser Film eine Bresche schlägt, durch die das ganze Kino hindurch muss." Zeit seiner Karriere arbeitete Roberto Rossellini in den unterschiedlichsten Genres (ohne sich jedoch ihren Konventionen ganz und gar unterzuordnen), experimentierte mit verschiedenen Stilrichtungen und Produktionsweisen und widmete sich in den 60er und 70er Jahren Fernsehfilmen und -serien mit stark historischem Charakter, dazu gehören die beeindruckenden biografischen Filme über Sokrates, Blaise Pascal und Ludwig XIV.
KAROT – Retrospektive des armenischen Films
"Die Retrospektive des armenischen Films trägt den Titel 'Karot', was mit dem Wort 'Nostalgie' nur unzureichend übersetzt wäre. Verbinden wir in unserer Sprache damit doch einen rückwärtsgewandten, sentimentalen, verklärten Blick in unwiederbringliche Zeiten. 'Karot' jedoch beinhaltet sowohl die Sehnsucht nach etwas Verlorenem als auch die Sehnsucht nach etwas, das in der Zukunft liegen mag, an dem es uns aber in der Gegenwart schmerzlich mangelt, etwas Unbestimmtes vielleicht, Unnennbares, aber in seiner Abwesenheit wesentlich Existentes. Dieses Gefühl eint mehr oder weniger alle Filme der Reihe, und es verbindet die Geschichte Armeniens mit seiner Kunst, wobei es vielleicht ein bestimmendes Element jeder Kunst ist." (Fred Kelemen)
Die Retrospektive gibt einen Überblick über 80 Jahre armenische Filmkunst: von den Anfängen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. Von insgesamt etwa 350 in Armenien produzierten Spiel- und Kurzfilmen zeigen wir 13, von den bis jetzt annähernd 1220 hergestellten kürzeren und längeren Dokumentarfilmen sieben. Dazu kommen vier Filme aus der armenischen Diaspora.
Written On The Wind: Gruppenbild mit RWF
"Rainer Werner Fassbinder: Berlin Alexanderplatz – eine Ausstellung" ist noch bis zum 13. Mai im KW – Institute for Contemporary Art zu sehen. Aus diesem Anlass präsentieren wir bis Juli eine Retrospektive der Kinofilme des Regisseurs, die mit der Kinovorführung aller 14 Teile von BERLIN ALEXANDERPLATZ ihren Abschluss findet. Aus jedem Film haben wir eine Person ausgewählt, die vor oder hinter der Kamera wirkt, um sie mit einem weiteren Film vorzustellen, der nicht von Fassbinder ist. Auf diese Art und Weise ergibt sich – aus der Perspektive des produktivsten aller Filmschaffenden dieser Zeit heraus – ein Geflecht von Bezugspunkten und ein breites, wenn auch sehr subjektiv entstandenes Porträt des Neuen Deutschen Films von den späten 60er bis zu den frühen 80er Jahren.
Swiss Made: Präzision und Wahnsinn
Im Zusammenhang mit der Ausstellung "Swiss Made: Präzision und Wahnsinn – Positionen der Schweizer Kunst von Hodler bis Hirschhorn" im Kunstmuseum Wolfsburg (noch bis zum 24. Juni) präsentieren wir drei Programme mit selten gezeigten Filmen aus der Schweiz. Sie versammeln Einzelgänger, Außenseiter, Bastler, Erfinder, Besessene, Fantasten, Spinner – allesamt kreative Menschen, Künstler zwischen Präzision und Wahnsinn.
1,2,3 … Avant-Gardes
arsenal experimental präsentiert am 16. und 17. Mai das Buch "1,2,3… Avant-Gardes" in Berlin in einer Serie von drei Filmprogrammen. Das Ausstellungs- und Buchprojekt "1,2,3… Avant-Gardes" konfrontiert die Idee des Experimentalfilms und der Avantgarde in Polen mit den Auseinandersetzungen jüngerer, international arbeitender KünstlerInnen und wurde im Dezember 2006 im Warschauer Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle vorgestellt. In weiteren Kapiteln wird sich "1,2,3… Avant-Gardes" Juni 2007 im Künstlerhaus Stuttgart der "Open Form" von Oskar Hansen und seinen NachfolgerInnen widmen, und im Dezember in der sala rekalde, Bilbao, Aspekte von Experiment und Punkmusik im Film der 1970er und 1980er Jahre zum Thema machen.