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Ellen Richter – Die große Unbekannte. Weimar Cinema's Action Queen

Filmstill aus STRAFSACHE VAN GELDERN: Ein Mann und eine Frau blicken sich nahe beieinander stehend böse an.
© Bundesarchiv

Wer war Ellen Richter? „Meine Eltern waren jüdische Bürgersleute aus Ungarn, die aus mir eine brave Hausfrau machen wollten. Wie groß war ihre Verwunderung, als ihre Tochter ihnen einige Jahre später mitteilte, dass sie Schauspielerin werden wolle“, erinnert sich Richter 1928 an ihre Anfänge. Zu diesem Zeitpunkt ist Ellen Richter – geboren 1891 als Käthe Weiß in Wien – einer der populärsten Stars des Weimarer Kinos. Auch außerhalb von Deutschland hat sie viele Anhänger. Ihr Name steht für Witz und Charme, für eine neue Weiblichkeit, furchtlos, abenteuerlustig, eigensinnig. Stets mobil und modebewusst. Oft blitzt bei aller Emotionalität eine leicht ironische Auffassung ihrer Rollen durch, eine lässige Souveränität.

Eine brave Hausfrau wurde Richter nie, auch nicht, nachdem sie 1915 in Berlin den Zahnarzt und Librettisten Willi Wolff geheiratet hatte. Fortan bildete sie mit Wolff als Autor und Regisseur eine ungeheuer produktive Arbeitsgemeinschaft, die ein Leben lang hielt. Verkörperte Richter mit ihrem dunklen Haar und dunklem Teint zu Beginn ihrer Filmlaufbahn noch oft die Rolle einer „Exotin“, so änderte sich das, als sie 1920 mit Wolff ihre eigene Produktionsfirma gründete. Danach bestimmte sie selbst, wen und was sie spielen wollte. Dazu zählten berühmte Frauen aus der Geschichte wie Lola Montez sowie die Heldinnen großangelegter Reise- und Abenteuerfilme, die Richter und Wolff nach Südeuropa, Nordafrika, Indien und die USA führten. In dieser Zeit erwarb sie sich den Ruf einer Actiondarstellerin. Mit Vorliebe spielte sie auch Detektivinnen, Künstlerinnen und Revuestars, schlüpfte in Männerkostüme, spielte mit ihren Rollen.

Der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm gelang der ausgebildeten Theaterschauspielerin ohne Schwierigkeiten. 1933 führte die Diskriminierung und Verfolgung der Juden nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten zum abrupten Ende ihrer Karriere. Sie emigrierte mit Willi Wolff nach Österreich, Frankreich und schließlich in die USA, wo sie den Holocaust überlebte. Nie wieder trat sie im Film auf. 1969 starb Ellen Richter weitgehend vergessen in Düsseldorf.

Von den gut 70 Filmen, in denen Ellen Richter zwischen 1913 und 1933 mitspielte, ist nur ein Bruchteil überliefert. Erst mit dem wachsenden Interesse an Frauen in der Filmgeschichte ist es in den letzten Jahren gelungen, mehrere ihrer Filme in Filmarchiven zu entdecken und zu restaurieren. Nun sind ihre Filme erstmals wieder in Deutschland auf der Leinwand zu sehen – mit Live-Musik von einigen der besten Stummfilmmusikerinnen und -musiker Europas. Die Reihe wird im November fortgesetzt.

Die Retrospektive wurde kuratiert von Oliver Hanley, Lihi Nagler und Philipp Stiasny und gefördert vom Hauptstadtkulturfonds.

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