November 2013, living archive

Öffentliche Sichtung: Das erste internationale Frauenfilmseminar

FÜR FRAUEN - 1. KAPITEL, 1971

Vor genau 40 Jahren, im November 1973, fand im alten Arsenal in der Welserstraße sowie in der gegenüberliegenden Grundschule das erste internationale Frauenfilmseminar statt. Organisiert haben es die Filmemacherinnen Claudia von Alemann und Helke Sander. Sie stellten 45 Filme aus sieben Ländern vor, was einer Pionierinnenarbeit gleichkam, und luden 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, die in Frauengruppen aktiv waren. Hinzu kamen Frauen, die in den Medien arbeiteten und durch das Seminar/Festival erstmalig beginnen konnten, ein Netzwerk aufzubauen. Das gleiche galt für Filmemacherinnen. Die meisten Vorführungen waren Erstaufführungen, und so konnte das Ereignis auch als weltweit erstes Frauenfilmfestival mit Filmen von und über Frauen gewertet werden. Vorher hatte es noch kein Frauenfilmfestival in diesem Ausmaß gegeben. Doch im Vordergrund stand die Etablierung eines öffentlichen Diskurses. In dieser Hinsicht hatte die Veranstaltung Modellcharakter und wurde in den folgenden Jahren in vielen Städten, z. B. in Frankfurt und München (hier organisiert von Angela Haardt) in veränderter Form wiederholt und weiter geführt. Die Themen, die behandelt wurden, lauteten "Frauen im Arbeitskampf, Frauen in der Darstellung der Medien, Frauen und der Paragraph 218, Sexualität, Rollenverhalten, Frauenbewegung in Europa und den USA". Eingeladen wurden Filme aller Längen und Genres, die diese Themen in kritischer Weise aufgriffen. Bereits 1993 nahmen das Arsenal, der Verein "Blickpilotin", sowie die Gruppe "Übung am Phantom" das Ereignis nach einer Distanz von 20 Jahren erneut in Augenschein. Auch Angela Melitopoulos thematisierte es in ihren "Möglichkeitsraum"-Veranstaltungen am HKW und im Arsenal. Inzwischen sind vier Jahrzehnte vergangen. Wir laden ein, am Sonntag, den 10. November die 28 größtenteils kurzen Filme erneut anzusehen, die seit 1973 in der Sammlung des Arsenals verblieben sind. Claudia von Alemann und Helke Sander sowie Angela Melitopoulos und Stefanie Schulte Strathaus führen durch das Tagesprogramm und diskutieren es mit dem Publikum und einigen Teilnehmerinnen der Veranstaltung vom November 1973.

Die damals entstandene Broschüre "Zur Situation der Frau" enthielt wertvolle Film- und Literaturtipps und stellte ein Arbeits- und Lernprogramm vor.

Download der Broschüre als PDF-Datei