Februar 2006, berlinale forum

Preise der Unabhängigen Jurys

Conversations on a Sunday Afternoon

Conversations on a Sunday Afternoon

Die Unabhängigen Jurys der Berlinale vergaben drei weitere Preise an Filme aus dem Programm des 36. Forums: Conversations on a Sunday Afternoon, Close to Home und Dear Pyongyang.

Der Preis der Ökumenischen Jury für einen Film aus dem Forum ging an Conversations on a Sunday Afternoon von Khalo Matabane. Mitglieder der Jury waren Jörg Herrmann (Deutschland), Milja Radovic (Serbien), Marius Sopterean (Rumänien), Christine Stark (Schweiz, Jurypräsidentin), David Tlapek (USA) und Prof. Dr. Reinhold Zwick (Deutschland).

Der Film erhielt den Preis für eine formal gelungene und inhaltlich eindrucksvolle Dokumentation der Situation von Kriegsflüchtlingen aus aller Welt, die in Johannisburg leben. Der Regisseur zeigt einen Schriftsteller auf der Suche nach einer aus Somalia geflohenen Frau. Dabei begegnet er Kriegsflüchtlingen aus aller Welt, deren Geschichten von der Gewalt des Krieges, aber auch von der Hoffnung auf Versöhnung zeugen.

Die Conféderation Internationale des Cinémas D'Art et Essai (C.I.C.A.E.), der Internationale Verband der Filmkunsttheater, prämierte Close to Home (Karov la bayit) von Dalia Hager und Vidi Bilu. Die Forum-Jury bildeten Harald Ebner (Deutschland), Carola Stern (Schweiz) und Davide Zanza (Italien).

Ihre Begründung: Der Film erzählt von einer Seite der Realität im Zentrum eines bedeutenden politischen Konflikts, die wir noch nicht gesehen haben – junge Frauen in der Armee. Dank sehr guter Besetzung, Schauspiels und Fotografie können wir uns in die höchst unterschiedlichen weiblichen Charaktere einfühlen. Die Regisseurinnen ergreifen für keine Seite Partei, weder für die israelische noch die palästinensische, sondern haben einen menschlichen Zugang gewählt, um zu zeigen, welche Auswirkungen Angst und Hierarchien auf junge Frauen haben. Auf realistische und unsentimentale Weise beobachtet der Film die Atmosphäre in Jerusalem sehr genau, macht Freude beim Sehen und ist für ein europäisches Publikum zu empfehlen.

Der NETPAC-Preis (Network for the Promotion of Asian Cinema) vergab ihren Preis an Dear Pyongyang von Yang Yong-hi. Jury-Mitglieder waren Wong Tuck Cheong (Malaysia), Lim Sung-min (Südkorea) und Dr. Sonja Hegasy (Deutschland).

Der NETPAC-Preis 2006 geht an "Dear Pyongyang", der ein wenig bekanntes Kapitel asiatischer Geschichte und Politik untersucht. Er wirft einen aufrichtigen und unerschrockenen Blick auf ein Familienleben mit einem Vater, der überzeugter Marxist ist. Dabei zeigt er das Dilemma, in einer marxistischen Familie aufzuwachsen, die gleichzeitig kapitalistische Werte hochhält. Der Film gibt Antwort auf die ewige Frage, warum Menschen totalitären Ideologien anhängen und wie sie damit leben. Dieser Dokumentarfilm verflechtet auf außergewöhnlich geschickte Art eine tragische private Geschichte mit der nationalen Geschichte. Er zeigt, wie Menschen um jeden Preis an ihren Vorstellungen festhalten.