La veduta luminosa

The Luminous View
Fabrizio Ferraro
Italien, Spanien 2021

88 Min. Italienisch, Englisch.

Spinnennetz und Fliegenauge, erzählt Herr Emmer in einem lichten Moment, seien auf perfekte Weise abgestimmt. Die Fäden des Netzes seien so gesponnen, dass sie dem Facettenauge unsichtbar blieben. In ihr Unheil fliegt die Fliege, ohne es zu ahnen.

La veduta luminosa hat selbst etwas von einem Netz, in das man sich einwickeln lässt, wenn auch nicht blind wie die Fliege, sondern becirct von den Bildern aus weichgezeichneten und scharf gestellten Flächen, aus Verschwommenem und Schimmerndem. Dabei lässt sich früh ahnen, dass hier eine Figur agiert, die ihre besten Tage hinter sich hat: der genialische Künstler, der sich den Konventionen menschlichen Miteinanders entzieht. Herr Emmer heißt er, und seine Assistentin wird um ihre Rolle nicht beneidet. Im Auto sind die beiden unterwegs nach Tübingen. Dort wartet ein Filmprojekt zum deutschen Dichter Hölderlin, der dem Wahnsinn anheimfiel und trotzdem weiterschrieb. Im Weg stehen die Alpen, der Wald und Herr Emmers Allgemeinzustand.

So wird die Fahrt zum Irrgang, und die Augen sehen je nach Lichteinfall ein Requiem auf das Modell der genialischen Künstlerpersönlichkeit oder dessen Vivisektion. (Cristina Nord)

Fabrizio Ferraro, geboren 1974 in Rom, Italien. Er hat seit 2006 zwölf Dokumentar- und Spielfilme gedreht, von denen viele auf den großen europäischen Festivals gezeigt wurden, zuletzt Gli Indesiderati d’Europa (2018) und Checkpoint Berlin (2020).

Produktion Marta Reggio, Fabrizio Ferraro, Marcello Fagiani. Produktionsfirma Boudu-Passepartout (Rom, Italien). Regie, Buch Fabrizio Ferraro. Kamera Fabrizio Ferraro. Montage Fabrizio Ferraro. Sound Design Simone Frati. Ton Simone Frati. Production Design Federica Formaggi. Kostüm Federica Formaggi. Regieassistenz Felice D'Agostino. Production Manager Fabio Fusco. Executive Producer Fabio Parente. Co-Produzent*in Luis Miñarro. Co-Produktion Eddie Saeta, Rai Cinema. Mit Alessandro Carlini, Catarina Wallenstein, Freddy Paul Grunert.

Filme

2008: Tetralogia di film-studio sull’amatorialità (4 x 60 Min.). 2009: Je suis Simone – La condition ouvrière (82 Min.). 2010: Piano sul pianeta – Malgrado tutto, coraggio Francesco! (80 Min.). 2011: Ethos (verrà presto il giorno in cui gli attori e le attrici non crederanno più che le loro maschere e i loro costumi siano essi stessi) (30 Min.), Penultimo Paesaggio (114 Min.). 2013: Quattro notti di uno straniero (90 Min.). 2015: Quando dal cielo (95 Min.). 2016: Sebastian0 (90 Min.). 2017: Colossale Sentimento (83 Min.). 2018: Gli Indesiderati d’Europa / Les Unwanted de Europa (112 Min.). 2020: Checkpoint Berlin (62 Min.).