Für ein kosmisches Kino

von Cecilia Barrionuevo und Marcelo Alderete

Cecilia Barrionuevo ist im Auswahlkomitee des Mar del Plata Film Festivals und Mitherausgeberin der Filmzeitschrift Las Naves Cine.

Marcelo Alderete ist im Auswahlkomitee des Mar del Plata Film Festivals und schreibt für die Magazine Haciendo Cine und Encerrados Afuera.

Fernando Birris ORG von 1979 kommt im diesjährigen Forum zur Wiederaufführung. Der Regisseur überließ dem Arsenal 1991 eine 35-mm-Kopie, die im Rahmen des Projekts „Living Archive“ digitalisiert wurde.

 

Desplácese hacia abajo para ver la versión española del texto.

ORG von Fernando Birri

„Es gibt Werke, die gewinnen, wenn sie nicht verstanden werden.“ – Simon Leys

Fernando Birri ist als Person recht bekannt, womöglich bekannter als seine Filme. Er war Gründer wichtiger Filmschulen in Argentinien und Kuba und nachdem er sein Studium in Italien beendet hatte, machte er Filme, die ihre Zeit prägten wie „Tire Dié” (1960) und „Los inundados” (1962). Auch wenn seine späteren Werke nie wieder die Höhe seines Frühwerks erreichten, so blieb sein Name doch immer mit dem „Neuen Lateinamerikanischen Film” verbunden. Das ist etwas, das vielen Regisseuren im Laufe der Filmgeschichte passiert: Einige erfolgreiche Titel überstrahlen den Rest ihrer Filmografie. Dennoch ist ORG (mit diesem Begriff assoziert man heute Internetdomains, seinerzeit spielte er auf die Begriffe Organ, Orgasmus und Orgie an) mehr als ein vergessener Film. Es ist ein Film, der die besten Arbeiten seines Autors übertrifft und vielleicht sogar seine Gedanken über das Kino selbst. In Birris Worten: „Es ist der einzige Film aus meinem gesamten Werk, den ich für mich selbst gemacht habe.“

Die Synopsis des Films, einer sehr eigenen Adaption von Thomas Manns „Die vertauschten Köpfe”, lässt den Wahnsinn der Handlung erahnen, (es ist eine wahre Herausforderung für die Zuschauer, der Erzählung zu folgen), aber sie ist nur eine Art Wegweiser für die zahlreichen anderen exzessiven Bestandteile, aus denen sich ORG zusammensetzt.

„Einige Jahre nach der Explosion eines Atompilzes, hilft der Schwarze Grrrr seinem Freund, dem Weissen Zohoom seine Geliebte Shuick zu erobern; ein Liebesdreieck entsteht. Einige Zeit danach befragt der eifersüchtige Zohoom eine elektronische Wahrsagerin über seine Frau und den Freund, erhält die Bestätigung seines Verdachts, und schneidet sich, völlig verzweifelt, den Kopf ab. Grrrr – der Freund, der Schwarze – tötet sich ebenfalls, als er ihn tot findet. Die Frau – Shuick – entdeckt die beiden und versucht sich eine Klippe herunterstürzen, wird aber von der elektronischen Wahrsagerin daran gehindert, die die beiden Freunde wieder zum Leben erweckt. Shuick ist wieder mit den beiden vereint, aber ihre Köpfe sind vertauscht (Einschub: versehentlich oder nicht?), und schnell kommt es zwischen den beiden Körpern zum Streit darum, wer nun die Frau bekommt. Ist der Mann sein Kopf oder sein Geschlecht? Das ist die Frage, die der Film offen lässt.“

Wie gesagt, bietet ORG noch eine Reihe weiterer bemerkenswerter Details: Die Produktion begann bereits im Jahre 1968 (das ist kein Zufall) und erstreckte sich über zehn Jahre, acht Monate und vierzehn Tage. Produzent und Protagonist ist Terence Hill (bekannt durch seine Figur Trinity, die er in Dutzenden von Spaghetti-Western verkörperte). Im Nachspann des Films sind sechs Kameraleute aufgeführt (unter ihnen einige Unbekannte, aber auch Größen der Branche wie Ugo Piccone und Mario Vulpiani). Der Film ist drei Personen gewidmet, deren Namen sowohl Spuren legen als auch Verwirrung stiften: Georges Méliès, Wilhelm Reich und Ernesto „Che“ Guevara. Er zeigt Archivmaterial von Jean-Luc Godard, Herbert Marcuse, Jonas Mekas, Glauber Rocha und Roberto Rossellini.

Auch wenn das wie ein sinnloses Delirium wirken mag, waren Fernando Birris Beweggründe sehr konkret: einen Zustand absoluter Freiheit zu erreichen, etwas machen, an das niemand glaubte, einen Film, der so frei war, dass seine einzelnen Filmrollen sogar in beliebiger Reihenfolge gezeigt werden konnten (eine Idee und eine narrative Form, die aus dem Roman „Rayuela“ von Julio Cortázar stammt) und aus dem sich das Publikum jederzeit ausklinken konnte, um etwa eine Zigarette zu rauchen oder auf die Toilette zu gehen und sich danach wieder in das Erlebnis zu stürzen. Ein experimenteller Spielfilm, dessen Umgang mit Ton und Bild äußerst originell war, fest davon überzeugt, dass Verrücktheit und Strenge Hand in Hand gehen können, ein Film, der die herkömmlichen Vorstellungen von Kamera und Schnitt über den Haufen wirft. Wie üblich in jener Zeit, wurde ORG von einem Manifest begleitet, in dem von „KoSmunismus, einem kosmischen Kommunismus, für ein kosmisches, delirierendes, proletarisches Kino“ gesprochen wurde. Kurz gesagt handelt es sich um einen Film voller Widersprüche, um das wahnsinnige, freie und egoistische Werk eines realistischen Regisseurs, der bis dahin Film als soziales Werkzeug aufgefasst hatte und jetzt die Zuschauer ermunterte, den Saal zu verlassen, wenn ihnen der Film nicht gefiel, weil, zumindest dieses Mal, das Publikum unwichtig war.

ORG bleibt bis heute ein eigenartiges Objekt und gleichzeitig ein Dokument seiner Zeit. Ein Werk, das wie ein Science-Fiction B-Picture mit Guy Debord wirkt, eine Begegnung zwischen den Prämissen seiner Zeit und einer erstaunlichen Freiheit. Nach all den Jahren ist ORG bis heute ein Geheimnis, über das immer noch viel zu sagen und zu schreiben bleibt, ein Geheimnis voller Widersprüche innerhalb der Filmgeschichte und noch mehr innerhalb der Filmografie und der Ideale seines Regisseurs. Von wie vielen Filmen kann man das schon sagen?

POR UN CINE COSMICO, DELIRANTE Y LUMPEN
ORG de Fernando Birri

“Hay obras que ganan cuando no son entendidas.” – Simon Leys

La figura de Fernando Birri es bastante conocida, incluso a veces, más que su filmografía. Fue fundador de importantes escuelas de cine en Argentina y Cuba y tras realizar sus estudios en Italia produjo films que marcaron una época, como “Tire dié” (1960) y “Los inundados” (1962). Y si bien el éxito de su obra posterior nunca estuvo a la altura de la de sus inicios, su nombre continuó asociado al llamado “Nuevo Cine Latinoamericano”. Esto es algo que suele ocurrir a no pocos directores en la historia del cine, el hecho de que ciertos títulos exitosos invisibilicen al resto de su filmografía. Sin embargo ORG (título que hoy remite a dominios de internet, pero que originalmente aludía a las palabras órgano, orgasmo y orgía) es algo más que una película olvidada. Es una película que, incluso, parece exceder la obra más célebre de su autor y quizás hasta sus ideas sobre el cine. En palabras del mismo Birri: “es la única película en mi filmografía que yo he hecho para mí mismo”.

La sinopsis del filme, una muy particular adaptación de “Las cabezas trocadas” de Thomas Mann, demuestra el delirio de su historia (desafío a los espectadores: tratar de seguir esa línea narrativa), pero esto es  solamente una especie de guía para todos los otros, muchos, excesivos, ingredientes que conforman ORG.

“Algunos años después de la explosión del hongo atómico, el negro Grr ayuda a su amigo el blanco Zohoom a conquistar a su amada Shuick; hay una triangulación. Tiempo después Zohoom, celoso, interroga a una vieja sibila electrónica sobre su mujer y el amigo, obtiene la confirmación de su sospecha y, desesperado, se corta la cabeza. Grr – el amigo, el negro –, al encontrarlo muerto, se mata también. La mujer – Shuick –, al descubrirlos, trata de lanzarse por un precipicio, pero la detiene la sibila electrónica, que le concede devolver la vida a los dos amigos. Resucitan – los hace resucitar Shuick –, mas las cabezas han sido cambiadas, trocadas (paréntesis: ¿por equivocación o no?), y nace una disputa entre los dos cuerpos para decidir con quién irá ahora la mujer: ¿el hombre es su cabeza o su sexo? Este es un poco el interrogante que deja abierta la película”.

ORG por otra parte, cuenta con una serie de detalles más que cautivantes: su realización comenzó en el año 1968 (no es esta una casualidad) y se extendió durante diez años, ocho meses y catorce días. Su productor y protagonista es Terence Hill (famoso por su personaje Trinity, a quien  interpretó en decenas de spaghetti-westerns). En su ficha técnica se encuentran seis directores de fotografía (entre ellos algunos ignotos y otros célebres como Ugo Piccone y Mario Vulpiani). Está dedicada a tres nombres que suman pistas y, a la vez, agregan confusión: Georges Melies, Wilhelm Reich y Ernesto “Che” Guevara. Entre sus imágenes se encuentran materiales de archivo con las presencias de Jean-Luc Godard, Herbert Marcuse, Jonas Mekas, Glauber Rocha y Roberto Rossellini.

Pero a pesar de que todo pueda parecer un delirio sin sentido, las motivaciones de Fernando Birri eran muy concretas, lograr un estado de libertad absoluta, hacer todo lo que le habían dicho que no se podía hacer, una película tan libre de todo, que hasta podía ser proyectada con sus rollos en diferentes órdenes (una idea y una forma narrativa proveniente de la novela “Rayuala” de Julio Cortazar) y en la cual la audiencia se podría retirar a fumar o al baño para luego volver y retomar la experiencia. Un film de ficción experimental, con ideas absolutamente originales sobre el uso del sonido, la fotografía y la creencia de que la locura y el rigor podían ir de la mano, y el desafío absoluto de ir en contra de todas las formas establecidas de rodaje y montaje. Como correspondía a la época, ORG fue acompañada por un manifestó en donde se hablaba del “coSmunismo, un comunismo cósmico, para un cine cósmico, delirante y lumpen”. En síntesis, una película llena de contradicciones, la obra delirante, libre y egoísta de un director realista que hasta ese momento había reclamado al cine como una herramienta social y ahora alentaba a los espectadores a abandonar la sala en el caso de que la película no les gustara, ya que, al menos por esta vez, la audiencia no era importante.

ORGpermanece hoy como un objeto extraño y, a la vez, como un documento de la época. Una obra que parece la cruza entre un film de ciencia ficción clase B con Guy Debord, un encuentro entre las premisas de la época y una libertad asombrosa. Después de todos estos años, ORGsigue siendo un misterio sobre el que todavía queda mucho por decir y escribir, un misterio lleno de contradicciones dentro de la historia del cine y, más aun, de la filmografía e ideales de su propio director. ¿De cuántas películas se podría decir lo mismo?