april 2018, living archive

Filmmakers’ Choice im April

Die nächste Ausgabe von Filmmakers' Choice präsentiert Jen Lui am 23. April unter dem Motto "We Have To Learn How To Enjoy The Beauty Of Life": Zu welcher Art Überlegung kann die Kombination von Schönheit und Trostlosigkeit führen? Ein Schlüssel liegt in einem Zitat aus THE SHOE (1986). Der Lehrer verlangt nach Schönheit und beharrt darauf, dass Regenbogen auch mit zerbrochenen Stiften gemalt werden können. Das Beharren auf nichtexistenter Schönheit schafft aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz genau diese. In XÉNOGÉNÈSE (1982) mäandert ein eleganter Mann inmitten von Müll. In IMAGES OF A CENTER (2005) wird mittels der bewussten Hervorhebung des Imaginären im Off die Utopie einer andersgearteten sozialen Ordnung beschworen. In YUMEN (2013) wird die zerstörte Landschaft zur finalen Bühne für umherirrende Menschen und für den 16-mm-Film, das Medium der Geister.

april 2018, living archive

Living Archive Residents: Anna Azevedo und Leandro Listorti

Im Aprilt begrüßen wir die derzeitigen Living-Archive-Stipendiat*innen im Kino Arsenal: die Filmemacherin Anna Azevedo (Rio de Janeiro) und den Filmemacher und Archivar Leandro Listorti (Buenos Aires). Am 8.4. präsentieren sie gemeinsam ein Programm mit eigenen Filmen vund aus dem Archiv des Arsenal.

Der Dokumentarfilm DREŽNICA (Brasilien 2008) von Anna Azevedo setzt sich aus Amateur-Super-8-Material aus den 70er Jahren zusammen und beschreibt eine lyrische Reise durch Bilder und Träume blinder Menschen. „Drežnica“ ist der Ort, an dem der Schnee auf das Meer trifft, an dem die Tage voller Sterne und die Nächte sonnenerfüllt sind. Nur nicht-sehend kann dieser Ort wahrgenommen werden. VACANCY (Deutschland 1998) ist der Entwurf für eine utopische Stadt, ein von seinen Bewohner*innen verlassener Ort, ein Museum, das nur von Wärtern am Leben erhalten wird. Matthias Müller verwebt in diesem Film eigene Aufnahmen mit Ausschnitten aus Amateur- und Spielfilmen, die in Brasília gedreht wurden. Leandro Listorti präsentiert das kollektive Filmprojekt SUCESOS INTERVENIDOS (Argentinien 2014). Im Pablo C. Ducrós Hicken Film Museum in Buenos Aires lagert das Archiv der „Sucesos Argentinos“, eine argentinische Wochenschau, die von 1938–72 im Vorprogramm der Kinos gezeigt wurde. Mit dem Ziel, auf die Notwendigkeit der Digitalisierung des Archivs hinzuweisen, lud das Museum Filmemacher*innen dazu ein, neue Arbeiten auf Grundlage der Wochenschauen zu produzieren. Die Living-Archive-Residency besteht seit 2011 in Kooperation mit dem Goethe-Institut.

märz 2018, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Am 22. März findet eine weitere Öffentliche Sichtung des Harun Farocki Instituts statt: Skip Norman, 1933 in Baltimore geboren und 2015 in Washington D.C. gestorben, begann als Student des ersten Jahrgangs 1966 seine Ausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er führte Regie und war an insgesamt 27 Produktionen der dffb beteiligt. Die Titel seiner Filme erzählen vom Kampf um eine afro-amerikanische Identität in einer restlos von Weißen geprägten Welt: CULTURAL NATIONALISM (1969), BLACK MAN’S VOLUNTEER ARMY OF LIBERATION (1970) oder STRANGE FRUIT (1970) nach Billie Holiday. BLUES PEOPLE (1968) adaptiert Teile des Theaterstücks „Dutchman“ seines Generationsgenossen LeRoi Jones (später Amiri Baraka). „They say, ‚I love Bessie Smith‘ and don’t even understand that Bessie Smith is saying, ‚Kiss my ass, kiss my black unruly ass.‘“ Wir zeigen die fünf Filme Skip Normans, die in den Archiven des Arsenal und der Deutschen Kinemathek zu finden sind.

februar 2018, living archive

Archive außer sich: Auftakt im Rahmen von „Think Film No. 6 - Archival Constellations“

Mit „Archive außer sich" beginnt das Arsenal – Institut für Film und Videokunst erstmalig eine langfristig angelegte Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt. Während der Berlinale werden am 22. Februar als Teil von „Think Film No. 6 – Archival Constellations“ erste Projekte präsentiert (siehe dazu weiter unten).

„Archive außer sich“ beschäftigt sich als langfristig angelegte kollaborative Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Was ist kulturelles Erbe, welche Gemeinschaften und Narrative, welche Adressaten und Vermittlungsformate leiten sich daraus ab und wie beständig sind sie? Oder: Welche noch unbekannten Archive bringt die Gegenwart hervor? Zugrunde liegt die Idee des Living Archive: Erforschung, Digitalisierung und/oder Restaurierung von Archivinhalten sind Teil einer partizipativ verstandenen künstlerischen und kuratorischen Gegenwartspraxis. Das Archiv ist ein Ort der Produktion. Aus der Diversität des Ausgangsmaterials—vollständige Filme, beschädigte oder nicht mehr rekonstruierbare Filme, ephemere Filme, Arbeitsmaterialien, Randnotizen und Objekte—sowie der jeweils spezifischen Örtlichkeit der Partner—Archive, Kinos, Festivals, Kunsträume, Universitäten, öffentlich rechtliche Fernsehsender, Datenbanken, ein ehemaliges Krematorium—stellt sich die Frage: Was ist heute ein Filmarchiv? Welche Forderungen stellt die Öffentlichkeit an Archive und welche Gegenwart und Zukunft kann aus archivarischen Konstellationen und neuen Formen der Navigation, auch spekulativ, entworfen werden?

februar 2018, living archive

Filmmakers' Choice

Die nächste Ausgabe von Filmmakers' Choice am 28.2. präsentiert die Künstlerin Eleonore de Montesquiou.

"Die Kunst des Kinos besteht darin, sich der Wahrheit der Menschen zu nähern", sagte Jean Renoir. Bei meinem Film OLGA & OLGA (2017) wollte ich gerne wissen, was für zwei Freundinnen in der Sowjetunion Feminismus, Liebe und Freiheit bedeutet hatten. In Márta Mészáros' Spielfilm ÖRÖKBEFOGADÁS (Adoption, 1974) setzen sich Frauen gegenüber ihren Eltern, Lehrern und Liebhabern durch. Der Kurzfilm HISTOIRE D’UNE FEMME (2005) von Karim Souaki dokumentiert das Leben einer alten Frau am Rande der Gesellschaft in Tunis. Alle drei Filme versuchen sich aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven den Lebensverhältnissen von Frauen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu nähern.

januar 2018, living archive

Vaginal Davis präsentiert Rising Stars, Falling Stars – Sweet 16 mm Never Been Kissed

Rising Stars, Falling Stars … Über 100 Mal hat Vaginal Davis seit 2007 im Arsenal und seit 2016 im silent green Funde aus dem Archiv vorgestellt, stets in einem anderen Kleid, singend, tanzend, Text vortragend und mit anschließenden Drinks – immer in Begleitung ihres Ko-Kurators und Pianisten Daniel Hendrickson. Am 12. Januar werden die beiden nun zum letzten Mal zu den Sternen greifen, wenn sie in der Kuppelhalle des silent green EVERY DAY’S A HOLIDAY (1937) von A. Edward Sutherland vorstellen, mit Mae West als Trickbetrügerin, Louis Armstrong als er selbst, und fünf Musketieren.