april 2019, living archive

Vaginal Davis präsentiert: Contemporary Vinegar Syndrome

Am 8. April sind unsere Archivforscherin Vaginal Davis und Daniel Hendrickson zu Gast bei b_books! b_books ist ein Buchladen, ein Verlag, eine Filmproduktion und ein Veranstaltungsort in Kreuzberg und jährlich zur Berlinale mit einem Stand im Arsenal-Foyer vertreten. Präsentiert werden zwei Filme aus Kollektivzusammenhängen. Kartemquin Films produziert seit über 50 Jahren Dokumentarfilme in Chicago: WINNIE WRIGHT, AGE 11 (1974) erzählt von einer Arbeiterfamilie, die in Gage Park, Chicago lebt. In die bislang überwiegend von Weißen bewohnte Nachbarschaft ziehen zunehmend Schwarze. Pacific Street Films wurde 1969 in Brooklyn gegründet. 1972 entstand FRAME-UP: THE IMPRISONMENT OF MARTIN SOSTRE über den puertoricanischen Besitzer eines Buchladens in Buffalo, der zu Unrecht wegen Drogenbesitz und Körperverletzung verurteilt und in Attica inhaftiert wurde.

april 2019, living archive

Filmmakers’ Choice: Alb und Traum – Estnische Filme in der Sowjetunion

Am 11. April präsentiert die zwischen Berlin und Talinn lebende Filmkünstlerin Eléonore de Montesquiou ein Programm im Rahmen unserer Reihe Filmmakers' Choice: AEG MAHA (Time Out, 1984) ist eine Animation von Priit Pärn, die von einer Katze handelt, deren Tag sich in surreale Träume verwandelt. PÔRGU (Hell, 1983) von Rein Raamat taucht in drei Stiche („Der Prediger“, „Kabarett“ und „Hölle“) des estnischen Grafikers und Malers Eduard Wiiralt aus den frühen 1930er Jahren ein. In HULLUMEELSUS (Wahnsinn, Kaljo Kiisk, 1968) sucht ein Gestapo-Offizier in einer Nervenklinik nach einem Spion. Der Film, eine Kritik am Totalitarismus, wurde verboten, das produzierende Studio Tallinnfilm aber versteckte die eingelagerten Duplikate. Heute existieren Kopien des Films in Tallinn und im Filmarchiv des Arsenal. Dank an das Eesti Filmi Instituut.

märz 2019, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Am 13.3. findet die nächste vom Harun Farocki Institut organisierte öffentliche Sichtung statt.

Der ethnographische Film war für Harun Farocki ein konstanter Bezugspunkt. Modellhaft lässt sich an ihm beobachten, wie Film und Forschung ineinandergreifen. Von den zwölf Filmen Jean Rouchs im Archiv des Arsenal zeigen wir einen der unbekannteren, FOLIE ORDINAIRE D’UNE FILLE DE CHAM. Er weicht von der klassischen ethnographischen Arbeit ab und vollzieht eine mehrfache mediale Übersetzung: "Ausgehend von dem Text eines jungen Autors aus Martinique, Julius Amédée Laou, im Theater inszeniert von Daniel Mesguish, hat Jean Rouch die Handlung in ein Hospital verlegt und ihr als ‚wissenschaftlichen‘ Rahmen die Präsentation eines Falls gegeben: Ein Psychiater namens Charcot stellt seinen Kollegen einen spektakulären Fall vor, den sie selber einer Einschätzung unterziehen können. Die Zuschauer des Films sind mit den Ärzten zusammen Zeuge dieser Vorführung." (Forumsblatt) Zuvor: Raymond Depardon und Jean Rouch filmen sich gegenseitig filmend.

märz 2019, living archive

Öffentliche Sichtung – re-selected: American Experimental

Am 10. März findet die nächste öffentliche Sichtung im Rahmen von re-selected statt, einem gemeinsamen Projekt des Arsenal und der Oberhausener Kurzfilmtage iunter dem Dach von Archive außer sich.

Karola Gramann war von 1985 bis 1989 Leiterin der Oberhausener Kurzfilmtage. Ihr Abschiedsgeschenk war eine Retrospektive „Amerikanische Avantgarde- und Experimentalfilme der 60er Jahre“, kuratiert von Alf Bold und Christine Noll Brinckmann. Gemeinsam mit Heide Schlüpmann hat sie aus den Archiven des Arsenal und der Kurzfilmtage eine „Reprise“ dieses Programms zusammengestellt, das seinerzeit wohl auch ein Statement war. Denn für Experimentalfilme musste in Oberhausen oft gekämpft werden, und wenn sie liefen, polarisierten sie wie kaum etwas anderes. Filme von Kenneth Anger, Bruce Baillie, Bruce Conner, Larry Gottheim, Standish Lawder, Marie Menken, Robert Nelson, Ron Rice, Lee Savage, Anita Thacher. Zu Gast: Karola Gramann, Heide Schlüpmann und Christine Noll Brinckmann.

märz 2019, living archive

Archive außer sich: Projekt-Webseite

Das vom Arsenal initiierte Projekt „Archive außer sich“ beschäftigt sich seit 2017 mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Aufbauend auf der Idee des Archivs als Ort der Produktion entstehen interdisziplinäre Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekte, die untersuchen, welche Gegenwart und Zukunft aus archivarischen Konstellationen entworfen werden können. Zusammen mit den Partnerinstitutionen Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Film Feld Forschung, Harun Farocki-Institut, SAVVY Contemporary, pong und dem Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ der Goethe-Universität Frankfurt gibt es nun eine gemeinsame Projekt-Website: archive-ausser-sich.de versammelt Neuigkeiten, Filmprogramme, Ausstellungen, öffentliche Sichtungen und Publikationen, die im Rahmen des Projekts entstehen.

februar 2019, living archive

Filmmakers’ Choice: Maman: Mutter-Tochter-Beziehungen revisited

„Als ich Angst hatte, meine Mutter würde sterben – eine Herausforderung, der ich mich nicht gewachsen sah: ihren Tod abzuwenden, sie nicht entschwinden zu lassen –, leistete ich einen Schwur. Würde meine Mutter diesen Morgen überleben, gelobte ich, der Sexualität für immer abzuschwören.“ (Louise Bourgeois)

Die Kuratorinnen des Programms am 18. Februar, Eva Heldmann und Katja Wiederspahn, verbindet eine tiefe Freundschaft und Arbeitsbeziehung, das gemeinsame Sehen und Diskutieren von Filmen bildete von Beginn an einen wichtigen Bezugsrahmen – in den 80er Jahren vor allem von Arbeiten lesbisch-feministischer Filmemacherinnen. Ein zentrales Anliegen war die kritische Auseinandersetzung mit der Beziehung zu den eigenen Müttern, besonders deren Erfahrungen im NS-Regime und ihr Umgang damit, bis hin zu dem von Louise Bourgeois formulierten Zusammenhang von Sexualtabu und Mutterliebe.

januar 2019, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Am 9.1. findet die nächste von Harun Farocki Institut präsentierte öffentliche Sichtung im Kino Arsenal statt.

Eliane de Latour macht Dokumentar- und Spielfilme. Sie sind Bestandteil ihrer wissenschaftlichen Arbeit als Anthropologin, die auch zu Texten und Fotografien führt. Uns interessiert diese Praxis, weil sie verspricht, die Grenzen zwischen den Disziplinen neu zu ziehen oder aufzulösen. Sie sagt, ihr Blick richte sich auf die geschlossenen Welten derjenigen, die hinter eine geografische oder soziale Grenze gestoßen wurden. CONTES ET COMPTES DE LA COUR (1992) porträtiert vier Frauen eines Marabout im Niger. Sie sind in einem Gebäudekomplex, dem „Hof“, eingeschlossen, entwickeln aber mikroökonomische Strategien, mit der Außenwelt Beziehungen einzugehen. „Durch die Zirkulation der Objekte nehmen sie weiter am sozialen Leben teil,“ sagt Latour, die sich wochenlang bei den Frauen im „Hof“ aufhielt. „Es gab keinen Unterschied zwischen den Momenten, in denen ich filmte, und jenen, in denen ich einfach nur zuhörte.“