Februar 2013, living archive

Living Archive @ Forum und Forum Expanded

Bild aus What Happenend to this City?

KYA HUA IS SHAHAR KO? (WHAT HAPPENED TO THIS CITY), 1986

Auch in diesem Jahr gibt es im Rahmen von Forum und Forum Expanded eine Reihe von Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem Living Archive Projekt stehen. Den Auftakt des diesjährigen Forum-Expanded-Programms bildet am 8. Februar eine Diskussionsveranstaltung mit Performances und Filmen aus dem Arsenal-Archiv, darunter die digitalisierte Fassung von POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967). Als Forum Special präsentiert Living Archive-Teilnehmerin Nicole Wolf die restaurierte Fassung eines Films aus dem Forumprogramm von 1988: KYA HUA IS SHAHAR KO? (WHAT HAPPENED TO THIS CITY?) von Deepa Dhanraj (Indien 1986). Am 10. und 11.2. finden zwei weitere Panels mit den Living Archive-TeilnehmerInnen Filipa César, Marcel Schwierin, Ala Younis und Florian Zeyfang statt.

8. Februar, 15 Uhr, Kino Arsenal: To Begin with the Archive
Filmperformance und Diskussion mit Living Archive-TeilnehmerInnen, dem Forum Expanded KuratorInnenenteam und dem Publikum. Special Guests: Harun Farocki und Wendelien van Oldenborgh

Jeder Film tritt, sobald er zum ersten Mal gesehen wird, in die Filmgeschichte ein. Kuratieren bedeutet Archivieren und Archivieren bedeutet Kuratieren. Beides ermöglicht Zugang zu andernfalls ungesehenen Bilderwelten. Forum Expanded und das Projekt "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" sind zwei Beispiele für Strategien die Kino als einen fortlaufenden Dialog zwischen Filmen und Zuschauern verstehen. In dieser Veranstaltung wird eine digitalisierte Fassung von POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967) gezeigt. In POR PRIMERA VEZ ist zu sehen, wie mit dem mobilen Kino Bewohnern eines abgelegenen Bergdorfs in Kuba, kurz nach dem Sieg der kubanischen Revolution 1959, zum ersten Mal ein Film vorgeführt wird: Interviews vor ihrer ersten Begegnung mit Film sowie Aufnahmen ihrer Gesichter bei der Vorführung von Charlie Chaplins Modern Times zeigen das Kino als Illusionswelt und als Mittel der Aufklärung.

8. Februar, 17.30 Uhr, Kino Arsenal: WHAT HAPPENED TO THIS CITY? 
Filmvorführung mit anschließender Diskussion

Eine film-politische Pionierarbeit von aktueller Relevanz: Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen im Jahre 1984 sind der Ausgangspunkt dieses Films mit immenser politischer Kraft, die er durch seine Vielschichtigkeit erreicht. Aufnahmen inmitten ausbrechender Gewalt stehen neben ruhigen Beobachtungen der verheerenden Konsequenzen eines Alltags im Ausnahmezustand, wodurch der Film eine respektvolle Poesie und kontemplative Ebene erreicht, die weit über eine wertvolle Reportage hinausreicht. Zum ersten Mal begegnete Nicole Wolf Deepa Dhanrajs Film KYA HUA IS SHAHAR KO? (WHAT HAPPENED TO THIS CITY?) aus dem Jahr 1986 im Rahmen ihrer Recherche zu politischem Dokumentarfilm aus Indien. Dieser Film, von dem sie immer wieder hörte, den sie aber nie zu sehen bekam (Dhanrajs eigene Kopie war in sehr schlechtem Zustand und somit nicht vorführbar) fand sich schließlich im Archiv des Arsenal. Im Rahmen des Projekts Living Archive wird KYA HUA IS SHAHAR KO? digitalisiert, restauriert und nach 27 Jahren wiederaufgeführt, ehe im Juni 2013 eine DVD mit historischem und zeitgenössischem Zusatzmaterial erscheinen soll.

Im Anschluss an die Vorführung findet ein Gespräch zwischen Nicole Wolf und der Regisseurin Deepa Dhanraj statt. Eine weitere Vorstellung des Films findet am 9. Februar um 14h im Delphi Filmpalast statt.

10. Februar, 20 Uhr, HAU 2: Por Primera Vez: Cuba's Cinematic Legacies
Filmvorführung und Panel-Diskussion

1967 werden die Bewohner eines Bergdorfs visuell alphabetisiert, Freiheitskämpfern aus Guinea-Bissau wird in den frühen 1970ern in Kuba das Filmemachen beigebracht, ein kanadischer Professor leitet einen Workshop in Havanna und trifft in einem Feld auf die Skulptur Birris. Die Filme und Gespräche dieses Programms setzten sich damit auseinander, was es heißt, in Kuba "eine Filmsprache zu lernen". Mit: Filipa César, Phil Hoffman, Claudia von Alemann, Moderation: Florain Zeyfang

Filme: POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967, 9 min) CUBA (Filipa César, Frankreich 2012, 10 min) ARTURO (Pilar Alvarez, Kuba 2012, 3 min) LESSONS IN PROCESS (Phil Hoffman, Kanada/Kuba 2012, 30 min) sowie Ausschnitte aus Filmen aus dem Filmarchiv Guinea-Bissau

11. Februar, 12 Uhr, Kunstgewerbemuseum: Moving in formation
Panel-Diskussion

Wie ist der soziale Körper choreographiert? Was macht die Verbindung zwischen Subjekt und Kollektiv aus? Wenn Geschichte die Vorstellung der Vergangenheit ist, so wie sie in und von der Gegenwart aufgefasst wird, welche Rolle spielt dann Geschichtsschreibung und -konstruktion? Wie werden Körper von der Geschichte und deren Wiederaufführung konstruiert? Wie inszeniert Ideologie den öffentlichen Raum und den Körper der Masse in diesem Raum? Ala Younis' TIN SOLDIER Projekt, Marta Popivodas Film YUGOSLAVIA – HOW IDEOLOGY MOVED OUR COLLECTIVE BODY sowie das Buch PUBLIC SPHERE BY PERFORMANCE und Sandy Amerios Film DRAGOONED dienen als Beispiele um diese Fragen zu diskutieren. Mit: Ala Younis (ehemalige Stipendiatin des Goethe-Instituts und Teilnehmerin von Living Archive), Sandy Amerio, Ana Vujanović, Marta Popivoda, Moderation: Marcel Schwierin

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