Living Archive

50 Jahre nach seiner Gründung hat der Verein Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. eine 8.000 Titel umfassende Filmsammlung vorzuweisen. Sie spiegelt ein halbes Jahrhundert internationaler Filmkunst jenseits des Mainstreams anhand der lebendigen Geschichte einer Berliner Institution, die in ihrer Struktur weltweit einzigartig ist. Die Arbeit des Arsenal steht deshalb seit Anfang 2011 im In- und Ausland verstärkt unter dem Motto "Living Archive". Dabei gehen wir davon aus, dass ein Archiv nur im Bezug auf die Praxis der Gegenwart Bedeutung haben kann.



Ein erster Schritt war die Veröffentlichung einer Online-Datenbank im Jahr 2010. Im Juni 2013 endete das auf zwei Jahre angelegte Projekt Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart. In Vorführungen, Diskussionsveranstaltungen und Performances sowie in einer Ausstellung wurden rund 300 Filme aus der Sammlung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst präsentiert. Sie waren das Ergebnis der Recherche und Projektentwicklung von 38 teilnehmenden Kuratoren, Künstlern, Filmemachern und Wissenschaftlern, sowie vier Stipendiaten aus Indien, Südafrika, Jordanien und Brasilien. Die unterschiedlichen Ansätze und Perspektiven wurden in einem umfangreichen Katalog mit Textbeiträgen von allen Projektteilnehmern veröffentlicht.

Im Juni 2013 startete das Netzwerk-Projekt Visionary Archive zum afrikanischen Kino und zu den aktuellen Herausforderungen von Filmarchiven. Partner sind das nicht-staatliche Projekt Cimatheque Kairo, das unabhängige Kino The Bioscope in Johannesburg, das Archiv des Filmemachers Gadalla Gubara in Khartum sowie das Archiv des nationalen Filminstituts von Guinea-Bissau Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual (INCA). Alle Partner des Projekts stehen vor der Frage, wie unabhängige Film- und Kinopraxis heute aussehen kann und welche Rolle dabei der Archivarbeit zukommt. Unter dem Titel "It all depends" werden dazu regelmäßig Veranstaltungen unterschiedlichen Formats im Kino Arsenal stattfinden. Im Frühjahr 2015 mündet das Projekt in ein umfassendes Abschlussprogramm in Berlin.

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut werden jährlich zwei dreimonatige Stipendien an internationale Kuratorinnen und Kuratoren vergeben, die ausgehend von den Beständen des Archivs Projekte entwickeln. Notwendige Restaurierungen und Digitalisierungen, die dabei festgestellt werden, werden nach Möglichkeit durchgeführt. Dies dient einerseits der Realisierung der Projekte, sichert gleichzeitig aber auch den Fortbestand des Archivs.