Regie
Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger
Finnland, Griechenland, Deutschland / 2025
28 Min.
/ OmeU
Originalsprache
Englisch, Französisch
Die Mehrkanal-Film- und Videoinstallation untersucht die „Bagdadbahn”, ein historisches Infrastrukturprojekt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das vom Deutschen Reich finanzierte und realisierte Vorhaben wurde zu einem strategischen Instrument imperialer Ausdehnung für den in den Kinderschuhen steckenden Finanzkapitalismus sowie für die globale Schuldenpolitik und verwickelte Deutschland in die Genozide im Osmanischen Reich und die Deportation von Minderheiten in Ostanatolien. Industries of Denial nimmt die 100-jährige Geschichte der Politik der Leugnung und die strukturelle Auslöschung minoritärer Geschichten in den Blick.
Als kartografische Installation entsteht aus auf 16-mm-Film ausbelichteten Archivfotos und essayistischen Videodokumentationen einer Reise entlang der Bahnlinie. Dieses zehnte Kapitel des Projekts nimmt Franz Werfels Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ als Ausgangspunkt, der vom bewaffneten Widerstand armenischer Dorfbewohner*innen und ihrer Rettung erzählt. Die Installation überblendet die Geschichte und die Leugnung genozidaler Politiken mit den Migrationsrouten und Museumsnarrativen der Menschen im letzten noch verbleibenden armenischen Dorf in der Türkei.
Angela Melitopoulos’ Werk umfasst Videoinstallationen, Videoessays und Klangarbeiten. Ihre Filminstallationen zu mnemonischer Politik verkörpern widerständige Subjektivitäten und postkoloniale Allianzen in historischen Kontexten von imperialistischer Gewalt, Faschismus und staatlicher Unterdrückung von Migration im 20. Jahrhundert. Ihre Arbeiten wurden international auf Festivals (unter anderem Berlinale), in Ausstellungen und Museen gezeigt. Sie promovierte in Visual Cultures an der Goldsmiths, University of London, und lehrte Medienkunst an der Royal Danish Academy of Fine Arts und der HfG Karlsruhe. Seit 2019 arbeitet sie mit Kerstin Schroedinger am Musikprojekt Zonkey.
Kerstin Schroedinger arbeitet forschungsbasiert an der Schnittstelle von Film, Klang und Performance und untersucht dabei die sozialen und politischen Strukturen zeitbasierter Medien anhand ihrer Historizität und Materialität. Derzeit ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Helsinki. Schroedingers Arbeiten wurden international in Kunstinstitutionen und auf Filmfestivals gezeigt. Seit 2019 arbeitet sie mit Melitopoulos am Musikprojekt Zonkey zusammen. Nach Rainbow’s Gravity (2014), Fugue (2015), Blueness (2016) und Songs of the Shirt (2020) ist sie nun zum fünften Mal im Programm von Forum Expanded vertreten.
Regie Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger. Buch Kerstin Schroedinger, Angela Melitopoulos. Kamera Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger. Montage Kerstin Schroedinger. Montage Angela Melitopoulos. Musik Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger. Sound Design Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger, Nicholas Bussmann. Übersetzung Alper Șen
Çiğdem Üçüncü. Produzent*innen Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger. Produktionsfirma zonkey production (Berlin, Deutschland). Mit Joséphine Gallagher, Angela Melitopoulos, Kerstin Schroedinger.
Angela Melitopoulos: 2006: Corridor X (Forum 2006). 2007: Die Sprache der Dinge / The Language of Things. 2010: Möglichkeitsraum I-V, Assemblages (Koregie Maurizio Lazzarato, Forum 2010). 2011: Deconnage (Koregie Maurizio Lazzarato). 2013: The Life of Particles (Koregie Maurizio Lazzarato, Forum Expanded 2013). 2016: The Refrain (Forum Expanded 2016). 2017: Crossings. 2021: Matri Linear B: Surfacing Earth. 2022: Matri Linear B: Revisionen / Matri Linear B: Revisions. 2026: Industries of Denial, Stage 10: From Musa Dagh to Port Saïd.
Kerstin Schroedinger: 2014: Rainbow’s Gravity (Koregie Rainbow's Gravity, Forum Expanded 2014). 2015: Fugue (Forum Expanded 2016). 2017: Bläue / Blueness (Forum Expanded 2018). 2020: The Song of the Shirt (Forum Expanded 2022). 2021: DNCB (Koregie Oliver Husain). 2026: Industries of Denial, Stage 10: From Musa Dagh to Port Saïd.
Gefördert durch:
