In LOVE YOUR NAILS! wird das Archiv nicht bewahrt, sondern von Beginn an neu organisiert. Historisches Material wird umgestellt, Perspektiven werden verschoben, gesellschaftlich zugeschriebene Rollen von Frauen und Männern bewusst vertauscht. So legt der Film offen, dass das Archiv kein neutraler Speicher ist, sondern bestehende Blickordnungen und Machtverhältnisse reproduziert.
Zwischen Archiv, Fiktion und poetischer Erzählung entsteht ein filmischer Raum, in dem Leerstellen der Geschichtsschreibung sichtbar werden und marginalisierte Stimmen eine neue Präsenz erhalten.
Experimentelle KI fungiert dabei als zentrales Werkzeug, nicht zur Reproduktion des Realen, sondern zur Erzeugung einer präzisen, nicht-realen Visualisierung. Diese Bilder ersetzen nichts Dokumentiertes, sondern machen das sichtbar, was nie aufgezeichnet wurde: das kulturell Gedachte, das Vorstellbare.
Wie Alexander Kluge formuliert: „Der Film offenbart die materielle Realität, das Gegebene. Das KI-Bild offenbart das Kollektivbild, das Imaginäre. Es zeigt nicht, wie die Welt ist, sondern wie unsere kulturellen Daten sie denken.“
Narges Kalhor