Zum Beispiel in meinem ersten Kurzfilm TALÁLKOZÁS treffen sich eine echte Krankenschwester aus einem echten Krankenhaus mit dem Schriftsteller Ivan Mándy, der in der männlichen Hauptrolle einen Schriftsteller spielt, über eine Kontaktanzeige. Sie verbringen einen Tag miteinander und kommen am Ende nicht zusammen. Das ist die Geschichte. Aber zu dieser Zeit war Ivan Junggeselle und Schriftsteller und konnte sich sehr gut in die Situation einfühlen. Die Krankenschwester war die Betreuerin und letzte Geliebte des berühmten Theaterregisseurs Endre Gellért. Also zwei Personen, die in eine vorgegebene Situation geschickt wurden. Die einzige Vorgabe war, dass sich die beiden über eine Kontaktanzeige in einem Park treffen, einen Kaffee trinken und dann ins Kinogehen. Aber die Orte waren reale Orte und Situationen. - Z.B. lief in dem Kino, das die beiden besuchen sollten, Le bossu (Ritter der Nacht, Frankreich 1959) mit Jean Marais. Die Tatsache, dass ein französischer Film zu sehen war, war ein Ereignis in der Stadt. Unglaublich viele Menschen wollten diesen Film sehen. Die Kinokarten wurden sogar auf dem Schwarzmarkt verkauft. Und ich schickte die beiden also in die Menge. Und Ivan probierte auch in der Menschenmenge Kinokarten zu erstehen, aber es gelang ihm nicht. Und so unglücklich endet auch der ganze Abend. Am Ende verabschieden sie sich und sagen nichts, aber man spürt, dass es nicht geklappt hat. Von Anfang an habe ich versucht, die Realität glaubhaft zu machen, indem ich die konstruierte Geschichte in einem realen Rahmen filmen ließ. Es war mir auch sehr wichtig, dass man den O-Ton der Schauspieler aufzeichnete und nichts nachträglich synchronisierte.
Die Realität ist oft surreal. Eine Insel auf trockenem Land, Interview geführt und bearbeitet von Sabine Schöbel, in: Frauen und Film, Nr. 68, Aufbruch.Regisseurinnen der 60er Jahre (2016), S. 85-98.
My very first film – the short TALÁLKOZÁS (1963) – was banned for being sad and for being done in a very dilettante way, according to the views; for professional views, too. […] The whole class I attended college with said it was rubbish, it’s idiocy. Except for one person, Miklós Jancsó. He came and said I should pay no attention to anyone, that it was outstanding. He had seen the footage and said, „I’ll join you in the editing room and help you cut it.“ He’s even credited as if he was the editor, which is not true. But we sat together in the editing room for a week and he put hope into me.
aus: Judit Elek – The Lady from Budapest, International Film Festival Rotterdam, Rotterdam 2023, Hrsg. von Gyöngyi Fazekas, Olaf Möller, Barbara Wurm, S. 79.