november 2019, living archive

arsenal 3 im November: "Shaihu Umar"

Kino im Internet: Exklusiv für unsere Mitglieder streamen wir Restaurierungen und Digitalisierungen aus der Sammlung des Arsenal, ergänzt mit Texten, Interviews und Clips. Im November präsentieren wir den nigerianischen Spielfilm SHAIHU UMAR, 1976 von Adamu Halilu in Hausa gedreht. Dem lange als verschollen geglaubten Film liegt die gleichnamige Erzählung des späteren Ministerpräsidenten Abubakar Tafawa Balewa aus dem Jahr 1955 zugrunde. 2016 wurden Negative und Filmkopien im Archiv der Nigerian Film Corporation gefunden und vom Arsenal mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Abuja restauriert.

2019 kam SHAIHU UMAR erstmals in Nigeria zur Aufführung. Angesiedelt im Norden des Landes und am Ende des 19. Jahrhunderts erzählt der Film von Umar, der nach dem Tod des Vaters von seiner Mutter getrennt wurde. Auf seinem von Sklaverei geprägten Leidensweg durchläuft er mehrere Prüfungen, bis er adoptiert wird. Er besucht die Koranschule und wird als Erwachsener zum Iman ernannt.

november 2019, living archive

Das Harun Farocki Institut präsentiert

Politische Systemwechsel produzieren Bilder, Wörter und Töne. Nicht nur die „Währungsunion“ bzw. „Deutsche Einheit“ im Jahr 1990, sondern auch die Finanzkrise von 2001 in Argentinien markieren systemische Einschnitte auf makro-politischer Ebene, in denen die regulierende Rolle des Staates von den Mechanismen des deregulierten Marktes abgelöst wird.

Am 20. November präsentiert Das Harun Farocki Institut zum einen Farockis HARD SELLING, Gespräche eines Adidas-Handelsreisenden in Brandenburg 1990, die den Übergang der DDR in ein markt-kapitalistisches System anhand von Artikeln für Sport und Freizeit beschreiben; zum anderen Materialien von Alice Creischer und Andreas Siekmann, die aus ihrem Aufenthalt in Buenos Aires um 2001 stammen. Sie zeigen Proteste, welche die Finanzkrise in Argentinien begleiteten. Während hier ein Staat verschwindet, wird dort die Wirtschaft de-nationalisiert. Visuelle Strategien stehen dabei im Spannungsverhältnis mit Systemkrisen und unvollendeten Protesten. Zu Gast: A. Creischer und A. Siekmann

oktober 2019, living archive

Neues aus Nigeria

Im Rahmen des Forschungsprojekts Archive außer sich, das sich mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven beschäftigt, kooperiert das Arsenal seit 2016 mit dem Studiengang "Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation" der Goethe-Universität Frankfurt und seit 2017 mit der Nigerian Film Corporation. Aus dem Projekt ist nun ein neuer Studiengang entstanden: Ab diesem Wintersemester bietet die University of Jos gemeinsam mit der Nigerian Film Corporation, zu der das National Film Institute und das National Film, Video and Sound Archive gehören, den ersten Masterstudiengang für Filmarchivierung und Filmkultur in Afrika an. 25 Studierende haben am 22. Oktober in Jos ihr Studium der "Film Culture & Archival Studies" aufgenommen.

In Lagos eröffnet Didi Cheeka unterdessen am 25.10. das "Decasia – Berlin-Lagos Archival Film Festival", organisiert von der NFC und der Lagos Film Society in Zusammenarbeit mit dem Arsenal und der Goethe-Universität. Präsentiert werden Digitalisierungen und Archivprojekte, u.a. die Premiere von SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, 1976). Das Festival ist der Beginn einer Serie von Archivfestivals in Lagos, Berlin und an anderen Orten.

oktober 2019, living archive

Filmmakers’ Choice: DDR – ohne Titel & WOEST – ohne Titel

Die nächste Ausgabe unserer Reihe Filmmakers' Choice präsentiert Clarissa Thieme am 14. Oktober: Die Filme von „DDR – ohne Titel“ und „WOEST – ohne Titel“ beziehen sich auf den Umbruch von 1989. Sie sprechen von unterschiedlichen geografischen und zeitlichen Standpunkten aus, wie auch die Länderangaben der Filme anzeigen. Die ersten, im „heißen“ Herbst vor dem Fall der Mauer in der DDR gedreht, sind filmische Annäherungen an einen gesellschaftlichen Umbruch, in dessen Zentrum sich die Filmemacher*innen selbst befinden. LEIPZIG IM HERBST (DDR 1989) sowie IN BERLIN 16.10.–04.11.89 (DDR 1989) sind Materialsammlungen, die die Suche nach Orientierung in einem nicht mehr verstehbaren gesellschaftlichen Zusammenhang dokumentieren. „WOEST – ohne Titel“ vereint, zeitlich wie geografisch, den Blick von außen auf diesen Umbruch. DDR – OHNE TITEL (Deutschland 1991), FORMER EAST / FORMER WEST (USA 1994) sowie DIE DDR HAT ES NIE GEGEBEN / APPELL (Deutschalnd 2016) sind Geisterfahrten – durch die DDR, die wie ein Phantom noch erscheint, aber aufgehört hat zu existieren, und durch ein neues Deutschland, dessen man sich unsicher ist.

oktober 2019, living archive

Öffentliche Sichtung: A-Clips

A-Clip war ein Projekt (1997–2003), das von der Grundidee ausging, die Aufmerksamkeit des Kinopublikums für die Platzierung politischer und subjektiv-künstlerischer Aussagen zu nutzen. Dafür wurden Kurzfilme produziert, die sich an der Werbefilmästhetik orientierten, sie aufgriffen, persiflierten oder brachen, und die sich mit dem Thema der „inneren Verunsicherung“ auseinandersetzten, die Menschen erfasst und zur Entsolidarisierung führt. Die einzelnen A-Clips, jeweils ca. 50 Sekunden lang, wurden in die Werbeblöcke der Kinos hineingeschnitten. Die A-Clip-Produzent*innen sind Filmemacher*innen oder Künstler*innen, die neue Wege suchten, um eine politische Öffentlichkeit herzustellen.

Die für den Einsatz der A-Clips in den Kinos hergestellten 35-mm-Kopien, die im Archiv des Arsenal verblieben, zeigen wir in einer öffentlichen Sichtung am 9. Oktober. Dabei wollen wir nicht nur den Zustand des Materials begutachten, sondern auch überprüfen, welche Wirkung die Clips heute entfalten. Einige der Produzent*innen werden anwesend sein.

september 2019, living archive

arsenal 3: Neuer Streamingbereich für Mitglieder

Kino im Netz: Mit arsenal 3 starten wir ein Pilotprojekt exklusiv für unsere Mitglieder und Fördermitglieder. Im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“ konnten wir unser Angebot restaurierter und digitalisierter Filme stark erweitern. Zugrunde liegt dabei unsere Sammlung, die seit 1963 auf rund 10.000 Filme aus dem Bereich des unabhängigen Kinos angewachsen ist. In unserem neuen Streamingbereich stellen wir daraus monatlich ein Programm vor. Texte, Interviews und ergänzende Filmmaterialien geben nicht nur Einblick in Produktions- und Rezeptionsgeschichte der Filme, sondern auch in die Geschichte der jeweiligen Kopie als Teil unserer Sammlung sowie ggf. ihrer digitalen Restaurierung.

Der erste Film, bis Ende Oktober zu sehen, ist Lana Gogoberidses RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, UdSSR/Georgien 1978), der 2016 vom Arsenal digital restauriert wurde: Die Journalistin Sofiko interviewt Frauen zu ihren Lebensbedingungen und Wünschen und bemüht sich dabei selbst um eine Balance zwischen Beruf und Privatem.

september 2019, living archive

Vaginal Davis präsentiert Contemporary Vinegar Syndrome

CVS auf dem Patio des Vollguter Gemeinschaftsgarten! In der zweiten Freiluftausgabe ihrer Serie von Performances aus dem Arsenal-Archiv gibt Vaginal Davis am 10. September – wie immer unterstützt von Daniel Hendrickson – Einblicke in das brasilianische Cinema Novo. Präsentiert werden kurze Werke des Filmemachers und Theoretikers Glauber Rocha, der als Kopf der Bewegung gilt, darunter sein Erstling, der Experimentalfilm PÁTIO (1959) sowie die Dokumentarfilme MARANHÃO 66 (1966) über die Feierlichkeiten zur Amtsübernahme des Gouverneurs José Sarney und AMAZONAS, AMAZONAS (Co-Regie mit Luiz Augusto Mendes und Fernando Duarte, 1966) über die Amazonas-Region und die dort Arbeitenden. Als Vertreterin einer späteren Generation ist auch Tata Amaral mit ihrem erfolgreichen Hip-Hop-Kurzfilm VIVER A VIDA (1992) über den Alltag eines Office-Boys-vertreten. Eintritt frei für Mitglieder, die Mitgliedschaft kann an der Abendkasse erworben werden. Im Vollguter Gemeinschaftsgarten, Neukölln (ehem. Kindl-Brauerei).

september 2019, living archive

Living Archive Residency

Diesen Monat begrüßen wir die derzeitige Living-Archive-Stipendiatin im Kino Arsenal: Carine Doumit, Cutterin und Autorin aus Beirut. Am 6. September präsentiert sie zwei Filme aus unserem Archiv: CLASSICAL PERIOD (Ted Fendt, USA 2018) und LE CAMION (Marguerite Duras, Frankreich 1977).

[– Ist das ein Film? – Es wäre ein Film gewesen. Es ist ein Film.] Hat das Zeigen, Lesen, Kopieren, Übersetzen, Nachstellen oder Kommentieren eines literarischen Texts in Filmen unweigerlich Verfilmungen zur Folge? Oder sind sie einfach Vorrichtungen, die den Vorgang des Lesens und Schreibens enthalten und möglicherweise alle Besetzungen von Zeit und Raum dazwischen – den Vorgang des Beobachtens, Zuhörens, Unterbrechens, Treibenlassens, Laufens, gegenseitigen Betrachtens oder Betrachtens derselben Landschaft, oder das unbehagliche Stehen in einem Raum, sprachlos. Dieses Programm handelt vielleicht gleichermaßen von Konversationen als auch von Stille, wie Deleuze es ausdrücken würde, dass das, über das man spricht, eigentlich unter dem liegt, was wir sehen.

august 2019, living archive

Öffentliche Sichtung re-selected: Vinegar Surprises

Die Ursache für den Zerfall von Azetat-Filmmaterial ist das „Essig-Syndrom“, ein chemischer Zersetzungsprozess, der, einmal begonnen, nicht aufzuhalten ist. Da befallene Kopien „ansteckend“ sind, werden sie isoliert und aus dem Verkehr gezogen. Auch im Archiv der Kurzfilmtage Oberhausen liegen zahlreiche Filmkopien in Quarantäne. Vier davon werden am 7. August als Überraschungsprogramm öffentlich gesichtet: CZERWONE I CZARNE von Witold Giersz, CLAY von Eliot Noyes, ČEKAJ Í NA GODOTA von Juraj Jakubisko und PANC von Sabina Pop. Im Anschluss ein Gespräch über Tragik, Witz und Schönheit vergänglicher Filmkopien mit Markus Ruff (Arsenal) und Shelly Silver, deren Filme "This Film" und "Turn" derzeit im Rahmen des Stoffwechsel-Projekts einem kontrollierten Essig-Syndrom-Befall ausgesetzt sind. re-selected ist ein Projekt der Kurzfilmtage Oberhausen mit dem Arsenal und wie Stoffwechsel Teil von Archive außer sich.

august 2019, living archive

Filmmakers’ Choice im August

Die nächste Ausgabe unserer Reihe Filmmakers' Choice präsentiert der Berliner Filmemacher Karl Heil am 12. August: Die unsichtbare Luft ist die Hauptfigur der drei ausgesuchten Kinolieder. VAYU (Air, F 1994), der vierte Teil einer Serie des indischen Malers und Regisseurs Velu Viswanadhan über die Elemente, ist ein vielschichtiges Porträt seines Landes in Bildern und Tönen, ohne Kommentar und reich an Nuancen und Metaphern. IM GARTEN (Ute Aurand, Bärbel Freund, Deutschland 2002), ein stummes Porträt über den Karl-Foerster-Garten in Potsdam-Bornim zu verschiedenen Jahreszeiten, ist keine naturalistische Wiedergabe der Flora, sondern das Erspüren des Elements, das das Leben ausmacht. SANS TITRE (Karl Heil, Deutschland 2018) choreografiert die Begegnung von Krähen und einem Schlittschuhläufer auf dem Lietzensee. Ebenfalls stumm zeigt auch er die Gemeinsamkeit von Luft und Kinematografie – die Bewegung. (Karl Heil)

juli 2019, living archive

Vaginal Davis präsentiert: Contemporary Vinegar Syndrome

Auf vielfachen Wunsch nach fünf Jahren noch einmal, diesmal im silent green MARS Garten: Otto Premingers SKIDOO! (1968) zeigt Hippietum vom Feinsten: Drogenrausch, freie Liebe, Körpermalerei. Neben Jackie Gleason und Carol Channing ist das erste Schwarze Supermodell Donyale Luna zu sehen – als Freundin von „Gott“, gespielt von Groucho Marx. Jugendrevolte in einer Mischung aus Happening, Gangsterkomödie und Musical. Wie die abgespielte Kopie des Films Eingang in die Sammlung des Arsenals finden konnte, ist weiterhin Gegenstand wilder Spekulationen – Ms. Davis hat neue Erkenntnisse, die sie am 12.7. gemeinsam mit Daniel Hendrickson präsentiert.

juli 2019, living archive

Öffentliche Sichtung: Das Harun Farocki Institut präsentiert

Fünf Jahre nach Farockis plötzlichem Tod im Juli 2014 widmen wir die Öffentliche Sichtung am 1. Juli zur Premiere um: HARUN FAROCKI – ZWEIMAL verbindet zwei unterschiedliche Perspektiven auf den Filmemacher. Die Regisseure Lothar Schuster (dffb-Jahrgang 1968) und Ingo Kratisch (dffb-Jahrgang 1969 und seit 1977 Kameramann bei zahlreichen Filmen Farockis) lassen Passagen aus einem langen Gespräch mit Farocki im Jahr 1995 mit beiläufigen Beobachtungen abwechseln, die Kratisch und Matthias Rajmann bei den Dreharbeiten zu "Die Schöpfer der Einkaufswelten", "Zum Vergleich", "Ernste Spiele" und anderen Filmen mit Fotoapparat und Videokamera aufgezeichnet haben. Zwei Gesten der Erinnerung, zweimal Trauerarbeit. Im Vorprogramm ein Fundstück aus dem Archiv des Harun Farocki Instituts: Sprechproben zu Farockis Film "Etwas wird sichtbar." Zu Gast: Ingo Kratisch und Lothar Schuster.

juni 2019, living archive

Filmmakers’ Choice: Sex, Power and Ambiguous Animals

Am 19.6. präsentieren die Berliner Filmkünstler*innen Anja Dornieden und Juan Gonzalez eine weitere Ausgabe unserer Reihe Filmmakers' Choice: "Für dieses Programm möchten wir eine Gruppe von Wesen sein, die nicht zwischen ihren Wahrnehmungsorganen unterscheiden. Für uns ist Sehen wie Hören, Hören wie Riechen und Riechen wie Schmecken. Vielleicht hindert uns jedoch die Ungewissheit der Gegenwart daran, solche Wesen zu werden. Ein möglicher Ausweg aus dieser Ungewissheit ist für uns sein Synonym: die Mehrdeutigkeit. In diesem Sinne haben wir ein Programm zusammengestellt, das einen Raum der Mehrdeutigkeit öffnet. Zusätzlich möchten wir folgende zwei Sätze aus dem Buch „When Elephants Weep. The Emotional Lives of Animals“ zitieren: „Würde eine Katze es mögen, wenn eine Maus auf ein Gestell gespannt wird? Es erscheint unwahrscheinlich, denn Mäuse in Fallen sind für Katzen nur von kurzem Interesse.“ „Stämme in Madagaskar sagen, dass Sifaka-Lemuren am Morgen mit geschlossenen Augen die Sonne anbeten.“"

juni 2019, living archive

Stoffwechsel

Film Feld Forschung hat sich zum Ziel gesetzt, die Innen- und Außenräume des denkmalgeschützten Gebäudes, in dem sich das silent green Kulturquartier befindet, zur theoretischen und praktischen Erforschung des Mediums Films zu nutzen. Eine einjährige Serie von Veranstaltungen, Workshops und Ausstellungen befasst sich mit der Materialität des Films und mit der Erde als Archiv.

Film ist ein Gedächtnismedium, doch woraus besteht sein Gedächtnis und wie bildet es sich? Wie verhält sich der Film zu seinem Trägermaterial und zur Materialität des Abgebildeten? In welchem physischen Verhältnis stehen Körper und Landschaft zum Bild und damit zum*zur Betrachter*in und seiner*ihrer Umgebung? In den Blick genommen werden u.a. die diversen Relationen, Materialien und Zeitlichkeiten in der Erde und mit der Erde, wie sie beispielsweise den Prinzipien der Permakultur zugrunde liegen. Wie kann das Spannungsfeld von Plünderung und Reparatur für die Perspektiven des bewegten Bildes, das Kino und das Verständnis von Archiven neu gedacht werden?

Unter dem Titel Contested Grounds widmen sich zwei Filmreihen im Juni im Arsenal dem Œuvre von Arthur und Corinne Cantrill sowie dem Werk des japanischen Regisseurs Shinsuke Ogawa und seinem Kollektiv Ogawa Pro.

Stoffwechsel beginnt am 30. Mai mit einer Installation filmischer Arbeiten von Arthur und Corinne Cantrill, Kerstin Schroedinger und Mareike Bernien in der Betonhalle des silent green.

Der Workshop "Under the Strawberry Sun, Organic Film Processing" von Dagie Brundert und Philip Hoffman befasst sich mit ökologisch nachhaltiger Filmentwicklung. Ihre filmischen Arbeiten sind am 31.5. und 1.6. im silent green zu sehen. Und mit SOIL – CITY – SOLIDARITY beginnt am 1.6. ein zweiwöchiger Permakultur-Kurs für städtische Räume.

juni 2019, living archive

SHAIHU UMAR

Am 12.6. präsentiert Didi Cheeka, Filmemacher und Kritiker aus Lagos SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, Nigeria 1976), ein wichtiges Werk des nigerianischen Kinos, das lange als verschollen galt. Nachdem 2016 Negative und Filmkopien im Archiv der Nigerian Film Corporation wiederentdeckt worden waren, konnten diese vom Arsenal restauriert werden. 2018 lief die restaurierte Fassung im Forum der Berlinale.

SHAIHU UMAR basiert auf der gleichnamigen Erzählung des ersten Ministerpräsidenten Nigerias, Abubakar Tafawa Balewa, angesiedelt im Norden des Landes zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der Film beginnt mit einem Gespräch zwischen Studenten des Islam und ihrem angesehenen Lehrer, Shaihu Umar. Aus einfachen Verhältnissen stammend, wird Umar nach dem Tod seines Vaters und der Verbannung seines Stiefvaters von seiner Mutter getrennt. Auf seinem nachfolgenden, von Sklaverei geprägten Leidensweg durchläuft er mehrere Prüfungen, bis er von seinem arabischen Meister Abdulkarim als Sohn adoptiert wird.

juni 2019, living archive

Öffentliche Sichtung re-selected: Zwei Filme von Jan Lindqvist

Im Rahmen des Projekts re-selcted zeigt Tobias Hering regelmäßig Filme aus dem Archiv der Kurzfilmtage Oberhausen, am 2.6. gemeinsam Martin Grennberger, Filmkurator und Mitherausgeber der schwedischen Filmzeitschrift „Walden“.

In den 60er und 70er Jahren engagierten sich viele schwedische Filmautor*innen für Befreiungsbewegungen im globalen Süden und versorgten den linken Diskurs in Westeuropa mit Gegeninformationen. Im Archiv der Kurzfilmtage Oberhausen zeugen zwei bemerkenswerte Filme von Jan Lindqvist vom Bündnis zwischen Dokumentarfilm und Partisanenkampf. TUPAMAROS (1973) analysiert Theorie und Praxis des Guerilla-Kampfes in Uruguay. AGRIPINO (1977) ist das Porträt eines indigenen peruanischen Bauern, der sich auf den langen Weg in die Hauptstadt Lima gemacht hat, um die brutale Gewalt der Landbesitzer zur Anklage zu bringen. Erst vor wenigen Wochen hat Lindqvist diesen und andere Filme in ihre Entstehungsländer „repatriiert“ und damit Fragen der Hingehörigkeit eröffnet, die auch Archive betreffen.

mai 2019, living archive

Das ganze Leben. Archive und Wirklichkeit

Archive außer sich nimmt vom 19. bis zum 25. Mai an "Das ganze Leben. Archive und Wirklichkeit" in Dresden teil. Im räumlichen Setting einer öffentlichen Archivsichtung in der Kunsthalle im Lipsiusbau sind eine Woche lang unterschiedliche Positionen aus den Bereichen bildende und darstellende Kunst, Journalismus, Tanz, Film und Theorie zu sehen, die vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Methoden und Praktiken Archivbestände befragen.

In Archiven spiegeln sich die Realitäten vergangener Zeiten – gleichzeitig prägt archiviertes Wissen die Gegenwart. Wie übersetzen Archive und ihre Objekte historische Wirklichkeiten in gegenwärtige Erzählungen? Was bedeutet dies für die Struktur von Archiven, für ihre Nutzer*innen, Technologien und Formen der Wissenserzeugung? Was können Archive für die heutige Gesellschaft leisten?

"Das ganze Leben. Archive und Wirklichkeit" versammelt Objekte, Künstler*innen, Forscher*innen und Praktiker*innen, um diese Fragen ausgehend vom Archiv der Avantgarden der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in einem einwöchigen Programm aus Archivsichtungen, öffentlichen Vorträgen und Abendveranstaltungen sowie auf einem internationalen Kongress zu diskutieren.

mai 2019, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Gemäß der Vorgabe, das Format der „öffentlichen Sichtung“ für Erstbegegnungen mit Filmen und deren Kopien im Archiv des Arsenal zu nutzen (und getreu einer kleinen Tradition zu feministischen und ethnologischen Filmen innerhalb der Reihe) zeigt das Harun Farocki Institut am 16.5. A RUSTLING OF LEAVES: INSIDE THE PHILIPPINE REVOLUTION (Nettie Wild, Kanada 1988). Die Regisseurin siedelt ihre Arbeit in komplexen politischen Konstellationen an – im Dreieck von teilnehmender Beobachtung, parteinehmendem Engagement und radikaler Ethnografie. Ihr erster längerer Film begibt sich zwischen die Fronten der philippinischen Revolution der 80er Jahre, deren Widersprüche eskalierten, als mit Corazon Aquino 1986 die erste Frau an die Macht gelangte. Der Film wurde 1989 im Forum der Berlinale gezeigt und fand weltweite Beachtung. So viel, so wenig wissen wir im Moment.

april 2019, living archive

Vaginal Davis präsentiert: Contemporary Vinegar Syndrome

Am 8. April sind unsere Archivforscherin Vaginal Davis und Daniel Hendrickson zu Gast bei b_books! b_books ist ein Buchladen, ein Verlag, eine Filmproduktion und ein Veranstaltungsort in Kreuzberg und jährlich zur Berlinale mit einem Stand im Arsenal-Foyer vertreten. Präsentiert werden zwei Filme aus Kollektivzusammenhängen. Kartemquin Films produziert seit über 50 Jahren Dokumentarfilme in Chicago: WINNIE WRIGHT, AGE 11 (1974) erzählt von einer Arbeiterfamilie, die in Gage Park, Chicago lebt. In die bislang überwiegend von Weißen bewohnte Nachbarschaft ziehen zunehmend Schwarze. Pacific Street Films wurde 1969 in Brooklyn gegründet. 1972 entstand FRAME-UP: THE IMPRISONMENT OF MARTIN SOSTRE über den puertoricanischen Besitzer eines Buchladens in Buffalo, der zu Unrecht wegen Drogenbesitz und Körperverletzung verurteilt und in Attica inhaftiert wurde.

april 2019, living archive

Filmmakers’ Choice: Alb und Traum – Estnische Filme in der Sowjetunion

Am 11. April präsentiert die zwischen Berlin und Talinn lebende Filmkünstlerin Eléonore de Montesquiou ein Programm im Rahmen unserer Reihe Filmmakers' Choice: AEG MAHA (Time Out, 1984) ist eine Animation von Priit Pärn, die von einer Katze handelt, deren Tag sich in surreale Träume verwandelt. PÔRGU (Hell, 1983) von Rein Raamat taucht in drei Stiche („Der Prediger“, „Kabarett“ und „Hölle“) des estnischen Grafikers und Malers Eduard Wiiralt aus den frühen 1930er Jahren ein. In HULLUMEELSUS (Wahnsinn, Kaljo Kiisk, 1968) sucht ein Gestapo-Offizier in einer Nervenklinik nach einem Spion. Der Film, eine Kritik am Totalitarismus, wurde verboten, das produzierende Studio Tallinnfilm aber versteckte die eingelagerten Duplikate. Heute existieren Kopien des Films in Tallinn und im Filmarchiv des Arsenal. Dank an das Eesti Filmi Instituut.

märz 2019, living archive

Archive außer sich: Projekt-Webseite

Das vom Arsenal initiierte Projekt „Archive außer sich“ beschäftigt sich seit 2017 mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Aufbauend auf der Idee des Archivs als Ort der Produktion entstehen interdisziplinäre Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekte, die untersuchen, welche Gegenwart und Zukunft aus archivarischen Konstellationen entworfen werden können. Zusammen mit den Partnerinstitutionen Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Film Feld Forschung, Harun Farocki-Institut, SAVVY Contemporary, pong und dem Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ der Goethe-Universität Frankfurt gibt es nun eine gemeinsame Projekt-Website: archive-ausser-sich.de versammelt Neuigkeiten, Filmprogramme, Ausstellungen, öffentliche Sichtungen und Publikationen, die im Rahmen des Projekts entstehen.