januar 2019, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Am 9.1. findet die nächste von Harun Farocki Institut präsentierte öffentliche Sichtung im Kino Arsenal statt.

Eliane de Latour macht Dokumentar- und Spielfilme. Sie sind Bestandteil ihrer wissenschaftlichen Arbeit als Anthropologin, die auch zu Texten und Fotografien führt. Uns interessiert diese Praxis, weil sie verspricht, die Grenzen zwischen den Disziplinen neu zu ziehen oder aufzulösen. Sie sagt, ihr Blick richte sich auf die geschlossenen Welten derjenigen, die hinter eine geografische oder soziale Grenze gestoßen wurden. CONTES ET COMPTES DE LA COUR (1992) porträtiert vier Frauen eines Marabout im Niger. Sie sind in einem Gebäudekomplex, dem „Hof“, eingeschlossen, entwickeln aber mikroökonomische Strategien, mit der Außenwelt Beziehungen einzugehen. „Durch die Zirkulation der Objekte nehmen sie weiter am sozialen Leben teil,“ sagt Latour, die sich wochenlang bei den Frauen im „Hof“ aufhielt. „Es gab keinen Unterschied zwischen den Momenten, in denen ich filmte, und jenen, in denen ich einfach nur zuhörte.“

dezember 2018, living archive

Filmmakers’ Choice im Dezember

Von Eltern und Geflechten. Vom Blick zurück und von der Gegenwart. 21.12. – Le jour le plus court – der Tag des kurzen Films und drei Tage vor Weihnachten. Die Frage nach den Eltern darf gestellt werden. Wo sind sie, waren sie, werden sie sein. Wie viel Widerwort ist erlaubt und gewünscht, überhaupt möglich. Wie viel Begegnung machbar. Das Programm erzählt von An- und Abwesenheiten, von großer Sehnsucht und radikalen Schnitten. Ingmar Bergman, mit neun Kindern im Rücken und der Aussage, dass er nicht der Familientyp sei, hat von seiner Sehnsucht nach Begegnung so geschrieben: „I have a prayer that I repeat to myself in absolute stillness: May a wind come to stir up the ocean and the stifling twilight. May a bird come from water out there and explode the silence with its call.“ Der Ruf nach Alltag von der Insel! Präsentiert von Maike Mia Höhne.

dezember 2018, living archive

Vaginal Davis presents Contemporary Vinegar Syndrome followed by Late Night Fermentation Salon by Wu Tsang

„Unklar, ob die Sehnsucht nach einer weißen Weihnacht nun ernst genommen wird, oder ob sie denunziert werden soll“ (Harun Farocki): Am 16.12. präsentieren Vaginal Davis und Daniel Hendrickson den agitatorischem Kurzfilm WHITE CHRISTMAS (BRD 1968) im Doppelprogramm mit Michael Curtiz’ gleichnamigem Musical (USA 1954). Während Farocki Bing Crosbys süßliches Weihnachtslied White Christmas mit Aufnahmen des Vietnamkriegs konterkariert, erzählt Michael Curtiz’ Klassiker die Geschichte zweier ehemaliger Kriegskameraden, mittlerweile ein erfolgreiches Broadway-Duo, die ihrem früheren General aus der Patsche helfen müssen: Dessen Hotel ist chronisch unterbucht – eine Christmas-Show soll das Geschäft wieder ankurbeln.

Das Besondere: Contemporary Vinegar Syndrome findet diesmal im Gropius Bau auf Einladung von Wu Tsang, In House: Artist in Residence 2018 statt! Nach dem Kino empfangen Wu Tsang und Liz Rosenfeld zu ihrem Late Night Fermentation Salon mit Cocktails und Köstlichkeiten. Wie immer freuen wir uns auf Mitglieder des Arsenal-Freundeskreises und solche, die es vielleicht mal werden wollen.

november 2018, living archive

Öffentliche Sichtung – Das Harun Farocki Institut präsentiert

Für die nächste öffentliche Sichtung am 1. November hat Ali Hussein Al Adawy, derzeit Harun-Farocki-Residency-Fellow, LE CHARBONNIER/EL-FAHAM (Der Köhler, Algerien 1972) von Mohamed Bouamari (1941–2006) ausgewählt. „Belkacem, ehemaliger Widerstandskämpfer für die ALN (Armée de Libération Nationale, der militärische Arm der Nationalen Befreiungsfront Algeriens), arbeitet als Köhler und lebt einen täglichen Kampf mit der Natur. Er verwandelt Holz zu Kohle und versucht, sie auf den großen Märkten der Dörfer zu verkaufen, um mit seiner Familie, seiner Frau und seinen zwei Kindern überleben zu können. Nach der Einführung der Energieversorgung mit Gas verliert er seine Arbeit und zieht in die Hauptstadt, um dort nach Beschäftigung zu suchen. Als diese Versuche erfolglos bleiben, kehrt er geschlagen in sein Dorf zurück und findet dort seine Frau auf der anderen Seite vor: Ihren Traum von Unabhängigkeit verfolgend, hat sie inzwischen in der Textilfabrik zu arbeiten begonnen.“ (Ali Al Adawy)