januar 2020, living archive

arsenal 3 im Januar: "Ghashiram Kotwal"

Von Beginn an hat das Berlinale Forum sich bemüht, untertitelte Kopien der Festivalbeiträge herzustellen. Viele Filme haben so im Arsenal überlebt, darunter GHASHIRAM KOTWAL (Indien 1977). Produziert hat ihn die Yukt-Filmkooperative unter der Regie von K. Hariharan und Mani Kaul, basierend auf dem Theaterstück von Vijay Tendulkar. Die zugrunde liegende Biografie des Ministers Nana Phadnavis (1741–1800) beschreibt Entwicklung und Fall des Peshwa-Regimes in West-Indien vor dem Hintergrund einer Politik von Intrigen und Korruption während der wachsenden kolonialen Bedrohung. Um seine Macht abzusichern, ernennt Nana Ghashiram zum Polizei- und Spionagechef. Nachdem er einst Unrecht erfahren und Rache geschworen hat, beginnt dieser, willkürlich Macht gegen die brahmanische Bevölkerung auszuüben. Der Film entwickelt seine experimentelle Ästhetik aus der Beschäftigung mit fiktionaler und dokumentarischer Praxis in Theater und Film.

arsenal 3 ist eine Streaming-Plattform für unsere Mitglieder.

dezember 2019, living archive

Filmmakers’ Choice am 21.12. – Kurzfilme!

Am 21.12. wie gewohnt präsentiert von Maike Mia Höhne: "Der kürzeste Tag des Jahres – der Internationale Kurzfilmtag. Die Entfernung zum Sommer ist die größtmögliche. Ich hatte Lust, von den Filmen selber nichts zu wissen, wohl aber die Filmemacher*innen zu kennen. Ausgehend von den Synopsen der Filme oder auch nur von dem Titel – ein Programm zu Fragen von Autonomie und Radien von Bewegungen. Von Freiheit und Kampf. Filme über Kollektive, Courtney Love, Kathrin Power, Mary Mac Lane. Subversive, hybride, medienpolitische Strategien werden angewendet, um notwendige Veränderungen einzuleiten, zu begleiten. Drei Frauen in Berlin bauen einen Radiostörsender, um darauf aufmerksam zu machen, wie über Frauen gesprochen wird. Die wichtigste Gewerkschaftsgründungsphase von Frauen in Indien wird vom Kollektiv Yugatar begleitet. Wie geht die neue Utopie, wenn die Utopie gescheitert ist, fragt Liza Johnson. Gespiegelt werden die Frauen von den subjektiven Blicken auf das ganz Eigene, den Körper und die Lust. Wie dem Vergessen Frau werden, wie der Wiederholung die rote Karte zeigen."

dezember 2019, living archive

Vaginal Davis: Weihnachtsspecial

Für ihr Weihnachtsspecial kehren die Archivar*innen Vaginal Davis und Daniel Hendrickson, die sonst an verschiedenen Orten der Stadt dem Contemporary Vinegar Syndrome auf der Spur sind, am 18.12. zurück ins Arsenal. Präsentiert wird DIVA von Jean-Jacques Beineix, der Kultfilm aus dem Jahr 1981. Jules ist Postbote, Opernliebhaber und ein Fan der weltberühmten Diva Cynthia Hawkins. Während eines Konzerts der Sängerin fertigt er heimlich einen Mitschnitt an. Durch eine Verwechslung des Bands gerät er in unerwartete Schwierigkeiten. „DIVA ist ohne Zweifel einer der wichtigsten europäischen Filme der frühen achtziger Jahre: Stilistisch ausgefeilt bis manieriert, katapultierte der Thriller voller Zitate und Querverweise den französischen Film in die Gegenwart und fügte Märchenhaftes, Film-Noir-Referenzen und die neonblaue Pop-Ästhetik des New Wave zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, das Maßstäbe setzte.“ (J. Kurz)

Freier Eintritt für Mitglieder, die Mitgliedschaft kann an der Kasse erworben werden.

dezember 2019, living archive

re-selected: Amos Vogel Korrespondenz

Begonnen hat eine Recherche zu Amos Vogel und seiner Verbindung zu den Kurzfilmtagen Oberhausen. In den 60er Jahren prägte der New Yorker Filmkurator und Publizist das Festival als Jurymitglied, Korrespondent und Verantwortlicher für die USA-Filmauswahl. Vogels Briefe und Filmnotizen legen auch nahe, dass Oberhausen wiederum eine Fundgrube für seine Arbeit in New York war.

Am 3. Dezember zeigen wir ein Programm, das fünf "junge deutsche" Filme versammelt, für die er sich seinerzeit begeisterte: Filme von Wolf Hart, Wolfgang Ramsbott & Harry Kramer, Werner Königs und Lucas Maria Böhmer, in denen Vogel etwas Neues entstehen sah, die heute aber nur noch selten zu sehen sind. Außerdem: Dan Drasins legendäre Doku SUNDAY (Oberhausen-Preisträger ’62) über das Vorgehen der New Yorker Polizei gegen die Folk Music-Szene am Washington Square Park, also vor Vogels Haustür. Alle Filme werden als analoge Kopien gezeigt.

re-selected ist ein Projekt der Kurzfilmtage Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem Arsenal im Rahmen von Archive außer sich.

dezember 2019, living archive

arsenal 3 im Dezember: Kurzfilme der Sudanese Film Group

Bild aus JAGDPARTIE

Kino im Internet: Exklusiv für unsere Mitglieder streamen wir Restaurierungen und Digitalisierungen aus der Sammlung des Arsenal, ergänzt mit Texten, Interviews und Clips. Im Dezember präsentieren wir Kurzfilme der Sudanese Film Group. In den späten 70er und frühen 80er Jahren gab eine Gruppe von Filmemachern, die in der Filmabteilung des Kulturministeriums arbeiteten, das Magazin CINEMA heraus. Im April 1989 gründeten sie die Sudanese Film Group (SFG), um unabhängiger vom Staat agieren zu können. Am 30. Juni 1989 beendete der Putsch, der ein Misstrauen gegenüber allen Formen der Kunst mit sich brachte, jegliche kulturelle Bestrebungen. Alle zivilgesellschaftlichen Organisationen wurden verboten. Erst im Jahr 2005 konnte sich die SFG erneut registrieren. Das Arsenal ließ 2018 sieben Werke dieser Filmemacher digital restaurieren, darunter DIE JAGDPARTIE von Ibrahim Shaddad, den er 1964 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg drehte.

november 2019, living archive

arsenal 3 im November: "Shaihu Umar"

Kino im Internet: Exklusiv für unsere Mitglieder streamen wir Restaurierungen und Digitalisierungen aus der Sammlung des Arsenal, ergänzt mit Texten, Interviews und Clips. Im November präsentieren wir den nigerianischen Spielfilm SHAIHU UMAR, 1976 von Adamu Halilu in Hausa gedreht. Dem lange als verschollen geglaubten Film liegt die gleichnamige Erzählung des späteren Ministerpräsidenten Abubakar Tafawa Balewa aus dem Jahr 1955 zugrunde. 2016 wurden Negative und Filmkopien im Archiv der Nigerian Film Corporation gefunden und vom Arsenal mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Abuja restauriert.

2019 kam SHAIHU UMAR erstmals in Nigeria zur Aufführung. Angesiedelt im Norden des Landes und am Ende des 19. Jahrhunderts erzählt der Film von Umar, der nach dem Tod des Vaters von seiner Mutter getrennt wurde. Auf seinem von Sklaverei geprägten Leidensweg durchläuft er mehrere Prüfungen, bis er adoptiert wird. Er besucht die Koranschule und wird als Erwachsener zum Iman ernannt.

november 2019, living archive

Das Harun Farocki Institut präsentiert

Politische Systemwechsel produzieren Bilder, Wörter und Töne. Nicht nur die „Währungsunion“ bzw. „Deutsche Einheit“ im Jahr 1990, sondern auch die Finanzkrise von 2001 in Argentinien markieren systemische Einschnitte auf makro-politischer Ebene, in denen die regulierende Rolle des Staates von den Mechanismen des deregulierten Marktes abgelöst wird.

Am 20. November präsentiert Das Harun Farocki Institut zum einen Farockis HARD SELLING, Gespräche eines Adidas-Handelsreisenden in Brandenburg 1990, die den Übergang der DDR in ein markt-kapitalistisches System anhand von Artikeln für Sport und Freizeit beschreiben; zum anderen Materialien von Alice Creischer und Andreas Siekmann, die aus ihrem Aufenthalt in Buenos Aires um 2001 stammen. Sie zeigen Proteste, welche die Finanzkrise in Argentinien begleiteten. Während hier ein Staat verschwindet, wird dort die Wirtschaft de-nationalisiert. Visuelle Strategien stehen dabei im Spannungsverhältnis mit Systemkrisen und unvollendeten Protesten. Zu Gast: A. Creischer und A. Siekmann

november 2019, living archive

Das Arsenal ist assoziiertes Mitglied der FIAF

Das Komitee der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) hat im November entschieden, das Arsenal – Institut für Film und Videokunst als assoziiertes Mitglied aufzunehmen. Die FIAF ist eine Vereinigung von internationalen Filmarchiven, deren Mitglieder sich dem Erhalt, der Sammlung, Restaurierung und Verbreitung von Film verpflichten.

Für die Arbeit des Arsenals ist die Mitgliedschaft in der FIAF von großer Bedeutung, um sein internationales Netzwerk weiter ausbauen zu können, sich mit FIAF-Mitgliedsinstitutionen über den Erhalt und die Restaurierung von Filmen auszutauschen und an zeitgenössischen Archivdiskursen zu partizipieren.

Durch Archivprojekte des Arsenals wie „Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart“ (2011–2013) oder aktuell „Archive außer sich“, das im Rahmen des HKW-Projekts „Das neue Alphabet“ stattfindet, hat sich in den letzten Jahren ein intensiver Austausch mit nationalen und internationalen Filmarchiven entwickelt, aus denen weiterführende wissenschaftliche, kuratorische und künstlerische Projekte hervorgegangen sind. Im Zentrum steht aktuell die Zusammenarbeit mit Archiven in Afrika und arabischen Ländern, oder mit FIAF-Mitgliedsinstitutionen wie dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum (Frankfurt am Main), dem Österreichischen Filmmuseum (Wien), dem National Film Archive (Pune, Indien) oder dem National Film, Video and Sound Archive (Jos, Nigeria).

oktober 2019, living archive

Neues aus Nigeria

Im Rahmen des Forschungsprojekts Archive außer sich, das sich mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven beschäftigt, kooperiert das Arsenal seit 2016 mit dem Studiengang "Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation" der Goethe-Universität Frankfurt und seit 2017 mit der Nigerian Film Corporation. Aus dem Projekt ist nun ein neuer Studiengang entstanden: Ab diesem Wintersemester bietet die University of Jos gemeinsam mit der Nigerian Film Corporation, zu der das National Film Institute und das National Film, Video and Sound Archive gehören, den ersten Masterstudiengang für Filmarchivierung und Filmkultur in Afrika an. 25 Studierende haben am 22. Oktober in Jos ihr Studium der "Film Culture & Archival Studies" aufgenommen.

In Lagos eröffnet Didi Cheeka unterdessen am 25.10. das "Decasia – Berlin-Lagos Archival Film Festival", organisiert von der NFC und der Lagos Film Society in Zusammenarbeit mit dem Arsenal und der Goethe-Universität. Präsentiert werden Digitalisierungen und Archivprojekte, u.a. die Premiere von SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, 1976). Das Festival ist der Beginn einer Serie von Archivfestivals in Lagos, Berlin und an anderen Orten.

oktober 2019, living archive

Öffentliche Sichtung: A-Clips

A-Clip war ein Projekt (1997–2003), das von der Grundidee ausging, die Aufmerksamkeit des Kinopublikums für die Platzierung politischer und subjektiv-künstlerischer Aussagen zu nutzen. Dafür wurden Kurzfilme produziert, die sich an der Werbefilmästhetik orientierten, sie aufgriffen, persiflierten oder brachen, und die sich mit dem Thema der „inneren Verunsicherung“ auseinandersetzten, die Menschen erfasst und zur Entsolidarisierung führt. Die einzelnen A-Clips, jeweils ca. 50 Sekunden lang, wurden in die Werbeblöcke der Kinos hineingeschnitten. Die A-Clip-Produzent*innen sind Filmemacher*innen oder Künstler*innen, die neue Wege suchten, um eine politische Öffentlichkeit herzustellen.

Die für den Einsatz der A-Clips in den Kinos hergestellten 35-mm-Kopien, die im Archiv des Arsenal verblieben, zeigen wir in einer öffentlichen Sichtung am 9. Oktober. Dabei wollen wir nicht nur den Zustand des Materials begutachten, sondern auch überprüfen, welche Wirkung die Clips heute entfalten. Einige der Produzent*innen werden anwesend sein.

september 2019, living archive

arsenal 3: Neuer Streamingbereich für Mitglieder

Kino im Netz: Mit arsenal 3 starten wir ein Pilotprojekt exklusiv für unsere Mitglieder und Fördermitglieder. Im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“ konnten wir unser Angebot restaurierter und digitalisierter Filme stark erweitern. Zugrunde liegt dabei unsere Sammlung, die seit 1963 auf rund 10.000 Filme aus dem Bereich des unabhängigen Kinos angewachsen ist. In unserem neuen Streamingbereich stellen wir daraus monatlich ein Programm vor. Texte, Interviews und ergänzende Filmmaterialien geben nicht nur Einblick in Produktions- und Rezeptionsgeschichte der Filme, sondern auch in die Geschichte der jeweiligen Kopie als Teil unserer Sammlung sowie ggf. ihrer digitalen Restaurierung.

Der erste Film, bis Ende Oktober zu sehen, ist Lana Gogoberidses RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, UdSSR/Georgien 1978), der 2016 vom Arsenal digital restauriert wurde: Die Journalistin Sofiko interviewt Frauen zu ihren Lebensbedingungen und Wünschen und bemüht sich dabei selbst um eine Balance zwischen Beruf und Privatem.