november 2020, living archive

Archive außer sich: monatliche Programme auf arsenal 3

2017 begann das Projekt Archive außer sich. Gemeinsam mit den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, silent green Film Feld Forschung, dem Harun Farocki Institut, SAVVY Contemporary, der pong GmbH und dem Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ an der Goethe-Universität Frankfurt entstand eine Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten zum filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Zahlreiche Partner*innen sind im Laufe des Projekts hinzu gekommen, u.a. in Nigeria, Ägypten, Sudan, Libanon, Guinea-Bissau, Indonesien und Indien. Im Fokus steht die Frage, wie eine filmarchivarische Praxis partizipativ und dekolonial gedacht und für die Gegenwart nutzbar gemacht werden kann.

Das Abschlussfestival sollte ursprünglich im September diesen Jahres stattfinden. Aufgrund der Pandemie wurde es verschoben. Voraussichtlich vom 9. bis zum 15. Juni 2021 sollen nun im Arsenal, im silent green, bei SAVVY Contemporary und im Haus der Kulturen der Welt eine Ausstellung sowie zahlreiche Filmvorführungen, Präsentations- und Diskussionsveranstaltungen stattfinden. Archival Assembly #1 bildet den Abschluss einer langen Projektphase und ist gleichzeitig die erste Ausgabe eines Festivals, das künftig im Zweijahres-Rhythmus stattfinden soll. Denn Archivarbeit ist eine lebendige Praxis, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft stets in ein neues Verhältnis setzt.

In Vorbereitung auf die erste Ausgabe von Archival Assembly präsentieren die Projektpartner*innen von Archive außer sich sowie dem Projekt nahestehende Archive und Initiativen im monatlichen Wechsel Programme auf arsenal 3 arsenal 3.

Unter dem Titel “Why an Archive?“ stehen im November drei der einflussreichsten unabhängigen Archive aus Guangzhou, Beijing und Hongkong im Fokus: Videotage, Asia Art Archive und Video Bureau prägen seit vielen Jahren den Kulturraum ihrer Region, indem sie langfristiges lokales Engagement mit der Bildung weitreichender Netzwerke der Wissensproduktion und des Wissensaustausches verbinden. In Zusammenarbeit mit dem Times Art Center Berlin wird eine Auswahl zeitbasierter Werke präsentiert, die ausschnitthaft Einblick in Kunstbewegungen Asiens seit den späten 1980er Jahren gibt, und die den jeweiligen Ausrichtungen der Archive eng verbunden sind.

Zusätzlich zeigen wir im November anlässlich Sandra Schäfers Buchpräsentation "Moments of Rupture: Space, Militancy & Film" am 1.12. einige ihrer Arbeiten auf arsenal 3.

september 2020, kino arsenal

Symposium: Recht auf Öffentlichkeit – Arbeit mit TV-Archiven

Seit mehr als 50 Jahren produzieren und koproduzieren öffentlich-rechtliche Sender Kinofilme und kaufen diese an. Sie initiieren Sendungen und beauftragen freie Autor*innen und Filmemacher*innen. Der unschätzbare Fundus, der dadurch entstanden ist, verdankt sich dem Enthusiasmus einzelner Redakteur*innen und Redaktionen, aber auch dem gesetzlich verankerten Bildungsauftrag der Sender. Von Beginn an bestand dabei ein Spannungsverhältnis zwischen der öffentlich-rechtlichen Finanzierung der Sender und der eingeschränkten Öffentlichkeit der produzierten und erworbenen Beiträge, die nach der Ausstrahlung im Archiv verschwanden und heute kommerziell ausgewertet werden.

In einem ganztägigen Symposium am 23. September widmen wir uns in drei Panel-Runden der Möglichkeit, aus den Archiven der TV-Sender „Living Archives“ zu machen, deren Bestände für die Forschung und kulturelle Bildung zur Verfügung stehen. Am Beispiel der Filmemacher*innen Navina Sundaram, Harun Farocki und Sohrab Shahid Saless, die vor allem mit NDR, WDR und ZDF eng zusammengearbeitet haben, sollen konkrete Modelle entwickelt werden, gemeinsam mit den Sendern und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen den Zugang und die Öffentlichkeit der öffentlich-rechtlichen Archivbestände und damit die Vergegenwärtigung von Filmgeschichte zu sichern.