Archive außer sich

Kino Arsenal in der Welserstraße

„Archive außer sich“, ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Arsenal – Institut für Film und Videokunst, beschäftigt sich als Serie von interdisziplinär angelegten Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven. Was ist kulturelles Erbe, welche Gemeinschaften und Narrative, welche Adressaten und Vermittlungsformate leiten sich daraus ab und wie beständig sind sie? Oder: Welche noch unbekannten Archive bringt die Gegenwart hervor?

Zugrunde liegt die Idee des Living Archive: Erforschung, Digitalisierung und/oder Restaurierung von Archivinhalten sind Teil einer partizipativ verstandenen künstlerischen und kuratorischen Gegenwartspraxis. Das Archiv ist ein Ort der Produktion.
Aus der Diversität des Ausgangsmaterials – vollständige Filme, beschädigte oder nicht mehr rekonstruierbare Filme, ephemere Filme, Arbeitsmaterialien, Randnotizen und Objekte – sowie der jeweils spezifischen Örtlichkeit der Partner – Archive, Kinos, Festivals, Kunsträume, Universitäten, öffentlich-rechtliche Fernsehsender, Datenbanken, ein ehemaliges Krematorium – stellt sich die Frage: Was ist heute ein Filmarchiv? Welche Forderungen stellt die Öffentlichkeit an Archive und welche Gegenwart und Zukunft kann aus archivarischen Konstellationen und neuen Formen der Navigation, auch spekulativ, entworfen werden?

Die einbezogenen Archive werden zu Laboratorien für die kritische Reflexion der Kategorie des filmischen Erbes, aber auch des „Heritage“ im Allgemeinen, z.B. im Verhältnis zur Kolonial- und Migrationsgeschichte oder zur Geschichte politischer und ästhetischer Bewegungen. Das Projekt will neben filmhistorischen und filmtheoretischen Erträgen auch Beiträge zur Entwicklung neuer Perspektiven der Filmkulturpolitik leisten. Der Begriff des filmischen Erbes wird in Beziehung gesetzt zu anderen Ordnungskategorien wie „transnationales Kino“ oder „World Cinema“. Aus politischen, ästhetischen, oder auch zufälligen Verbindungen entstehen aus der Gegenwart heraus Wahlverwandtschaften, die dazu beitragen, neue Konzepte der Zeitlichkeit zu entwerfen.

Die teilnehmenden Institutionen sind: Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Film Feld Forschung gGmbH, Harun Farocki Institut, SAVVY Contemporary, pong film GmbH, der Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ an der Goethe-Universität Frankfurt und das Seminar für Filmwissenschaft an der FU Berlin.

„Archive außer sich“ ist ein Projekt des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. im Rahmen einer Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Pina Bausch Foundation, Teil des HKW-Projekts „Das Neue Alphabet“, gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.