Kerstin Schroedinger

The Song of the Shirt
Deutschland 2020

Videoinstallation, 46 Min. Englisch, Deutsch.

Ausgehend von Ernst Tollers Stück „Die Maschinenstürmer“ (1922) verlegt die Installation dessen Themen in die Ruinen der Baumwollindustrie im Ägypten nach 2011 und im postindustriellen Polen. Sie aktualisiert Technikkritik und liest den Luddismus mit Blick auf den zeitgenössischen Körper der Arbeiter*in neu – einen Körper, der immer bereits von der Geschichte des technischen Fortschritts geprägt ist. Eine durchgehende Kamerafahrt zeigt die Bewegungen einer Näherin, einer Filmvorführerin, einer Leinwandmacherin und der Filmcrew, die als Chor agiert. Sie versuchen in die Kreisbewegung zu intervenieren, zu unterbrechen, hin und hergerissen zwischen historischer Kontinuität und dem Drang, die Form des Fortschritt in andere Bahnen zu lenken. Mach langsam, halt an, geh' nicht weiter.
Projektionen auf gebrochen-weißen Baumwollstoff dokumentieren Produktionsmethoden rund um Baumwolle: Anbau, Weben, Verarbeitung, Nähen und Geschichtenerzählen - alles narrative Strukturen, die uns von komplexen sozialen Veränderungen erzählen. Zwei Stimmen suchen nach Spuren subversiver Erzählweisen und nach jenen Textilien, die (mit Haraway gesprochen) „Praktiken hervorbringen, pädagogische Praktiken und kosmologische Performances.“ (Kerstin Schroedinger)

Produktion Kerstin Schroedinger. Produktionsfirma Kerstin Schroedinger (Berlin, Deutschland). Regie Kerstin Schroedinger. Buch Kerstin Schroedinger, Nawara Belal. Kamera Bernadette Paassen. Montage Kerstin Schroedinger. Musik Wibke Tiarks, Kerstin Schroedinger. Sound Design Gilles Aubry. Ton Manuela Schininà. Szenenbild Sophia Sylvester Röpcke. Kostüm Sophia Sylvester Röpcke. Regieassistenz Wibke Tiarks. Mit Maha Maamoun (voice), Omnia Sabry (projectionist), Natalia Rolón (seamstress), Kerstin Schroedinger (screenmaker).
 

Songs of the Shirt
Deutschland 2020

16 mm, 1 Min. Englisch, Deutsch.

Vier kurze 16mm Filme: Jeder Song wird von einer Bildspur begleitet, die aus mit der Nähmaschine bearbeitetem Schwarzfilm besteht. Die Songs sind ohne Titel oder Abspann, allenfalls Interventionen. Sie sind Satelliten der Installation The Song of the Shirt (2020). Deren Filmteam bildet einen Chor und singt kurze Stücke, Zitate, begleitet von Musikexperimenten des Projekts ZONKEY (Melitopoulos/Schroedinger). Als Chor, der nicht sichtbar wird und als Film, in dessen Oberfläche gestochen wird, treten die Songs auf als Intervention, als Störung oder Unterbrechung, als filmische Maschinenstürmer. (Kerstin Schroedinger)

Produktion Kerstin Schroedinger. Produktionsfirma Kerstin Schroedinger (Berlin, Deutschland). Regie Kerstin Schroedinger. Musik ZONKEY (Schroedinger, Melitopoulos). Mit Bernadette Paassen (choir), Sophia Sylvester Röpcke (choir), Natalia Rolón (choir), Wibke Tiarks (choir), Kerstin Schroedinger (choir).

Kerstin Schroedinger ist Künstlerin und arbeitet in den Bereichen performancebasiertes Bewegtbild und Soundperformance. Ihre historiographische Praxis hinterfragt die Mittel der Bildproduktion, historische Linearitäten und ideologisch unhinterfragte Repräsentationsmuster. Ihre Recherchen widmen sich den koinzidierenden Geschichten von Industrialisierung und Film. Ihre künstlerische und kuratorische Praxis ist oft kollaborativ. Seit 2017 ist sie Mitglied des selbstorganisierten Filmlabors LaborBerlin.

Filme

2004: Das Monument (5 Min.). 2007: anstatt dass (11 Min.). 2009: as found (mit Mareike Bernien, 15 Min.). 2010: Rigid things can always be moved about (35 Min.), Translating the other (mit Mareike Bernien, 7 Min.). 2011: Red, she said (mit Mareike Bernien, 13 Min.). 2014: Rainbow's Gravity (mit Mareike Bernien, Forum Expanded 2014, 33 Min.). 2015: Fugue (8 Min., Forum Expanded 2016). 2017: Bläue (48 Min., Forum Expanded 2018). 2020: Songs of the Shirt, The Song of the Shirt.

Foto: © Kerstin Schroedinger