Februar 2010, kino arsenal

Nippon Modern: Shimazu Yasujiro

THE LIGHTS OF ASAKUSA, 1937 © Shochiku Co., Ltd.

Shimazu Yasujiro (1897–1945, nicht zu verwechseln mit Shimizu Hiroshi) gehört zu jenen Regisseuren, die in den 20er und 30er Jahren für die Firma Shochiku (aber auch für TOHO) arbeiteten und einen realitätsnahen Stil entwickelten, der sich häufig durch ein sozialkritisches Engagement auszeichnete und als "japanische Klassik" der Vorkriegszeit bekannt wurde. Die Regisseure der Firma Nikkatsu (zu denen auch Mizoguchi gehörte) folgten einer anderen stilistischen Linie, die dem Theater näher stand. Bei Shochiku dominierte bereits der Einfluss des US-Kinos und die amerikanische Schnitttechnik, die durch den Kameramann Henry Kotani eingeführt wurde, der zuvor in Hollywood gearbeitet hatte. Shimazu, der nach dem Erdbeben von 1923 in Tokio verblieb und in dem Kamata-Studio von Shochiku arbeitete, drehte zunächst Melodramen, wechselte dann aber zu modernen Alltags-Dramen über, entdeckte neue Darsteller und machte diese zu Stars. Vom Werk Shimazus inspirierten sich viele japanische Regisseure einer späteren Generation, so Gosho Heinosuke und Kinoshita Keisuke, die bei Shimazu als Regieassistenten arbeiteten. "Shimazu Yasujiros Einfluss auf den japanischen Film kann nicht überschätzt werden", schrieb das Festival Tokyo FilmEx in seinem Katalog. Tokyo FilmEx trug im November 2009 durch eine Retrospektive "Nippon Modern: 1930s" zur Wiederentdeckung Shimazus bei.

THE TRIO'S ENGAGEMENT (Konyaku sanbagarasu, 1937, 23.2.) In einer Zeit der Arbeitslosigkeit finden drei junge Männer gleichzeitig Arbeit in einer Textilfabrik und verlieben sich alle drei in die Tochter des Fabrikdirektors, wodurch zwischen ihnen eine Rivalität im Werben um ihre Gunst entsteht. Jedoch hat jeder der drei bereits eine Verlobte. Die raffinierte romantische Komödie nutzt das Dekor des Ginza-Stadtviertels und den Lebensstil der Zeit, um drei Typen der modernen Jugend abzubilden: die Jugend der Vorstadt, die aus dem Stadtzentrum und die vom Lande. Shimazu vergab die drei Rollen an bislang noch unbekannte junge Schauspieler, die nach dem Film als "Shochikus drei Vögel" bekannt wurden.

THE LIGHTS OF ASAKUSA (Asakusa no tomoshibi, 1937, 24.2.) Ein Jugenddrama, das in den Kulissen der Asakusa-Oper in der Taisho-Zeit (1912–1926) angesiedelt ist. Die Atmosphäre des Stadtviertels Asakusa und der Lebensstil der Zeit werden lebendig in Szene gesetzt. Sugimura Haruko als Primadonna von Gesang und Tanz steht im Mittelpunkt des Films, aber auch Ken Uehara in einer Heldenrolle. Reiko, eine junge Tänzerin, wird gedrängt, die Geliebte eines neureichen Stahl-Magnaten zu werden, aber ihre Fans und Ensemble-Mitglieder schließen sich zu ihrer Verteidigung zusammen.

SO GOES MY LOVE (Ai yori ai e, 1938, 25.2.) Ein Melodram, das die Liebesgeschichte einer jungen Frau erzählt. Ein erfolgloser junger Schriftsteller lebt mit seiner Freundin zusammen, seine Eltern sind aber gegen diese Verbindung und behindern die Karriere des Schriftstellers. Toshiko, die jüngere Schwester des Schriftstellers, versucht vergebens, ihre Eltern zur Vernunft zu bringen. Schließlich überzeugt der Onkel des Schriftstellers die Freundin, sich für den Schriftsteller zu opfern, indem sie sich von ihm trennt. Nach vielen Irrungen und Wirrungen lösen sich die Affären schließlich auf. Besonders interessant ist das Porträt der beiden Frauen zwischen dem alten und neuen Wertesystem.

Mit Dank an Shochiku Co. Ltd. (Ishida Satoko) und Tokyo FilmEx (Hayashi Kanako).