Januar 2007, kino arsenal

Kino im Kopf - Lesung Monika Rinck

Eigentlich sei das keine große Sache, lässt Iris Murdoch einen Psychoanalytiker in einem ihrer Romane sagen, es gehe eher darum "some sort of ad hoc expert on misery and guilt" zu werden. Das ist das psychische Gelände – der Bewusstseinsraum unter Leidensdruck –, in dem das Material wahrnehmbar gemacht werden muss, damit es wahrheitsfähig wird. Wir sprechen von Trümmern von Objekten, protomentalen Systemen, verkapselter Angst, vorgedanklichen, nicht-repräsentierbaren Vorgängen, katastrophaler Weite, einer irren Rätselschrift, die sich nicht lesen lässt. Der Analytiker W.R. Bion zeigt, was es bedeutet, mit "etwas so Schrecklichem wie dem menschlichen Bewusstsein zu arbeiten" – um Denken zu ermöglichen, um zu heilen. In ihrem Vortrag "Diese Peepshow ist dein Sarg" geht Monika Rinck, begleitet von W.R. Bion, Mark Rothko und Stan Brakhage, den Wahrnehmungsvorgängen nach, aus denen die Psychoanalyse ihr Material bezieht. (7.1.)